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Wassermann-Preis: Auszeichnung für Humanität und Toleranz

Barbara Honigmann ist mit dem Fürther Literaturpreis geehrt worden — "Doppelte Existenz" als Herausforderung - 02.07.2018 16:00 Uhr

„Ich gefalle mir manchmal in der Rolle als eine der letzten deutschen Juden“: Barbara Honigmann trägt sich nach der Preisverleihung im Beisein von OB Thomas Jung ins Goldene Buch der Stadt ein. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Jakob Wassermann, der 1873 in Fürth zur Welt kam, hat seiner Geburtsstadt kein handliches Erbe hinterlassen. Als Literat ("Caspar Hauser", "Das Gänsemännchen") war er einer der populärsten seiner Epoche. Doch zeitlebens litt er an der permanenten Erfahrung, als Jude zum Außenseiter gestempelt zu werden, dem es von Jugend an verweigert wurde, sein Deutschsein gleichberechtigt und ohne die Einschränkung durch antisemitische Anfeindungen zu leben.

Doppelte Existenz

Wie spannungsreich und vielschichtig diese Thematik bis heute ist, machte Barbara Honigmann gestern in Fürth deutlich. Die neue Trägerin des mit 10 000 Euro dotierten Wassermann-Preises machte deutlich: "In der Parallelität der doppelten Existenz der modernen autonomen Persönlichkeit seit der Aufklärung und dem Zugehörigkeitsgefühl zum jüdischen Volk und der religiösen Bindung seit alters her, sei sie auch noch so ,locker, verflacht, verdünnt und ohne Gemütsmacht‘, wie Wassermann sagt, lag im 18., im 19., im 20. Jahrhundert und liegt auch noch heute die Herausforderung des jüdischen Lebens."

Barbara Honigmann, die 1949 geboren wurde, in der DDR aufwuchs und seit mehr als 30 Jahren in Straßburg lebt, studierte Theaterwissenschaften, arbeitete als Dramaturgin und Regisseurin. Seit 1975 ist sie freie Autorin. Zu ihren Werken gehören zum Beispiel "Chronik meiner Straße", "Bilder von A." oder "Ein Kapitel aus meinem Leben", ein Buch, das die Geschichte ihrer Mutter beleuchtet.

Sie zählt zur "zweiten Generation" jüdischer Familien, die den Holocaust überlebt haben. "Ich gefalle mir manchmal in der Rolle als eine der letzten deutschen Juden", sagte sie im Stadttheater. Aber auch "jenseits dieser Rolle" sei es für sie bedeutungsvoll und eine Freude, diese Auszeichnung entgegennehmen zu dürfen.

Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung hatte zuvor in seiner Würdigung der Preisträgerin versichert: "Barbara Honigmann steht mit ihrem literarischen Schaffen für Humanität, Toleranz und Gerechtigkeit ein." Auch hier schließe sich der Kreis zu Wassermann, der vehement für diese Werte gekämpft habe.

"Pflicht und Verantwortung"

Für Fürth sei die Erinnerung an den Schriftsteller "nicht nur stolzes Erbe", sondern auch Pflicht und Verantwortung, sein Anliegen zu fordern und zu fördern. Der OB betonte, dass die Verleihung, die musikalisch vom Trio Palpable von der Musikschule Fürth unter der Leitung von Irene von Fritsch umrahmt wurde, diesmal auch im Zeichen des 200. Jubiläums von Fürths Eigenständigkeit als Stadt stehe.

Mit "Deutsch als Sprachheimat" setzte sich Anat Feinberg, die den Lehrstuhl für hebräische und jüdische Literatur an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg inne hat, in ihrer Laudatio auseinander. Feinberg griff zu Honigmanns persönlicher Spurensuche "Damals, dann, danach" und zitierte die Autorin: "Als Jude bin aus Deutschland weggegangen, aber in meiner Arbeit, in einer sehr starken Bindung an die deutsche Sprache, kehre ich immer wieder zurück."

Sabine Rempe

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