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Zwei Fürther kurz vor der Baltic Sea Circle Rallye

Mit Karte, Kompass und einem alten Volvo Kombi durch zehn Länder - 20.05.2017 10:00 Uhr

Ihr Volvo ist ungefähr so alt wie sie: Mit diesem Kombi machen sich Maurice Descy und Anna-Lena Schmitt Mitte Juni auf den Weg ins Abenteuer. Der Baltic See Circle hält gut 7500 Kilometer für sie bereit. © Foto: Daniel Böhm/ShotArt


Die Route wird berechnet. Sie haben Ihr Ziel erreicht. Wenn möglich, bitte wenden! Die Standardphrasen von Navigationssystemen sind schon lange angekommen im täglichen Sprachgebrauch. Und wer sie liest, hat sofort diese monotone Frauenstimme im Kopf, der wir uns auf so vielen Strecken, ohne zu zögern, anvertrauen.

Doch wie war das noch mal ohne? Maurice Descy (33) und Anna-Lena Schmitt (28) werden es herausfinden, wenn sie am 17. Juni als "Team Road Addiction" in Hamburg an den Start gehen. Beim Baltic Sea Circle sind Navigationssysteme nämlich nicht erlaubt. Karte und Kompass müssen ausreichen. Ihre Route ist eher eine grob gezogene Linie als eine konkret abgesteckte Strecke. Hamburg, Schweden, Lofoten, Nordkap, Russland und übers Baltikum zurück, so lautet der Plan.

Ein Navi wäre in ihrem Auto serienmäßig ohnehin nicht integriert gewesen. Als fahrbarer Untersatz und zugleich Schlafplatz dient den beiden ein Volvo 745 Kombi, Baujahr 1987. Es ist eine der Rahmenbedingungen der Rallye, dass die Vehikel mindestens 20 Jahre alt sein müssen. Autobahnen dürfen ebenfalls nicht benutzt werden. Spätestens hier wird klar, dass es bei der Fahrt auch darum geht, sich ein Stück weit zu fühlen wie in früheren Zeiten.

Dazu kommt eine gute Portion Leidenschaft, wie sich im Gespräch mit den beiden Fürthern immer wieder zeigt. "Keiner fährt hier mit, weil er Erster sein will, sondern weil er Bock auf ein Abenteuer hat", sagt Anna-Lena Schmitt. Es sind vor allem die Teilnehmer, die die Rallye zu etwas Besonderem machen. Bei den Teams geht es bunt zu — vom Vater-Sohn-Gespann bis zu passionierten Mechanikern. Was sie alle verbindet, ist die Abenteuerlust.

Spaßige Aufgaben

Für das "Team Road Addiction" ist die planungsintensive Zeit ab dem Reisebeginn erst einmal vorbei, bis auf einige Eckpunkte ist der Streckenverlauf frei wählbar. Ab dann sitzt die Spontanität mit im Volvo. Ein Roadbook, das man am Start erhält, sieht einige spaßige Tagesaufgaben vor, aber auch diese sind nicht obligatorisch. Schließlich könne man nicht alles planen, vielleicht ist ja irgendwann auch das Auto Schrott, meint Schmitt und lacht. Man wünscht es den beiden nicht.

Größeren Erholungswert wird die Reise wahrscheinlich nicht haben, aber die beiden Fürther können dabei einigen Hobbys nachgehen. Das erleben zu dürfen, ist für Descy und Schmitt keine Selbstverständlichkeit, weshalb sie auch wollen, dass der Benefiz-Zweck der Rallye nicht in den Hintergrund gerät.

Mit ihrem Projekt, das dem Kinderheim St. Michael in Fürth zugute kommt, haben sie bereits Spenden in Höhe von 3000 Euro gesammelt. Das Geld soll helfen, die Freizeitgestaltung, Hobbys und Talente der Kinder zu fördern – Dinge, die wegen fehlender finanzieller Mittel dort nicht selten auf der Strecke bleiben. Da ist ein Mädchen, das dank des Geldes Reitstunden nehmen kann. Oder ein sprachbegabter Junge, der sich auf eine Sprachreise freuen darf. Er gehört zu den vielen Kindern dort, die noch nie im Ausland waren, noch nie im Urlaub oder noch nicht mal im Zeltlager, erklärt Schmitt. Man wolle im Kinderheim das ermöglichen, was für viele andere Kinder selbstverständlich ist. Direkter Kontakt ist ihnen dabei Gold wert — um zu sehen, wo das Geld ankommt, und um zu erleben, wie viel man mit wenig bewirken kann.

Musik fehlt noch

Bis zum Start im Juni werden nun noch die letzten Vorbereitungen getroffen: Der Volvo soll noch foliert, die Liegefläche mit einer Matratze ausgestattet werden, und der hintere Teil des Wagens bekommt Gardinen. Außerdem fehlt noch eines der wichtigsten Utensilien eines Roadtrips anno 2017: die Playlist. Die müsse auch noch sorgfältig erstellt werden, meint Descy lachend.

Gemütlich sieht er jedenfalls aus, der Volvo. Lediglich der Blick übers Lenkrad dürfte im Juni dann etwas Spektakuläreres bieten als Fürther Häuserfassaden.

Wer spenden möchte, findet Informationen unter www.rummelsberger-diakonie.de/chariry-rallye und https://roadaddiction.jimdo.com

ROBIN LINDNER

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