Vor dem G 9: In Fürth herrscht noch Gelassenheit

19.4.2018, 11:00 Uhr
Das neue G 9 gibt Gymnasiasten ab September wieder neun Jahre Zeit bis zum Abitur, erlaubt aber auch den schnelleren Weg zum Ziel in acht Jahren. Manche Schulleiter fragen sich, ob sie genug Platz für das G 9 haben.

© Foto: Armin Weigel/dpa Das neue G 9 gibt Gymnasiasten ab September wieder neun Jahre Zeit bis zum Abitur, erlaubt aber auch den schnelleren Weg zum Ziel in acht Jahren. Manche Schulleiter fragen sich, ob sie genug Platz für das G 9 haben.

Bürgermeister und Schulreferent Markus Braun zeigt sich unaufgeregt. Nein, schlaflose Nächte habe er vor dem Start des neunjährigen Gymnasiums nicht. Auch seien im Rathaus "noch keine Alarmmeldungen" von den drei Fürther Gymnasien eingegangen. Doch, schränkt Braun ein, stehe die Einschreibung fürs neue Schuljahr erst im Mai auf der Agenda.

Im September wird in Bayern umgestellt: vom acht- auf das neunstufige Gymnasium, zeitgleich für die fünften und sechsten Klassen. Bis zum Abi bekommen die Schüler dann ein Jahr mehr Zeit und, verteilt auf neun Jahre, 19 zusätzliche Wochenstunden. Unterm Strich dürften insbesondere die Klassen der Unterstufe pro Woche weniger Unterricht und nachmittags in der Regel frei haben.

Genau das aber, sagt Braun, werfe in vielen Schulen und Kommunen Fragen auf. Denn zwar komme das G 9 mit größeren Schülerzahlen formal erst 2025/26 zum Tragen. Erst dann gibt es eine 13. Jahrgangsstufe. Doch stelle sich bereits die Frage, wie die Schulen Stunden vom Nachmittag auf den Vormittag verschieben können.

Das neue G 9 gibt Gymnasiasten ab September wieder neun Jahre Zeit bis zum Abitur, erlaubt aber auch den schnelleren Weg zum Ziel in acht Jahren. Manche Schulleiter fragen sich, ob sie genug Platz für das G 9 haben.

Das neue G 9 gibt Gymnasiasten ab September wieder neun Jahre Zeit bis zum Abitur, erlaubt aber auch den schnelleren Weg zum Ziel in acht Jahren. Manche Schulleiter fragen sich, ob sie genug Platz für das G 9 haben. © Foto: Armin Weigel/dpa

Überspitzt formuliert gehe es darum, dass ein Schulhaus künftig nachmittags leerstehe, während vormittags mehr Räume gebraucht würden. Bisher, so Braun, begann für Klassen etwa manchmal bereits gegen 11 Uhr die Mittagspause. So war der Raum frei für andere Schüler.

Hinzu kommt laut Braun, dass mit dem Nachmittagsunterricht im G 8 Eltern ihre Kinder zumindest an einigen Tagen in der Obhut der Schule wissen. Kämen nun mehr Anfragen nach Ganztagsangeboten, könnte das manche Raumnot verschärfen. Das Heinrich-Schliemann-Gymnasium platzt schon lange aus allen Nähten. Seit Jahren findet notgedrungen auch im City-Center Unterricht statt.

Wie berichtet, soll das HSG entweder erweitert oder in nächster Nähe neu gebaut werden. Der Stadtrat hat sich nun mit dem Raumprogramm des HSG befasst und den Bedarf, mit Blick auf das G 9, erneut angehoben. Statt mit rund 5800 Quadratmetern Nutzfläche kalkuliert die Stadt nun mit über 6000 Quadratmetern, fast dem Doppelten der Bestandsfläche.

Zwei neue Gymnasien in Nürnberg geplant

Am HSG ist man froh darum. "Das G 9 stellt uns vor neue Herausforderungen", sagt Schulleiter Carsten Böckl. Mit dem von der Schulfamilie gewünschten Neubau auf Basis des skizzierten Raumbedarfs würde ihm das G 9 "keine Sorgen" machen. Zurzeit beschäftige sich die Schule mit Vorplanungen, nach der Anmeldewoche ab 7. Mai wisse man mehr. In einem Punkt ist sich Böckl aber schon sicher: Man habe genug Platz, um die jüngeren Schüler ab Herbst nur vormittags zu unterrichten.

Bürgermeister Braun geht zwar davon aus, dass an allen drei Fürther Gymnasien infolge des G 9 "räumliche Engpässe eintreten". Er glaubt aber auch, dass diese das "zumindest kurzfristig nicht vor unlösbare Aufgaben stellt". Anders als in Nürnberg, wo sogar zwei neue Gymnasien geplant sind, sei die Versorgungssituation in Fürth "nicht so auf Kante genäht". Gelassen blickt man auch am Gymnasium Stein in die Zukunft. Dort beginnt beinahe zeitgleich mit dem G 9 in den Sommerferien die millionenschwere energetische und brandschutztechnische Sanierung des dreiflügeligen Gebäudes in dreieinhalb Jahren. Sie erfolgt Zug um Zug. Die Schüler des jeweils betroffenen Flügels werden dann immer bis zu dessen Fertigstellung in Pavillons unterrichtet.

Schulleiter Gerhard Nickl zufolge bekommt die Schule nicht mehr Räume. 930 Jugendliche besuchen das Steiner Gymnasium aktuell. "Es waren schon mal über 1100." Soll heißen: Da ist etwas Luft. Ob sein Haus mehr Platz braucht, wenn der erste G 9-Jahrgang auf das Abitur zusteuert, meint Nickl, "müssen wir sehen".

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