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Werden in Fürth besonders viele Bäume gefällt?

An der Hansastraße, am Golfplatz und am Hornschuchcampus mussten viele Gehölze weichen - 22.02.2021 06:00 Uhr

Das kleine Wäldchen westlich der Hansastraße in Unterfarrnbach steht nicht mehr. Es musste weichen, weil dort Wohnungen entstehen sollen.

18.02.2021 © Foto: Tim Händel


Fallen momentan in Fürth, in Pandemie-Zeiten eher unbeachtet, sehr viele Bäume der Säge zum Opfer? Der Bund Naturschutz (BN) erhebt diesen Vorwurf in einem Schreiben an die Stadt. An vielen Stellen im Stadtgebiet fänden "massive Baum- und Gehölzfällungen" statt, heißt es darin. Etliche Beispiele listet der BN auf.

Betroffen sei etwa das Wäldchen westlich der Hansastraße, wo das Evangelische Siedlungswerk Reihenhäuser mit 45 Eigenheimen bauen will, sowie der Hornschuch-Campus an der Hornschuchpromenade nahe der Stadtgrenze. Dort entsteht unter anderem ein Parkhaus. Wohnhäuser sind zudem zwischen Falken- und Iltisstraße in Unterfarrnbach geplant, auch hier wurde gerodet. Im Golfpark an der Vacher Straße entsteht neues Gewerbe; dort musste eine stattliche Eiche weichen.

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Jürgen Tölk sind diese Fällungen bekannt, er wehrt sich aber gegen den Vorwurf, die Stadt holze genau dann in großem Maß ab, wenn die Pandemie die Öffentlichkeit im Bann hält. Zwischen Corona und den Abholzungen bestehe kein Zusammenhang, sagt der Leiter des städtischen Umweltamts. Vielmehr fänden die Arbeiten genau jetzt wegen der geltenden Brutschutzzeiten für Vögel statt. Bäume und Gehölze dürfen nämlich nur zwischen Oktober und Ende Februar geschnitten oder gerodet werden. Danach müssen sie zum Schutz der Tiere stehen bleiben. Dass in diesen Wochen noch viele Baumarbeiten über die Bühne gehen, sei normal, betont Tölk.

Ökologische Dienstleitung

Wenn alte Bäume weichen müssen, schmerze das auch ihn. Denn selbst wenn in solchen Fällen Ersatzpflanzungen vorgeschrieben sind – je nach Stammumfang und Vitalität können das bis zu zwölf Bäumchen für ein großes Exemplar sein –, dauere es Jahrzehnte, bis diese die "ökologische Dienstleistung" der Urgesteine übernehmen können. Und auch der BN kritisiert, dass solche Ersatzpflanzungen eine "Alibi-Maßnahme" seien. Oft würden sie zudem in den ersten Jahren nur "unzureichend betreut" und fielen nicht selten Trockenperioden zum Opfer.

Tölk wiederum weiß um diese Probleme. Eine regelmäßige Kontrolle der jungen Pflanzen, wie sich das der BN wünschen würde, könne die Stadt allein allerdings nicht leisten, bedauert er. Dafür brauche es die Mithilfe anderer, etwa des BN, die auf Missstände aufmerksam machen. Er sagt aber: "Sterben Ersatzpflanzungen ab, müssen diese wieder neu gepflanzt werden."

Linderung bei Hitze

Auch darin,wie wichtig Stadtbäume in Zeiten zunehmender Erwärmung sind, stimmt Tölk dem Bund Naturschutz zu. Insbesondere alte Bäume schaffen an heißen Tagen Linderung: Eine 80 Jahre alte Winterlinde könne die Stadt mit einer Kilowatt-Leistung von mehr als 200 Kühlschränken kühlen, so der BN.

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Tölk zufolge werde viel unternommen, um das Grün in der Stadt zu erhalten. Dafür setzt sich auch das Grünflächenamt ein. Etwa, indem es in heißen Sommernrund 2000 noch junge oder an schwierigen Standorten wachsende Bäume regelmäßig wässert. Für den Bereich zwischen Hauptbahnhof und Herrnstraße in der Südstadt wünscht sich auch der Leiter des Umweltamts mehr Grün – genauso wie der BN. Denn: Es könnte in Hitzesommern für etwas Abkühlung in diesem dicht besiedelten Bereich sorgen.

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