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Wie Christoph Schedler von Fürth in die Theaterwelt sprang

Seit zehn Jahren ist der Tänzer, der einst den Kulturförderpreis erhielt, Profi - 10.01.2021 21:00 Uhr

Die Arbeit führte ihn von Fürth nach Toronto, Moskau und Koblenz: Christoph Schedler war früh fasziniert vom Ballett.

05.01.2021 © Arek Glebocki


Wie er als Junge auf die Idee gekommen ist, Pliés zu üben und Grand jetés zu trainieren? Christoph Schedler verrät: "Da gab es so einen Beitrag in der ,Sendung mit der Maus‘, der hat irgendwas bei mir getriggert." Jahre später hat sich der heute 29-Jährige an den WDR gewandt, und tatsächlich fischte man dort für ihn die entsprechende Aufnahme aus dem Archiv: "Eigentlich wurde da nur erklärt, wie man eine Pirouette dreht", wundert er sich. Doch damit war sein Interesse für das Ballett geweckt worden.

Die Eltern, die in Zirndorf wohnten, nickten zu seinem Wunsch, Unterricht zu nehmen ("Die meinten sicher, das gibt sich wieder"), und meldeten ihn 1998 in Julia Vitez’ Ballettschule Arabesque in Fürth an. An den ersten Eindruck der versierten Tanzlehrerin erinnert sich Schedler auch noch: "Sie hielt mich nicht für völlig talentfrei", erklärt er trocken. Kann man so sagen. 2004 bestand er die Aufnahmeprüfung für die weltweit renommierte John Cranko Schule in Stuttgart: "Das war klasse, die Mitschüler und Mitschülerinnen kamen aus allen Ecken der Welt." 2010 machte er nach dem Studium an der angeschlossenen Cranko-Akademie seinen Abschluss als staatlich geprüfter klassischer Tänzer.

Seither arbeitet Schedler auf der Bühne. Auftritte führten ihn nach Toronto, New York und Moskau. Seine ersten Engagements hatte er an Theater und Philharmonie Thüringen in Gera, mehrere Jahre blieb er am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin, bevor er ans Theater Ulm ging. In Fürth tanzte er zum Beispiel noch einmal, als er 2012 mit dem Kulturförderpreis ausgezeichnet wurde, oder 2018, als sich beim "Fest der Besten" des Ballett Forums Franken viele ehemalige Finalisten des Wettbewerbs "Der goldene Schuh" trafen.

"Ich fühl' mich überall wohl"

Seit dem Sommer 2017 ist Christoph Schedler als Tänzer am Theater Koblenz engagiert. Das Vierspartenhaus hat ein eigenes Ensemble für Schauspiel, Musiktheater, Ballett und Puppentheater. Und wie fühlt sich ein Franke im Rheinland? Zum Beispiel beim Stichwort Karneval? "Hab’ ich schon mal gesehen", heißt seine Antwort, die als diplomatisch durchgehen darf. Er macht klar: "Ich fühl’ mich überall wohl. Als Tänzer lebt man wie alle anderen hier eh in einer Art von Theaterblase, wir ticken alle ähnlich." Ins Schwärmen kommt Schedler, wenn es um seinen Koblenzer Arbeitsplatz geht: "Das Haus ist toll, die Kollegen auch."

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Selbstverständlich ist das Theater am Rhein wie alle anderen von der Pandemie-Schließung betroffen. Solange es möglich war, wurde geprobt: "Mit Abstand und Maske." Derzeit gibt es statt Live-Aufführungen einen Online-Spielplan (stream.theater-koblenz.de), auf dem auch die aktuelle Tanz-Produktion steht, die mit einem besonderen Konzept für den Stream realisiert wurde: In "Nicht mit dir und nicht ohne dich" von Ballettdirektor Steffen Fuchs tanzt unter anderem Christoph Schedler ein Solo zu den Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach in einer Version für Harfe.

Wenn Christoph Schedler über seinen Beruf spricht, dann klingt das sachlich: "Mir hat das Tanzen immer gefallen, aber ich war keiner, der als Kind schon gesagt hat, ich will später mit den großen Solos auftreten." Für ihn ist zusammengekommen, was ihn begeistert: "Ich liebe Sport. Workout, Fitness, das finde ich gut. Beim Ballett ist es mir möglich, das alles mit Musik und künstlerischem Ausdruck zu verbinden." In seiner Freizeit zieht es ihn, wann immer möglich, in die Berge: "Wandern, klettern, das mach’ ich sehr gerne."

Stressig wie Hochleistungssport

Balletttänzer üben wie Hochleistungssportler ihren Job eigentlich nie bis zur Rente aus. Wie sieht für Schedler ein Blick in die Zukunft aus? Grundsätzlich, räumt er ein, nehme er "die Sachen, wie sie kommen", doch über die Zeit nach der Bühnenkarriere habe er sich doch "relativ früh" Gedanken gemacht.

Für den beinahe klassischen Weg, anschließend Ballettlehrer zu werden, gab es gleich eine Absage: "Ich wäre ein grauenvoller Lehrer." Etwas ganz anderes gefällt ihm: "Später würde ich, wenn das möglich ist, gerne Sanitäter werden. Oder Feuerwehrmann. Das fände ich auch gut."

Sabine Rempe

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