Montag, 08.03.2021

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Wohnungen oder Schule: Weichenstellung fürs Waldheim

Eine Entscheidung steht an: Wie geht es mit dem Gebäude im Fürther Stadtwald weiter? - 19.01.2021 06:00 Uhr

Begehrtes Areal: Die nächste Runde im Ringen um die Nutzung der früheren Awo-Erholungsstätte Waldheim Sonnenland steht nun im Stadtrat an.

18.01.2021 © Wolfgang Händel


In der Auseinandersetzung um die künftige Nutzung des Waldheims Sonnenland inmitten des Stadtwalds bei Oberfürberg steht eine Weichenstellung an: Diesen Mittwoch (15 Uhr, Stadthalle) wird der Stadtrat darüber befinden, ob die einstige Therapiestätte der Arbeiterwohlfahrt in Eigentumswohnungen umgewandelt wird – oder ob die endgültige Entscheidung über die Nutzung drei Jahre zurückgestellt wird, damit die Montessori-Initiative Zeit hat, ihr Schulkonzept für den Standort detaillierter auszuarbeiten.

Im Vorfeld der Sitzung macht nun ein neues Bündnis Druck. Es hat sich erst unlängst gegründet und wendet sich strikt gegen die "weitere Besiedlung und Privatisierung des Fürther Stadtwalds". Zusammengeschlossen haben sich hier der Bund Naturschutz, das Sozialforum, die Naturfreunde, der Landesbund für Vogelschutz, Families for Future, der Verein Müll und Umwelt, das Wasserbündnis, das Friedensforum sowie die Grünen und die Linke.

In einer Stellungnahme des Bündnisses heißt es: "Als Fürtherinnen und Fürther können wir uns glücklich schätzen, ein Natur- und Erholungsgebiet wie den Stadtwald in leicht erreichbarer Nähe zu haben. Wir wollen, dass das auf Dauer so bleibt und der Stadtwald nicht schrittweise besiedelt wird und den Charakter eines Baugebiets annimmt." "22 Eigentumswohnungen der Luxusklasse" an dieser sensiblen Stelle seien nicht hinnehmbar.


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Hintergrund: Die Stadt hat die leerstehende Immobilie an die "Wohnfürth" verkauft, die zur städtischen Wohnungsbaugesellschaft (WBG) gehört und hier Eigentumswohnungen schaffen möchte. Genau dagegen wendet sich das neue Bündnis. "Wir wollen keine Privatisierung der Immobilie, keine Erweiterung und auch keine Aufstockung des Gebäudes", sagt Reinhard Scheuerlein, Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Fürth. Er befürchte eine "Salamitaktik": Werde das Waldheim in Eigentumswohnungen umgewandelt, ziehe das "baurechtliche Fakten" nach sich, auf die später Bezug genommen werden könnte. Dann, fürchtet der BN-Mann, werde argumentiert: "Da ist schon was, da kann auch noch mehr hin."

Umweltstation mit Kindergarten?

Mit der Folge, dass sich die Bebauung ausweite, zu Lasten des Waldes und des Naherholungsgebiets – Scheuerlein will das nicht hinnehmen. Er kann sich eine Nutzung vorstellen, die "waldverträglich" ist, aber auch "Waldbezug" hat, etwa eine Umweltstation mit Waldkindergarten. "Das würde es rechtfertigen, das Gebäude anzupassen".

Und die Nutzung als Schule, für die die Fürther Montessori-Initiative Interesse angemeldet hat? "Das hielten wir für wesentlich verträglicher als die Wohnnutzung", sagt Scheuerlein – schränkt allerdings ein: Es sei noch zu wenig bekannt, welche baulichen Maßnahmen eine Schulnutzung zur Folge hätte.

Die Montessori-Initiative hat sich nun in einem Brief an den Stadtrat gewandt und ihr Interesse am Waldheim noch einmal bekräftigt. Allerdings, heißt es, benötige sie Zeit, weil der Grundschulbetrieb erst seit knapp fünf Monaten läuft und entsprechend Ressourcen binde. "Erst ab dem Schuljahr 2023/24 bekommen wir die endgültige staatliche Genehmigung. Danach ist es möglich eine Baukostenförderung zu beantragen."

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Sprich: Weil die Schule erst in drei Jahren staatliche Zuschüsse bekäme, müsste die Entscheidung bis dahin aufgeschoben werden. Mit dem Vorteil für die Schule, dass sie in aller Ruhe ihr Nutzungskonzept ausarbeiten könnte, das im Vergleich zum Wohnnutzungskonzept der WBG nicht allzu detailliert ist.


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Die Fürther CSU hat bereits bekundet, dass sie das Vorhaben der Montessori-Initiative unterstützt. Denn: "Standorte für Schulbauten sind im Stadtgebiet knapp", sagt Maximilian Ammon. Der CSU-Fraktionsvorsitzende findet zudem, dass das Schulkonzept im Stadtwald "perfekt" umgesetzt werden könnte.

Die Grünen wiederum sprechen sich schon seit Monaten dagegen aus, die Immobilie völlig aus städtischer Hand zu geben. Die SPD hingegen befürwortete zuletzt die Wohnnutzung. Der Stadtrat hat nun das letzte Wort.

Das neue Bündnis plant noch vor der Sitzung des Stadtrats eine Kundgebung, um seine Forderungen zu untermauern. Zudem sollen Unterschriften an die Stadtspitze übergeben werden, die in den vergangenen Monaten vom Bund Naturschutz gesammelt wurden. Bis dato, heißt es, hätten rund 700 Menschen die Forderungen unterstützt.

ANDREAS DALBERG

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