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Wieder verliert Fürth eine Traditionsfirma

Spiegelfabrik Hans Lang schließt Werk in Stadeln — Produktion am Fürther Standort nicht mehr kostendeckend - 11.07.2012 11:00 Uhr

2009 gab es noch Grund zum Feiern: In Stadeln weihte Mekra Lang ihr neues Verwaltungs- und Produktionsgebäude ein. Dabei konnten die Gäste einen Blick auf die neuen Maschinen werfen. © Hans-Joachim Winckler


Die Firma ist Teil der Lang-Unternehmensgruppe, zu der auch Mekra Lang, Weltmarktführer bei der Herstellung von Lkw-Spiegeln, gehört. Während die rund 950 Mitarbeiter von Mekra Lang in Ergersheim bei Bad Windsheim vor allem komplexe Außenspiegel für Lkw fertigen, wurde in der Spiegelfabrik Hans Lang in Fürth-Stadeln bislang Spiegelglas für Pkw-Spiegel geschnitten und geschliffen. Den Grundstein für die Unternehmensgruppe, die weltweit 1800 Mitarbeiter an 17 Standorten beschäftigt, legten Hans und Frieda Lang, die 1932 heirateten und am selben Tag eine Spiegelwerkstatt im Keller eines Fürther Hinterhofs gründeten.

Es ist nicht lange her, da blickte man sowohl beim Süßwarenhersteller Mederer als auch bei der Spiegelfabrik Hans Lang äußerst optimistisch in die Zukunft: 2008 übernahm die Mederer-Gruppe das 70.000 Quadratmeter große Areal im Gewerbegebiet im Süden der Stadt, das jüngst wegen der Kiebitze Schlagzeilen machte. Ein Neubau für die Produktion der Trolli-Fruchtgummis sollte dort entstehen.

Die Lang-Unternehmensgruppe feilte zur selben Zeit an Plänen für einen Neubau im Norden Fürths. Auf dem ehemaligen Gelände der Spielwarenfabrik BIG, direkt neben dem Firmensitz, sollte sich die Spiegelfabrik vergrößern, weil die bisherigen Büros und Werkhallen nicht mehr ausreichten. Im Juli 2008 wurde der Spatenstich gefeiert, ein Jahr später der Bau eingeweiht, Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung sprach von einem „wunderschönen Termin" — mitten in der Wirtschaftskrise und einen Monat, nachdem Quelle den Insolvenzantrag gestellt hatte.

Am Dienstagmittag — neun Monate nach Mederer — teilte die Firma Ing. Hans Lang per Presseerklärung mit, dass die Produktion in Fürth geschlossen wird. Am Vormittag waren die Beschäftigten in einer Betriebsversammlung über das Aus für den Standort informiert worden. Roland Nosko, Bezirksleiter der Gewerkschaft Berg, Chemie, Energie (BCE), war anwesend und berichtet von knappen Sätzen, mit denen die Geschäftsführung mitteilte, dass „das Werk in Fürth aus wirtschaftlichen Gründen zum 31. März 2013 geschlossen wird". Nicht glücklich zeigt er sich über die Kommunikation mit den Beschäftigten: Lange habe man sie im Ungewissen gelassen, seit längerem kursierten Gerüchte. Von der „sozialen Seite", für die dieser Arbeitgeber bekannt sei, sei bei der Betriebsversammlung wenig zu spüren gewesen.

In der Presseerklärung, die die FN erreichte, teilte die Geschäftsführung „mit großem persönlichen Bedauern" mit, dass der Produktionsbetrieb aufgegeben werden müsse. Zur Erkärung heißt es: „Der extreme Wettbewerbsdruck aus dem Ausland, insbesondere im Pkw-Spiegelglasbereich, lässt eine kostendeckende Produktion am heimischen Standort in Fürth nicht länger zu." Trotz „erheblicher Investitionen und finanzieller Anstrengungen der Eigentümerfamilie" sei eine Fortführung des Betriebs nicht mehr möglich. Mit dem Betriebsrat werde ein Sozialplan für die Mitarbeiter verhandelt.

Für Nachfragen der FN war die Pressesprecherin am Nachmittag nicht mehr erreichbar. Hermann Lang, der den Fürther Standort leitete und ein Enkel des Firmengründers ist, sagte auf FN-Nachfrage, dass er sich nicht äußern könne, das sei mit den Gesellschaftern so vereinbart.

Die wirtschaftlichen Probleme des Mittelständlers hängen dem Vernehmen nach damit zusammen, dass Spiegel für Fahrzeuge zurzeit ein schwieriges Segment auf dem Weltmarkt sind: In krisengeschwächten Ländern wie Spanien und Italien halten sich die Kunden zurück; ein Überangebot an den Spiegeln führte zudem dazu, dass der Preis deutlich sank.

Für Fürths Wirtschaftsreferenten Horst Müller kommt die Nachricht „wie ein Blitz aus heiterem Himmel". „Sehr bitter" sei diese Entwicklung, handle es sich doch um ein alteingesessenes Familienunternehmen, das neben den Mittelständlern Kurz und Bruder zu den Vorzeigefirmen der Kleeblattstadt gezählt habe.

Nach 80 Jahren wird die Produktion in Fürth, wo alles begann, geschlossen, während es am zweiten wichtigen Standort der Unternehmensgruppe in Deutschland, in Ergersheim bei Bad Windsheim, weitergehen soll. Laut Gewerkschaftsvertreter Nosko sei "nicht angedacht", dort Arbeitsplätze für die Fürther Beschäftigten zu schaffen.

Wirtschaftsreferent Müller hofft, auch im Sinne der Beschäftigten, dass sich für das Fabrikgebäude in Stadeln schnell ein neuer Nutzer findet. Er ist optimistisch: Es gebe immer wieder Anfragen von Firmen, für die ein so neues Fabrikgebäude sehr interessant wäre.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version dieses Artikels hieß es, dass die Firma Mekra Lang ihr Werk in Fürth schließt. Dies wurde im Text korrigiert, da es sich bei Ing. Hans Lang um eine eigenständige Firma handelt, die allerdings in Fürth auch unter dem Namen "Mekra Lang" bekannt ist. 

VON CLAUDIA ZIOB

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