Donnerstag, 24.10.2019

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Wenn man die Liebe beim Tanzen entdeckt

In den hiesigen Tanzschulen haben schon viele Liebesgeschichten begonnen - 16.06.2019 10:00 Uhr

Alexandra Bernhardt (3. v. re.) hat in ihrer Zirndorfer Tanzschule schon etlichen Singles geholfen, einander zu finden: Karin und Heinrich, Enza und Toni und Manuela und Rainer gehören dazu. © Foto: Peter Budig


Etwas außerhalb von Zirndorf, Richtung Ammerndorf, hat Alexandra Bernhardt vor über 20 Jahren ihren Lebenstraum verwirklicht. Von der Hauptstraße sieht man das leuchtend gelbe Dach einer langgestreckten Halle; im Inneren, mit gemütlichen Sitzgruppen und riesigen Spiegeln, ist ihr großräumiges Tanzstudio.

Das Angebot der beim Allgemeinen Deutschen Tanzverband (ADTV) ausgebildeten Unternehmerin ist breit angelegt: Es gibt Grund- und Medaillenkurse sowie Tanzkreise für die Standardtanzarten, Boogie Woogie, Slowfox und Line Dance.

Alex, wie sie alle nennen, besitzt jedoch eine besondere Fähigkeit, die in keiner Broschüre vermerkt ist: Sie hat ein Händchen für die Liebe, fügt zusammen, was unentdeckt geblieben ist und bald dauerhaft zusammengehört. "Oft kommen Singles zu mir und suchen erst mal einen Tanzpartner", sagt sie und lacht ihr ansteckendes Lachen.

Dann fragt sie Fakten ab, notiert Körpergröße, Alter, Tanzkenntnisse und entlässt die Hoffnungsvollen mit der Ansage, sie werde ein Auge darauf haben. Sie sieht sich um, unter geeigneten Kandidaten und übergibt – nach ausdrücklicher Zustimmung – Telefonnummern.

Manuela (50) und Rainer (52) haben sich so kennengelernt. Rainer war bereits in Line-Dance-Kursen dabei, wo man keinen Partner braucht. Manuela kam hinzu, weil sie wieder tanzen wollte: Beide bestätigen heute, nachdem sie über ein Jahr eine feste Beziehung führen, dass es "vom ersten Augenblick an im Magen kribbelte".

Auch der Hubschrauberpilot Torsten (41) und die Lehrerin Stephanie (36) erinnern sich, "dass bereits das erste Telefongespräch dreieinhalb Stunden dauerte". Das war im Juni 2011 – inzwischen sind sie einige Jahre verheiratet. "Ich dachte mir sofort, dass die Stephanie zum Torsten passt", erinnert sich Alexandra Bernhardt.

Auch Heinrich (62) und Karin (59) haben sich 2006 auf diese Weise kennen und lieben gelernt. Karin war damals "schon fünf Jahre Single". Längst wohnt Heinrich bei ihr auf dem Land und hat sich Karins zweites Hobby angeeignet: Beide sind nun begeisterte Freizeitreiter auf eigenen spanischen Pferden. Sie sind seit 13 Jahren ein Paar und haben heuer am 30. April, dem Jahrestag ihres Kennenlernens, geheiratet.

Streitereien werden vergessen

Verheiratet waren Enza (58) und Toni (60) eigentlich schon immer, inzwischen 39 Jahre lang. Enza ist allerdings überzeugt: "Ohne das Tanzen bei Alex wären wir schon mehrmals getrennt." Nach einem Streit, wenn zwei Dickköpfe schweigen, "geht man in die Tanzstunde, die niemals ausfallen darf und da muss man ja miteinander sein, gegeneinander geht nicht", sagt Enza.

So wurde manche Ehe-Klippe umschifft und bei Alex gibt’s bei den Partys einen Cocktail namens "Enza", von der temperamentvollen Frau aus Kalabrien persönlich gemixt.

In der Tanzschule hat – wer es wünscht – Familienanschluss. Man fährt gemeinsam auf ein Wochenende in den Bayerischen Wald oder zum Tanzen auf das Nürnberger Frühlingsfest. Warum es die Liebe beim Bewegen zur Musik leichter hat? Alex weiß es: "Das Tanzen bringt viel hervor: wie man mit Fehlern umgeht, mit eigenen und denen des andern, wie man führen kann und geführt wird, wie man ist, wenn die Bewegung einen beschwingt und der Alltag abfällt."

Auch beim Streng lernten sich viele kennen 

In Fürth ist das Synonym für Tanzen lernen „der Streng“, „eine der drei ältesten Tanzschulen in Deutschland“, wie Geschäftsführerin Manuela Sträßner betont. „Das Tanzen findet wieder großen Zuspruch bei Jung und Alt“, freut sie sich.

„Die Zahl der Ehen, die hier ihren Anfang nahmen, ist groß“, sagt sie lächelnd: „Wir machen regelmäßige Ehemaligen-Parties und wenn wir da fragen, wer sich ‚beim Streng‘ kennengelernt hat, gehen die Hälfte der Hände hoch“. Bei Streng gibt es eigens Kurse für Singles, wobei Sträßner beobachtet hat, „dass heute bei vielen erst einmal die Freude am Tanzen im Mittelpunkt steht“. Übrigens hat sich das Verhältnis Frauen-Männer gewandelt: Früher waren die Damen sehr in der Überzahl, doch die Herren holen auf. 

PETER BUDIG

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