Willy-Brandt-Anlage in Fürth: Große Sorge um Bäume

21.7.2018, 11:57 Uhr
Parkende Fahrzeuge bedrängen die Grünanlage in der Königswarterstraße.

Parkende Fahrzeuge bedrängen die Grünanlage in der Königswarterstraße. © Hans-Joachim Winckler

Dass just in diesem Moment ein städtisches Bewässerungsfahrzeug über das Kopfsteinpflaster rumpelt, sorgt für freudige Aufregung in dem Grüppchen Naturschützer, das sich in der Königswarterstraße versammelt hat. Gibt es etwa einen Extra-Schluck für die durstigen Bäume? Nein, es sieht nicht so aus. Der Wagen mit dem Tank entfernt sich.

Bedrängt vom Straßenpflaster und von parkenden Fahrzeugen: Baumpfleger Christopher Busch vom BN zeigt offene Wunden eines Baumes in der Willy-Brandt-Anlage.

Bedrängt vom Straßenpflaster und von parkenden Fahrzeugen: Baumpfleger Christopher Busch vom BN zeigt offene Wunden eines Baumes in der Willy-Brandt-Anlage. © Heidingsfelder

Die Sorge um jene rund 250 sibirischen Ulmen, Linden, Robinien und Akazien, die die Willy-Brandt-Anlage säumen, hat Reinhard Scheuerlein, Chef der Fürther BN-Kreisgruppe, veranlasst, an Ort und Stelle zum Pressegespräch einzuladen. Es geht ihm und seinen Mitstreitern um den Erhalt und die Aufwertung dieses Grünzugs auf der einstigen Trasse der ersten deutschen Eisenbahn. Die Bäume mit ihren ausladenden Kronen seien weit mehr als Augenschmaus und Schattenspender, mahnt er.

Anders als unter einer Markise

"Durch den Verdunstungsprozess kühlen sie aktiv." Und damit hätten sie gerade im Sommer große Bedeutung für ein verträgliches Klima in der eng bebauten östlichen Innenstadt. "Wenn Sie sich im Schatten eines Baumes aufhalten, ist das anders als unter einer Markise."

Das Problem: Die Bäume sind nach Scheuerleins Darstellung extrem gestresst. Hitze und Trockenheit machen ihnen seit Wochen zu schaffen, und sie müssen immer öfter solchen Dürreperioden standhalten. Erschwerend hinzu kommt, dass der Boden stark verdichtet ist, dass ihnen das Straßenpflaster oft bis an den Stamm reicht und Autos beim Parken auf den Leib rücken. Christopher Busch, Baumpfleger und Leiter des bayernweiten BN-Projekts Stadtbäume, erklärt: "Das ist so, als ob Ihnen jemand dauerhaft Mund und Nase zuhält. Denn über ihre Wurzeln nehmen die Bäume ja Nährsalze, Wasser und Luft auf."

Er zeigt auf sichtbare Verletzungen im Wurzelbereich. Die Rinde ist weggescheuert, das Holz liegt blank. Ein Einfallstor für Holzfäule-Erreger sei das, die den Baum so schwächen können, dass er bei Sturm umfällt, auch wenn er noch vital aussehen mag.

Wie bereits ausführlich berichtet, ist die Stadt entschlossen, die Willy-Brandt-Anlage zu sanieren. In Workshops konnten und können die Bürger mitreden, wie das geschehen soll. Zuletzt hatte es geheißen, dass es nur noch 200 Parkplätze geben soll — und zwar nicht am Rand der Grünanlage, sondern ausschließlich auf den Seiten der Häuser. Die anderen 200 Stellplätze würden verlagert in die neue Quartiersgarage an der Gebhardtstraße, sie wären dort freilich für die Anwohner nicht gratis.

Kurzzeitparkplätze und Anlieferzonen sind dazu gedacht, Geschäftsleute zufrieden stellen, die um ihre Kundschaft bangen. Inzwischen aber sollen nach dem Willen von Oberbürgermeister Thomas Jung überraschend noch die Anlieger befragt werden. Und: Der OB hat die Verwaltung beauftragt, eine Sanierungsvariante für die Grünanlage zu erarbeiten, bei der zwei Drittel der 400 Parkplätze an Ort und Stelle bleiben.

"180-Grad-Wende"

Beim BN befürchtet man nun eine Lösung, die Ulmen, Linden & Co. doch wieder zusetzt. Schräg angeordnete Stellplätze zwischen den Stämmen der Bäume etwa, wie es sie in einem Teil der Königswarterstraße auch schon gibt, wären den Naturschützern ein Dorn im Auge. Ein Bürger schlägt nämlich im Zuge der Planung vor, diese Anordnung auszuweiten. Sein Argument: So hätten Spaziergänger einen unverstellten Blick auf die Prachtfassaden, für Feuerwehr-Einsätze mit Drehleiter wäre genug Platz, und die Zahl der vorhandenen Parkflächen könnte erhalten bleiben.

Eine solche Anordnung hieße aber auch schwerwiegende Eingriffe ins Wurzelwerk und den Verlust eines Teils der wertvollen Grünfläche, sagt Scheuerlein. Er warnt vor einer "180-Grad-Wende" bei der Neugestaltung der Willy-Brandt-Anlage. Es gehe schließlich darum, bestätigt sein Kollege Busch, "Fürths einzigartige grüne Flucht aufzuwerten".

Baureferentin Christine Lippert versicherte inzwischen auf FN-Nachfrage, die Stadt suche nach Lösungen, die sich auch mit dem Baumschutz vertragen.

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