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Fürths prächtiger Park: Ein-Mann-Betrieb ist längst passé

Wie sich die Pflege des Grüns entwickelt hat - Stadtpark-Geschichte in vielen Bildern - 07.07.2019 10:00 Uhr

In leuchtenden Farben erstrahlt der Empfangsgarten im Schatten der Auferstehungskirche. Jedes Jahr wird er mit einjährigen Sommerpflanzen neu angelegt. Heuer geben Fleißige Lieschen in unterschiedlichen Höhen den Beeten eine besondere Struktur. © Foto: André De Geare


Auf historischen Fotos kann man sie noch sehen. Männer im Anzug und mit Zigarre, Frauen im eleganten Kleid und mit Hut, die sonntags durch den Stadtpark flanieren und dabei nur kurz innehalten, um an einer besonders prächtigen Rose zu schnuppern. Heute wird die rund 18 Hektar umfassende Grünanlage von allen genutzt. Sie dient Familien im Sommer als Freiluftwohnzimmer, Sportlern als Joggingstrecke, Kinder toben auf dem Spielplatz, und statt an einer Blüte zu riechen, stellen sich heute manche Fürther schon mal in die liebevoll angelegten Rabatten, um sich dort ablichten zu lassen.

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Impressionen aus dem Fürther Stadtpark: So schön ist er heute

Früher wie heute kommen die Menschen in den Fürther Stadtpark, um sich am Anblick der Wasserfontänen zu erfrischen, in die Sonne zu blinzeln, den Rosen beim Wachsen und den Wolken bei ihrem Weg über den Himmel zuzuschauen. Die Fürther lieben ihr grünes Wohnzimmer, Auswärtige entdecken nicht selten durch den Stadtpark ihre Liebe zu Fürth. Impressionen.


Zwölf Mitarbeiter des Grünflächenamts sorgen mittlerweile dafür, dass der Stadtpark sein gewohnt gepflegtes Erscheinungsbild hat. Rund 30 weitere Kollegen kümmern sich andernorts um das städtische Grün, darunter das Straßenbegleitgrün mit über 15 000 Bäumen, weitere Grünanlagen, Sport- und Fußballplätze, ökologische Ausgleichsflächen und auch die rund 1000 Geräte, die auf Spielplätzen sowie in Schulhöfen und in Kindergärten stehen und regelmäßig kontrolliert werden müssen. Insgesamt 80 Menschen sind derzeit im Grünflächenamt beschäftigt.

Angefangen hatte es einst ganz bescheiden mit einem einzigen Gärtner. 1869, also vor 150 Jahren, trat er seinen Dienst an. Möglich gemacht hatte seine Einstellung eine Spende des Fürther Maschinenfabrikanten Johann Wilhelm Engelhardt. Er hatte der Stadt im Jahr 1864 Bäume und Sträucher geschenkt, um die unansehnliche Müllhalde hinter der Auferstehungskirche aufzuhübschen. Damit war der Grundstein gelegt für den Stadtpark, der von da an beständig wuchs.

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Impressionen aus dem Fürther Stadtpark: So schön war er früher

Früher wie heute kommen die Menschen in den Fürther Stadtpark, um sich am Anblick der Wasserfontänen zu erfrischen, in die Sonne zu blinzeln, den Rosen beim Wachsen und den Wolken bei ihrem Weg über den Himmel zuzuschauen. Mehr als eine Million Menschen strömten 1951 zur Gartenschau „Grünen und Blühen“, bei der der Stadtpark seinen ganz großen Auftritt hatte. Impressionen aus den 50er und 60er Jahren.


Weitere Grünflächen kamen hinzu; im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofplatzes und der Einweihung des Centaurenbrunnens 1889 nahm Alfred Babée die Arbeit auf. Er wurde zum Ersten Garteninspektor ernannt, was heute einem Amtsleiter entspricht. 1905, weitere Grünflächen waren bis dahin entstanden, zog er in die Villa in der Otto-Seeling-Promenade, die heute noch die Planungsabteilung des Grünflächenamts ihren Sitz hat.

Seinen großen Auftritt hatte der Fürther Stadtpark übrigens im Jahr 1951. Der damalige Amtsleiter Hans Schiller rückte die Anlage im Rahmen der Gartenschau "Grünen und Blühen" – eine Initiative der Stadt – in ein besonders schönes Licht und gab dem Park sein heutiges Aussehen mit Fontänenhof, Rosengarten und dem Milchhäusle, dem jetzigen Stadtparkcafé.

Verschwunden hingegen sind die Gewächshäuser, die Ernst Bergmann zu seinem Arbeitsantritt 1997 noch vorfand. Das Amt, so erinnert sich Bergmann, der im vergangenen Jahr dessen Leitung übernahm, sei damals noch mit einer Stadtgärtnerei vergleichbar gewesen, die die benötigten Pflanzen und Bäume selbst heranzog.

Die Gewächshäuser sind längst passé, das Thema Garten aber ist geblieben – wenngleich hier ebenfalls einiges im Wandel ist. Der Artenschutz, sagt Bergmann, ist seit einiger Zeit das dominierende Thema. Auch das Grünflächenamt kommt daran nicht vorbei. Um den gefährdeten Insekten mehr Nahrung und Lebensraum zu bieten, wird seltener oder nicht mehr alles auf einmal gemäht – auch im Stadtpark. Reaktionen der Fürther bleiben da nicht aus. "Sie fragen entweder nach, warum ihrer Meinung nach so oft oder zu selten gemäht wird", erzählt Bergmann.

Neu aber ist der Schutz von Bienen und Co. nicht. Bereits während der Gartenschau gab es einen so genannten Bienenweidegarten. Der Klimawandel beschäftigt das Grünflächenamt ebenfalls. Da gilt es beispielsweise, Straßenbäume zu finden, die besser mit Hitze und Trockenperioden auskommen als etwa die Birke.

Müssen Bäume beschnitten oder gar gefällt werden, ist oft auch Horst Denzler im Einsatz. Er ist im Grünflächenamt für die Baumpflege zuständig – und das seit 43 Jahren. "Früher mussten wir noch die Drehleiter von der Feuerwehr hochsteigen, wenn wir Äste absägen wollten", erinnert sich der 61-Jährige. Heute wird das bequemer mit Hilfe eines Hubsteigers erledigt. Seine Arbeit gefällt Denzler auch nach all den Jahren noch. Mittlerweile arbeitet auch sein Sohn im Grünflächenamt.

GWENDOLYN KUHN

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