Zwischen Heuboden und Rinderstall

22.6.2017, 09:47 Uhr
Auch Wicky Reindl nutzt mit ihrer Installation den Zauber des alten Gemäuers aus.

Auch Wicky Reindl nutzt mit ihrer Installation den Zauber des alten Gemäuers aus. © Thomas Scherer

Poetische Naturen erinnern gerne daran, dass der Sommer die Zeit der Fülle ist. Auf dem Wolfgangshof wird dieses Bild gerade wahr. Gut 50 Künstlerinnen und Künstler sind mit ihren Ideen und Visionen in den einstigen Bauernhof eingezogen, dessen nobles Ambiente keinen Gedanken an Jaucheduft erlaubt, sondern stilvoll mit Jugendstil-Dekoren überrascht.
Hier wird schon die Schaufläche zum Ereignis und erlaubt eine Präsentation, die selbst mühelos zum Objekt wird. Oliver Boberg, zum Beispiel, begegnet der Besucher in einer dunklen Kammer, die einst als „Ölraum“ genutzt wurde. Der Fürther Kulturpreisträger hat hier ein „Lager“ geschaffen, das im gleichen Maße real ist, wie es seine Arbeiten sind. Mitgebracht hat er Modellteile, die er für seine Serie benutzt hat. Scheinbar chaotisch stehen Mauerstücke, Fassadenteile, Äste nun im Raum, sind Andenken an vergangene Projekte und gewinnen doch neue Bedeutung aus diesem Auftritt, der mit dem Bildgedächtnis der Betrachter spielt.

Alles wird Kamera


Gleich nebenan haben Camera-obscura-Objekte von Günter Derleth ihren Auftritt. Ob rostiger Eimer oder Sänfte – alles wird Kamera, was der Fotokünstler zusammenfügt. Das Spiel mit der Imagination beherrscht auch Sandra Böhme, die dort, wo einst die Rinder standen, eine Röhre installiert hat. Ein verwirrendes Objekt, das nicht so schnell preisgibt, ob es nun Inventar oder Anschauungsstück ist. Aus dieser Unabwägbarkeit, die schnelles Erkennen ausschließt, entfaltet sich der Reiz ihrer Arbeit.
Raum für Raum entfaltet sich ein auffallend breites Spektrum an Materialien, Techniken, Werkstoffen. Das Thema hat die Ausstellenden ganz offensichtlich zum Basteln und Tüfteln animiert. Klang-Installationen (zum Beispiel Veronika Riedelbauch oder Clara Oppel) lassen staunen, Verblüffendes aus Technik-Schrott überzeugt mit wiedergewonnenen Fertigkeiten. Ganz und gar wörtlich genommen hat Christian Oberlander das Motto der Ausstellung. Seine hintersinnige Videoinstallation stellt fest: „Der Mensch ist doch keine Maschine.“
Im einstigen Verwaltungsgebäude des Guts, das mit unverputzten Wänden ein besonderes Flair entwickelt, ist zum Beispiel Wicky Reindl vertreten. Sie zeigt unter anderem Fotoarbeiten, die das Thema Obsessionen plötzlich und überaus dominant in den Mittelpunkt rücken. Beinahe leise entfalten ein paar Meter weiter Linolschnitte von Stephan Schwarzmann ihre Wirkung. Klein im Format fordern sie zum exakten Hinsehen auf.
Mit welchem Kunstkniff auch die Hersbrucker Bücherwerkstätte das Schauthema geschultert hat oder wie ein Spinnrad zum Glockenspiel wird – das lässt sich freilich nur vor Ort erkunden. Möglich ist das von heute, Donnerstag, 18 bis 23 Uhr, Freitag und Samstag jeweils 14 bis 24 Uhr und Sonntag von 10 bis 17 Uhr im Gut Wolfgangshof im Rahmen des KulturPalastes Anwanden.

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