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Weltkulturerbe-Schock hält sich in Grenzen

Das Aus für die Fürther Bewerbung wird von den Initiatoren nicht als das Ende aller Bemühungen angesehen - 20.06.2014 06:00 Uhr

Einzigartig sind die nahezu im Originalzustand erhaltenen Altbauensembles der westlichen Innenstadt - wie hier am Mariensteig. Fürth kann damit ebenso punkten wie mit seinen über 2000 Baudenkmälern. © Berthold


„Die Chancen waren nie sehr groß“, sagt der Fürther Verleger Lothar Berthold, der den Stein 2009 mit einem Bildband über das einzigartige historische Ensemble der Innenstadt ins Rollen gebracht hat. Zu sperrig sei das Stiftungsthema. Die Stadtverwaltung hatte es der ursprünglich angeregten Bewerbung Fürths mit seiner Fülle an Baudenkmälern vorgezogen.

Ans Aufgeben denkt Berthold gleichwohl nicht. Er regt vielmehr an, dass sich Fürth noch einmal bewirbt – zusammen mit dem ukrainischen Czernowitz. Vor dem aktuellen politischen Hintergrund rechnet Berthold noch mit einem Sinneswandel der Kultusminister. Czernowitz verfügt nicht nur über einen Zwillingsbau des Fürther Theaters, sondern zeichnet sich ebenfalls durch zahlreiche jüdische Stiftungen aus. Dass die überlaufenen bayerischen Königsschlösser noch im Rennen sind, während das als „Fränkisches Jerusalem“ apostrophierte Fürth heraus gekegelt wurde, will Berthold nicht einleuchten.

Auch der Fürther Architekturkenner Ernst Ludwig Vogel will weitermachen. Er setzt auf ein Symposium mit dem Weltkulturerbe-Fachmann Prof. Michael Schmidt aus Cottbus, der die Bewerbung betreut hat. Es sei zu prüfen, ob man andere Schwerpunkte setzen soll. Außerdem regt Vogel an, im Fürther Hauptbahnhof ein Weltkulturerbe-Infozentrum einzurichten.

Nach Ansicht von Stadtheimatpfleger Alexander Mayer sollte sich Fürth wieder auf seine eigentlichen Stärken besinnen: die große Denkmaldichte. Das jüdische Stiftungswesen sei schließlich kein Alleinstellungsmerkmal, da es in vielen größeren Städten praktiziert wurde. Auf eine weitere Bewerbung sollte Fürth jedenfalls so ohne weiteres nicht verzichten. Es gehe schließlich um viel Geld. Mayer: „Regensburg streicht für sein Weltkulturerbe sieben Millionen Euro jährlich ein. Damit kann man schon etwas anfangen.“ Mit über 2000 Baudenkmälern weist Fürth in Relation zur Bevölkerungszahl die größte Dichte historischer Bauwerke unter Bayerns Großstädten auf. Wenn die Stadt darüber hinaus auch ihre historischen Ensembles noch in den Fokus rückt, hat eine erneute Bewerbung in Mayers Augen durchaus noch Chancen.

- © NN


Im Stadtplanungsamt hat die Absage zunächst Ratlosigkeit ausgelöst. „Offiziell wissen wir noch nichts“, sagt Amtschef Dietmar Most. Deshalb seien auch die Ablehnungsgründe unbekannt. Ein Symposium hält auch Most für sinnvoll, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Vorwürfe müsse sich in Fürth niemand machen: „Wir haben alles versucht.“ Der finanzielle Einsatz sei zwar überschaubar gewesen, der Zeitaufwand jedoch erheblich. Vor allem Baureferent Joachim Krauße hat sich intensiv um die Bewerbung gekümmert. Derzeit ist er in Urlaub.

Da der Weg zum Weltkulturerbe lang ist, braucht man nach Mosts Worten auch einen langen Atem. „Furchtbar entmutigend“ sei die Absage für ihn nicht. Vergebens sei die bisherige Mühe nicht gewesen. Man könne daran anknüpfen und müsse sich überlegen, ob man neue Schwerpunkte setzen soll. Der Amtsleiter gibt zu bedenken, dass der Titel „Weltkulturerbe“ nicht nur ein Segen ist. Er könne auch schnell zur Fessel werden, wenn es etwa darum gehe, ein historisches Ensemble weiterzuentwickeln.

Am kommenden Montag treffen sich die Mitglieder der Weltkulturerbe-Initiative um 19 Uhr im Restaurant Penelope, Moststraße 33, um über das weitere Vorgehen zu beraten (Tel. 77 31 92).

VOLKER DITTMAR

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