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Fürther Golfplatz: Naturparadies abseits des Grüns

Nur 25 der 66 Hektar umfassenden Fläche wird intensiv gepflegt - 04.09.2019 07:45 Uhr

In den 1960er Jahren legten die hier stationierten US-Amerikaner den Platz an. 1996 erstand ihn der 1. Golf Club Fürth.

© Foto: Roland Huber


Ein ordentlich getrimmter Rasen, den viel Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmittel zu einem strahlend grünen Teppich werden lassen: Die meisten Leute dürften dieses Bild vor Augen haben, wenn sie an einen Golfplatz denken. Eher selten taucht in dieser Vorstellung wohl ein Insektenparadies auf, ein Ort, den 50 Vogelarten, darunter Eulen und Käuze, ihr Zuhause nennen und an dem auch Magerrasen wächst, der mit seinem fragilen Ökosystem Lebensraum zahlreicher Tiere ist.

Doch eben jene Nischen für Flora und Fauna soll es auf dem Areal des 1. Golf Clubs Fürth in Atzenhof geben. Und tatsächlich: Schon am Eingang und beim Blick über das gepflegte Grün fallen einige stattliche alte Pappeln auf, beim Rundgang über den Platz kann man an den Rändern des gepflegten Golfrasens dichtes Buschwerk finden, das ungestört wachsen darf. Auch kleine Wäldchen gibt es, Inseln gleich, zwischen den Spielbahnen. Und das eine oder andere Wasserhindernis ist ein mit Schilf umwucherter Teich.

Tatsächlich ist der bewirtschaftete Teil des Golfplatzes nur eine Facette des Areals. 66 Hektar umfasst der Platz, der auf einer Seite vom Solarberg, auf der anderen vom Kanal begrenzt wird. Doch nur rund 25 Hektar ist intensiv gepflegte Fläche. Der Rest ist mehr oder weniger sich selbst überlassen – oder wird sogar so behandelt, dass in die Natur möglichst wenig eingegriffen wird.

Etwa der rund 600 Meter lange Streifen Magerrasen, der sich entlang einer Spielbahn zieht. Er ist extra mit Schildern als Biotop ausgewiesen und markiert. Spieler, deren Ball dort hineinfliegt, dürfen ihn nicht mehr herausholen, um das Ökosystem nicht zu stören. Weil Magerflächen schnell von Gebüsch und anderem Wildwuchs in Besitz genommen werden, soll nächstes Jahr der Fürther Schäfer vorbeikommen, damit seine Tiere die nicht erwünschten Pflanzen abfressen.

Abseits der Spielbahnen ist Platz für die Natur reserviert. Teils darf man hier nicht einmal Bälle herausholen.

© Foto: Roland Huber


In den Wäldchen findet sich viel Totholz, das Vögeln und Insekten als Behausung dient. Weil auch dort viele Kiefern vor Hitze und Trockenheit kapituliert haben, sollen robuste Ersatzpflanzungen sie ersetzen.

Beraten wird der Golfclub, dessen Platz in den 60er Jahren die US-amerikanischen Soldaten angelegt haben und der noch heute nahezu unverändert ist, in diesen Fragen von einem Ökologen. Außerdem möchte der Verein, dem 1400 Mitglieder angehören, dem Bezirk Mittelfranken künftig anbieten, Ausgleichspflanzungen, wie sie etwa bei Bauvorhaben nötig sind, dort einbringen zu können.

Doch wie passt der Wunsch nach naturnahem Grün mit dem exzessiv bewirtschafteten Rasen zusammen? Auch Letzteres geht man beim 1. Golf Club Fürth mit Bedacht an.

Seit dreieinhalb Jahren ist Alexander Bayer dafür zuständig, dass der Golfball ohne Holpern übers Grün in Richtung Loch rollt und Abschläge und Bahnen gut bespielbar sind. Der Greenkeeper, also im weitesten Sinn der Rasenpfleger, setzt, wie er betont, mit seinem Team dabei auf möglichst wenig Pflanzenschutz, Wasser und Dünger. Letzteren hat er bereits um bis zu 70 Prozent eingespart. Anstatt das Grün mit Chemie zu füttern, braut er einen Kompost-Tee, der mit Pilzen und Bakterien das Bodenleben aktiviert. "Eigentlich steckt alles in den Bodenorganismen", sagt Bayer. Wenn man diese anrege, brauche es keine zusätzlichen Nährstoffe mehr.

Spezielle Gräser

Damit der Rasen widerstandsfähig bei Trockenheit, Hitze und Pilzerkrankungen ist, experimentiert er mit speziellen Gräsern. Diese bräuchten auch kaum mehr gegen Krankheiten gespritzt zu werden. Einmal pro Saison reiche mittlerweile. Gewässert wird übrigens mit Wasser aus dem nahegelegenen Kanal. Etwa 15 Kilometer lang ist das unterirdische Leitungssystem, das einst noch die Amerikaner verlegt haben.

Wasserliebhaber wie Libellen, Frösche und Co. finden Lebensraum in den Biotopen, die den Spielern als Hindernis dienen.

© Foto: Roland Huber


Als diese 1992 aus der Kleeblattstadt und Umgebung abgezogen waren, konnte der Plan des ersten Fürther Golfclubs in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Für 9,5 Millionen D-Mark erstand der neu gegründete Verein 1996 das Areal von der Bundesvermögensverwaltung. Auch wenn der Platz, wie Thomas Jung einräumt, zunächst nicht unumstritten war – viele hätten das angrenzende Gewerbegebiet gerne noch weiter ausgeweitet – freut sich das Stadtoberhaupt heute über das viele Grün, das immerhin ein Prozent der Stadt ausmacht und in etwa die gleiche Fläche einnimmt, wie alle Kleingärten Fürths zusammen.

Gwendolyn Kuhn

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