Vor Sanierung: Blick in die Langenzenner Stadtkirche

Dekan Schuster zeigt in der Langenzenner Trinitatiskirche, wo überall Handwerker und Restauratoren anpacken müssen. Die Strahlkraft der Fresken wird nach der Sanierung noch stärker sein.

Dekan Schuster zeigt in der Langenzenner Trinitatiskirche, wo überall Handwerker und Restauratoren anpacken müssen. Die Strahlkraft der Fresken wird nach der Sanierung noch stärker sein. © Foto: Hubert Bösl

Zum letzten Mal saniert wurde die gotische Basilika mit ihrem benachbarten Kreuzgang, die bis Mitte des 16. Jahrhunderts Sitz des wohlhabenden Augustiner Chorherrenstifts war, in den 1970er Jahren. Damals bekam die Kirche zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Heizung, die bis heute ihren Dienst tut.

Nun muss erneut am Erhalt des alten Gemäuers gearbeitet werden. „Die Kirche, die Welt sind immerwährende Baustellen“, sagt Dekan Friedrich Schuster, der der aktuelle „Bauherr“ sein wird. Fast scheint es, als würde er sich auf die Mehrarbeit, die ihm die Kirchensanierung bringt, freuen: „Ich möchte diese Zeit unter das Motto des Wandels stellen“, sagt er. Und dass nicht nur er während der Sanierungsphase viel zu tun haben wird, ist bereits klar: „Die Stunden mit Putzdiensten werden ins Unendliche steigen“, fürchtet der Dekan.

Die Renovierung ist nämlich bei „laufendem Betrieb“ geplant. Während der Arbeiten wird die Gemeinde nicht anderswo Quartier beziehen, sondern mittendrin ihre Feste und Gottesdienste feiern.

Besonders wichtig ist die Ertüchtigung der Statik des Dachs. Dazu wird abschnittsweise ein Drittel der Ziegel abgedeckt, damit die Zimmerleute und Spezialisten für Sandstein ihre Arbeit machen können. Danach gehen wieder die Dachdecker ans Werk.

Für diese Arbeit ist allerdings nicht nur ein Außengerüst, das auch im Klosterhof stehen wird, nötig, sondern aus Sicherheitsgründen zusätzlich ein Innengerüst. Denn die hölzerne Kirchendecke unter dem Dachstuhl ist nicht stabil genug, um einen Menschen zu tragen.

Zweite große Maßnahme ist die Reinigung der Wände. Hier können die Langenzenner schon heute einen Blick in die Zukunft werfen. Im Chor am unteren Ende des Sankt-Andreas-Freskos wurde die Reinigungsmethode bereits angewandt und ein kleines Rechteck leuchtet hell statt gräulich.

Kirchenwände müssen viel aushalten, sie schlucken Staub, den die Menschen hereintragen, sie nehmen Feuchtigkeit auf oder Kerzenruß und es bilden sich in ihren Poren Ablagerungen. Die Trinitatiskirche erhält sozusagen ein „Peeling“, das die Poren wieder freimacht.

Neue Beleuchtung

Die Kirche mit ihren bunten Fresken wird danach wieder strahlen, auch weil zusätzlich eine neue Beleuchtung die Kunstwerke in Szene setzt. Ein Vorzug, der auch mehr Komfort für die Gottesdienstbesucher bietet, die sich jetzt gelegentlich beklagen, dass sie im schummrigen Licht nicht im Gesangbuch lesen können.

Letzte große Maßnahme ist die Stabilisierung der bunten Glasfenster. Eine Spezialfirma wird dafür sorgen, dass sie sich nicht noch mehr nach außen wölben. Was nur wenige wissen, zwei der Fenster haben die deutschen Kaiser Wilhelm I und II gestiftet. Die Preußen zeigten damit ihre Verbundenheit mit den fränkischen Hohenzollern.

Doch eine Kirche ist kein Wohnzimmer, das einfach ausgeräumt werden kann. Die Orgel, die Kunstwerke und Fresken müssen während der Bauzeit geschützt werden. „Alles wird eingehaust“, erläutert Dekan Schuster. Das heißt: Dicke Folien sollen vor Schäden bewahren. Während der gewöhnlichen Sonntagsgottesdienste wird ein kleines Ersatzinstrument statt der großen Orgel zum Einsatz kommen, doch an hohen Festtagen soll die Folie von der großen Orgel entfernt werden. „Wir haben das mit dem Orgelbauer besprochen“, ist Schuster zuversichtlich, dass alles gut klappen wird.

Improvisationstalent wird während der Bauzeit gefragt sein. Nur nicht bei der Finanzierung: 3,85 Millionen soll die gesamte Maßnahme kosten. Glück für die Kirchengemeinde: Der Sakralbau ist einer von zwei in Bayern, die dem Freistaat gehören. Also wird das Land einen Großteil bezahlen.

360 000 Euro muss die Kirche, die Nutznießerin des Gebäudes ist, selbst aufbringen. 180 000 Euro gibt es für die Pfarrei von der Landeskirche als Zuschuss. Doch den Rest muss die Gemeinde zahlen. Spenden sind also durchaus erwünscht, um die stolze Summe stemmen zu können. Würde Geld bei der Sanierung keine Rolle spielen, dann könnte man in der Basilika den gesamten Putz entfernen und würde darunter überall Fresken entdecken, wie sie jetzt schon im Chor zu sehen sind. Schließlich waren Kirchen im Mittelalter für das leseunkundige Volk eine Art Bilderbuch der biblischen Geschichten und Legenden.

 

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