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Mittwoch, 26.06.2019

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Fürth feiert 100 Jahre Arbeiterwohlfahrt

Auftaktveranstaltung im Jubiläumsjahr - Einsatz für die sozialen Grundwerte - 18.03.2019 21:00 Uhr

„Das ist eine Erfolgsgeschichte“: Die Awo kümmert sich auch in Fürth um die Pflegebedürftigen und Schwachen in der Gesellschaft, wie hier im Burgfarrnbacher Seniorenheim. © Foto: Leberzammer


Kriegsversehrte, Witwen und Waisen waren in Deutschland nach 1918 ein alltägliches Bild. In Fürth wurde das durch den Krieg und seine Folgen hervorgerufene Elend noch verstärkt, weil viele große Unternehmen hier besonders exportorientiert waren. Die ausländischen Märkte waren wegen des Krieges großteils zusammengebrochen.

"Die Stadt erlebte eine bis dahin nicht bekannte Massenverelendung", erinnerte die Kreisvorsitzende der Awo Fürth, Karin Hirschbeck, an die Anfangsjahre. Bei der Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr im Fritz-Rupprecht-Heim kündigte sie bereits künftige Feierlichkeiten an, denn 2023 wird sich dann die Gründung der Fürther Awo zum 100. Mal jähren.

Jugend als Schwerpunkt

Der Schwerpunkt der sozialen Arbeit lag damals bei den Kindern und Jugendlichen der Arbeiterschaft. Es gab Weihnachtsbescherungen und Freizeitangebote, um die Mädchen und Buben "in die Natur und heraus aus der Stadt der Schlöte zu bringen".

Unter den Nationalsozialisten zwangsweise aufgelöst, fand die Arbeiterwohlfahrt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Fürth erneut ein übergroßes Betätigungsfeld. Weil die Stadt relativ wenig zerstört war, wuchs die Zahl der Einwohner in wenigen Jahren von 60 000 auf 100 000. "Trotz der katastrophalen Versorgungslage war die Awo sofort wieder zur Stelle", betonte die Kreisvorsitzende, die auch im Awo-Bundespräsidium aktiv ist. Der Wohlfahrtsverband habe sich in seiner Geschichte stets den Herausforderungen gestellt und war häufig seiner Zeit voraus.

Wichtige Pionierarbeit

So wurde in Fürth bereits 1950 der erste Kindergarten eröffnet, 1969 Essen auf Rädern eingeführt und 1982 eine Beratungsgestelle für türkische Einwohner geschaffen — lange bevor dem Thema Integration Bedeutung zugemessen wurde. Oberbürgermeister Thomas Jung würdigte zudem die Arbeit für und mit Senioren sowie für psychisch Erkrankte: "Das ist eine Erfolgsgeschichte, und die Awo hat in unserer Stadt zu Recht einen legendären Ruf."

Für Karin Hirschbeck gibt es "immer etwas zu tun und wir tun es gerne". Dabei verwies sie insbesondere auf die vielen Ehrenamtlichen, die die "Kernzelle" der Fürther Awo mit ihren sieben Ortsvereinen bilden. Aktuell zähle der Verband in der Kleeblattstadt rund 1600 Mitglieder und 444 hauptamtliche Mitarbeiter.

Hirschbecks Vorgänger Willi Bluth erinnerte an die Grundwerte der Awo: Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, die nichts an Bedeutung und Aktualität verloren hätten. "Sie sind der Kitt, der unsere wehrhafte Demokratie zusammenhält und standhafter macht. Es wird zukünftig verstärkt darum gehen, diese sozialen Grundwerte und ihre Umsetzung zu verteidigen, damit die freiheitlich-demokratische Grundordnung aktiv geschützt wird", so Bluth.

"Sicherung der Demokratie"

Dies seien die Leitplanken, die innere Haltung geben und das Handeln festlegen: "In Zeiten, in denen Agitatoren zunehmend Macht aus der Spaltung der Gesellschaft ziehen wollen und das Klima ganz bewusst vergiften, kann es keine besseren und sozialeren Handlungsempfehlungen geben – heute genauso wie vor 100 Jahren."

Zugleich mahnte der Ehrenvorsitzende, dass trotz wirtschaftlichen Wachstums auch in Fürth die Zahl derer wächst, "die sich keine Zeitung, kein Abendessen im Restaurant oder keinen Kinobesuch mehr leisten können" – etwa Witwen, Alleinerziehende und Arbeitnehmer, die mit befristeten Verträgen und magerem Lohn auf Altersarmut zusteuerten.

Hier gelte es für die Awo wie für die Gesellschaft, entschieden entgegenzuwirken, denn "der Benefit von Solidarität liegt in der Zufriedenheit der Gesellschaft und in der Sicherung der Demokratie". 

ARMIN LEBERZAMMER

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