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Wolfsgrubermühle im Dämmerschlaf

Für kaum ein anderes Areal in Fürth gab es so viele Nutzungspläne, doch bis heute ist nichts passiert - 22.09.2010 22:00 Uhr

Rund 18 Meter hoch ist der mächtige Backsteinbau der Wolfsgrubermühle. Das verfallene Fachkwerkhaus daneben dürfte wohl abgerissen werden. Auf eine Nutzung wartet auch die Grünfläche, die sich links anschließt. © Hans Winckler


Die Pläne waren im wahrsten Sinne hochtrabend. Um fast acht Meter wollte Investor Ludwig Schick aus dem oberpfälzischen Freystadt den ohnehin mächtigen Backsteinbau der Wolfsgrubermühle aufstocken, um dort schicke Lofts unterzubringen. Doch Anwohner zogen vor Gericht, zu düster schien ihnen die Aussicht, im Schatten eines solchen Kolosses wohnen zu müssen. Vor etwas über einem Jahr entschied das Verwaltungsgericht Ansbach zugunsten der Anwohner, die sich auf das „Gebot der Rücksichtnahme“ berufen hatten. Die Stadt Fürth, die dem Investor bereits grünes Licht gegeben hatte, erlitt eine Niederlage und musste die Prozesskosten tragen.

Es war nicht das erste Mal, dass ehrgeizige Pläne für eine Entwicklung des Areals, das wie kaum ein anderes in Fürth eine gute Innenstadtlage mit Flussidylle verbindet, scheiterten. Zur Jahrtausendwende war dort ein Multiplexkino im Gespräch, später unter anderem ein Seniorenheim. Beim einen sprang der Investor ab, beim anderen wollte die Stadt dann doch keine Genehmigung erteilen.

„Es ist ein wunderschönes Gelände“, sagt Dieter Weisner von der Firma Regionalkonzept, dank deren Hilfe in Fürth unter anderem die Sanierung des Kulturforums Schlachthofs möglich wurde. Noch heute bedauert Weisner, dass sich die Pläne von Regionalkonzept für die Wolfsgrubermühle ebenfalls in Luft auflösten. Vor einigen Jahren wollte er dort ein Dienstleistungszentrum mit Steuerberatern und Rechtsanwälten unterbringen. Mieter hätte es Weisner zufolge genug gegeben. Doch die Finanzierung scheiterte. Regionalkonzept setzte auf Bürgerbeteiligung, das nötige Kapital ließ sich allerdings nicht einsammeln. Schließlich musste man sich zurückziehen.

Nach den Worten von Baureferent Joachim Krauße hat die Stadt längst die Voraussetzungen geschaffen, dass es mit einem Investor und der Wolfsgrubermühle doch noch klappt. So existiert für das Gelände ein Bebauungsplan, der eine Erschließung über die Henri-Dunant-Straße vorsieht. In der 90-Grad-Kurve gegenüber dem BRK-Haus könnte eine Stichstraße abgehen. Für das kleine Fachwerkhäuschen, das verfallen und obendrein quecksilberbelastet ist, lag schon einmal eine Abbruchgenehmigung vor. Unter Denkmalschutz steht hingegen der große Backsteinbau aus dem Jahr 1948. Zwar ist dessen Sanierung laut Krauße nicht ganz einfach – die Turbine des nahen Wasserkraftwerks lärmt und sorgt für Erschütterungen – dennoch spricht der Baureferent von „einem bemerkenswerten Grundstück, das mehr Aufmerksamkeit verdient hätte“. Ihm zufolge hatten die meisten Interessenten vor, das Gebäude gemeinsam mit der angrenzenden Brachfläche zu entwickeln, um dort Parkplätze zu schaffen.

Gelände und Häuser befinden sich seit rund drei Jahren im Besitz der oberpfälzischen Investoren, deren Wohnnutzungspläne 2009 von den Anwohnern verhindert wurden. Ohne die Aufstockung lohne sich die Sanierung nicht, sagte Investor Ludwig Schick damals. Bis heute hat sich nichts getan.

„Das Projekt steht seitdem auf unserer Warteliste“, sagte Schick am Dienstag auf FN-Anfrage. Zwar habe man immer noch vor, das Areal zu entwickeln, aber keine konkreten Pläne in der Schublade. Die Frage, ob die Wolfsgrubermühle, wie von Fürths Rathauschef Thomas Jung favorisiert, ein guter Standort für ein Kino sei, wollte Schick nicht beantworten. 

JOHANNES ALLES

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