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Gegen Bienensterben: Fachleute entwickeln Smartphone-App

Programm aus Landkreis Ansbach soll Ausbreitung der Varroamilbe stoppen - 12.03.2019 06:27 Uhr

Wenn sich Hunderte von Bienen auf einer Wabe drängen, hat die in einen Stock eingeschleppte Varroamilbe oft relativ leichtes Spiel. © Harald Sippel


In den vergangenen Wochen und Monaten hat Fritz Höfler zahlreiche Imkervereine in der Region besucht und die Werbetrommel für die sogenannte Varroa-App gerührt. Nicht immer ein leichtes Brot für den 45-jährigen Projektleiter, denn einigen langjährigen Imkern musste er erst mal erklären, was überhaupt eine App ist.

"Manche haben auch kein Smartphone und wollen sich auch keines anschaffen", erzählt Höfler, der als Bienen-Fachmann bei den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf (Kreis Ansbach) beschäftigt ist. Dort ist er mit der Entwicklung besagter Varroa-App betraut, die den rund 35.000 bayerischen Imkern wertvolle Hilfestellung bei der Bekämpfung dieses Schädlings geben soll.

Die Basis dieses Computerprogramms ist eine Datenbank, in die betroffene Imker Informationen zu den von der Varroamilbe befallenen Völkern einpflegen sollen. "Je mehr mitmachen, desto engmaschiger wird das Informationsnetz und desto zielgerichteter kann der Einzelne Gegenmaßnahmen ergreifen", erklärt Höfler, der selbst einige Bienenvölker hat.

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Daten werden anonymisiert

Die teilnehmenden Imker bestimmen mit Methoden wie der sogenannten Gemülldiagnose, wie sehr ihre Völker von den Parasiten betroffen sind, und geben den Schweregrad des Milbenbefalls in die App ein. In einer GPS-gestützten Standorterfassung kann dann jeder Nutzer des Programms unmittelbar erkennen, ob der Schädling gerade besonders schlimm im direkten Umkreis wütet, und kann gegebenenfalls Gegenmaßnahmen ergreifen. Alle Daten werden anonymisiert, versichert der Projektleiter – "kein Imker erfährt vom Milbenbefall des anderen".


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Die App ist kostenlos, denn das Gemeinschaftsprojekt der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf, des Instituts für Bienenkunde und Imkerei in Veitshöchheim und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wird finanziert vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und vom Bezirk Mittelfranken. In der jetzigen Startphase ist die Anwendung allerdings nur für Handys mit Android-Betriebssystem im Google Play Store verfügbar. "In einigen Wochen soll sie dann aber auch auf den iPhones von Apple laufen", sagt Höfler.

In die Varroa-App werden auch andere Internetdienste für Imker eingebunden, zum Beispiel "Varroawetter", denn die Witterung hat entscheidenden Einfluss darauf, welche Bekämpfungsmethoden zu welchem Zeitpunkt besonders effektiv sind und welche nicht. Bei "Trachtnet" wiederum, einem deutschlandweiten Mess- und Informationsportal, geht es darum, das gesamte Angebot an Nektar, Pollen und Honigtau zu analysieren, das die Honigbienen in dem jeweiligen Gebiet in den heimischen Bienenstock eintragen.

Software wertet Fotos aus

All diese Daten laufen in die App ein, und die gibt den Imkern dann ganz konkrete Handlungsempfehlungen, wenn sie regelmäßig den Milbenbefall ihrer Völker eingeben. Noch Zukunftsmusik ist allerdings die Verknüpfung der App mit einem Forschungsprojekt, das an der Université de Lausanne läuft. Dort entwickeln Wissenschaftler gerade eine KI- gestützte Diagnose-Software, die anhand von Fotos aus dem Bienenstock analysiert, ob und wie stark ein Volk von der Varroamilbe befallen ist.

All diese elektronischen Alltagshilfen werden freilich nur dann funktionieren, wenn die von außen eingehenden Informationen möglichst repräsentativ sind. Das Projekt stehe und falle mit der Zahl der Teilnehmer, betont Höfler. Bis Oktober ist die Finanzierung der Varroa-App gesichert, eine Verlängerung des Pilotprojekts ist beantragt, und die Verantwortlichen sind optimistisch, dass es weitergeht. Schließlich müssen immer wieder Updates aufgespielt werden, und wenn alles nach Plan läuft, könnte das Programm irgendwann auch in anderen Bundesländern laufen.

 

André Ammer E-Mail

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