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Was Wohnen in Fürth wirklich kostet: Mietspiegel vorgestellt

Stadt erhöht erstmals seit acht Jahren Obergrenzen für Unterkunft - 22.07.2014 05:58 Uhr

Ob Altbau oder Neubau: Am neuen Mietspiegel können sich Mieter und Vermieter orientieren — und bei Streitfragen auch das Gericht. © Horst Linke


Grundlage für das Zahlenwerk ist eine Umfrage: Zwischen Oktober und Dezember bekamen zufällig ausgewählte Fürther Haushalte Besuch von Interviewern. Gemeinsam mit ihnen füllten 1354 Mietparteien einen Fragebogen aus. Darin ging es nicht nur um die Höhe der Miete, sondern auch um Größe, Alter, letzte Sanierung und Ausstattung der Wohnung.

Nach Angaben der Stadt Fürth liegt der Quadratmeterpreis für 50 bis 90 Quadratmeter große Wohnungen in Fürth - kalt und ohne Nebenkosten - im Durchschnitt bei 5,58 Euro: über einen Euro niedriger als in Nürnberg und zwei Euro niedriger als in Erlangen. Abhängig von Kriterien wie Lage oder Zustand der Wohnung könnten die Preise allerdings stark variieren, sagt Sozialreferentin Elisabeth Reichert. Alles, was 21 Prozent über oder 21 Prozent unter diesem Durchschnitt liegt, sei daher noch „ortsüblich“.

Und wie sah es zuvor aus? Über Jahrzehnte gab es in Fürth nur einen einfachen Mietspiegel, dem keine wissenschaftliche Erhebung zugrunde lag. Im Abstand einiger Jahre setzten sich Vertreter des Mietervereins und der Hausbesitzervereinigung Haus und Grund an einen Tisch und schrieben den Spiegel bei Gesprächen - im Einvernehmen mit der Stadt - fort. „Es ist ein bisschen wie Tarifverhandlungen“, hatte ein Vertreter von Haus und Grund vor Jahren einmal den Fürther Nachrichten gesagt.

Nicht vergleichbar

Nach den Worten von Sozialamtsleiterin Michaela Vogelreuther liegt der neue Mietspiegel „gar nicht so weit entfernt“ von den alten Zahlen, die wegen der unterschiedlichen Art der Erhebung aber nicht vergleichbar seien. Einen Durchschnittswert - wie die erwähnten 5,58 Euro - habe es beispielsweise bislang nicht gegeben.

Dass er überhaupt nötig wurde, hat mit rechtlichen Vorgaben zu tun. Der Hintergrund: Der Mietspiegel dient auch als Richtwert für Leistungen der Kommune, etwa die Mietkosten von Langzeitarbeitslosen und Sozialhilfeempfängern - Fachbegriff: Kosten der Unterkunft (KdU). Seit Jahren gelten strikte Mietobergrenzen. So übernahm die Kommune für einen alleinstehenden Alg-II-Empfänger in Fürth nur dann die Unterkunftskosten, wenn die Miete inklusive der „kalten“ Nebenkosten 300 Euro im Monat nicht überstieg. Allerdings beklagten immer wieder Menschen, dass so günstiger Wohnraum in Fürth kaum noch zu finden sei. Hin und wieder landeten solche Streitfälle - wie auch in anderen Städten - vor Gericht. Schließlich ermahnte das Bundessozialgericht die Kommunen, ihre Berechnungen für die Mietobergrenzen auf eine bessere Grundlage zu stellen - zum Beispiel mit Hilfe eines qualifizierten Mietspiegels.

Mit diesem neuen Zahlenwerk als Grundlage erhöht die Stadt Fürth zum ersten Mal seit acht Jahren die Mietobergrenzen. Ein Alleinstehender darf sich jetzt eine Wohnung leisten, die bis zu 348 Euro im Monat kostet. Das sind 16 Prozent mehr als bisher. „Wenn man pro Jahr eine Steigerung von zwei Prozent annimmt“, sagt die Sozialreferentin, „dann sind wir damit absolut im Rahmen.“

"Jeder kann etwas finden"

Reichert und Vogelreuther betonen, dass knapp die Hälfte aller Fürther Wohnungen preislich unter den Obergrenzen liegen und somit für Alg-II- Empfänger „geeignet und bezahlbar“ seien. Alle Betroffenen könnten „angemessene Wohnungen“ finden. Die ohnehin finanziell nicht auf Rosen gebettete Stadt Fürth, die für die Unterkunftskosten aufkommen muss, rechnet wegen der neuen Mietobergrenzen mit deutlichen Mehrausgaben in Höhe von ein bis zwei Millionen Euro im Jahr.

Der Mieterverein sowie Haus und Grund - je ein Vertreter saß in einem Arbeitskreis, der die Erstellung des neuen Mietspiegels begleitet hat - sind vor allem aus juristischen Gründen zufrieden. In Streitfällen, etwa bei Mieterhöhungen, müssten nun keine teuren Gutachten mehr eingeholt werden. Da der neue Mietspiegel mit ganz anderen Kriterien erstellt wurde als der alte, tun sich beide Verbände aber schwer damit, die neuen Zahlen zu beurteilen. Von Seiten des Mietervereins heißt es natürlich: „Wir hoffen, dass sich bei den Mieten nicht viel nach oben tut.“

Erhältlich ist der Mietspiegel gegen eine Schutzgebühr von drei Euro in der Fürther Bürgerinformation, Königstraße 86. 

JOHANNES ALLES

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