Geständnis im Fall Peggy: Mann hat Leiche in Wald gebracht

21.9.2018, 11:43 Uhr
Im Juli 2016 fand ein Pilzsammler Skelettteile der vermissten Peggy in einem Waldstück in Thüringen.

Im Juli 2016 fand ein Pilzsammler Skelettteile der vermissten Peggy in einem Waldstück in Thüringen. © Bodo Schackow, dpa

 "Wir sind davon überzeugt, den Mann, der das Mädchen in den Wald gebracht hat, identifiziert zu haben", erklärte der Leiter der SOKO Peggy, Uwe Ebner, auf der Pressekonferenz in Bayreuth.

Die Ermittlungen richten sich gegen Manuel S. Der 41-Jährige ist der ehemalige Nachbar Peggys und wurde vergangene Woche von der Polizei verhört. Laut Staatsanwaltschaft gab er an, den leblosen Körper von Peggy 2001 in ein Waldstück nach Thüringen gebracht zu haben. Umgebracht habe er das damals neunjährige Mädchen aber nicht.

Demnach war Manuel S. mit seinem Auto bei Lichtenberg unterwegs, als er von einem ihm bekannten Mann angehalten wurde, der ihn bat, die Leiche Peggys in ein Waldstück nach Thüringen zu bringen. Das Mädchen habe leblos in einem Bushäuschen gelegen, der 41-Jährige habe nach eigener Aussage versucht, das Mädchen wiederzubeleben.


Fall Peggy: Chronik einer einzigartigen Kriminalgeschichte


Die Ermittler teilten mit, Spuren an Peggys Leiche hätten Torfreste aufgewiesen, die auch auf Gehwegplatten vor dem Haus des Verdächtigen gefunden wurden. Zudem seien bei einer forensischen Pollenanalyse an der Leiche Farbreste festgestellt worden, die ebenfalls zu Farbspuren aus Renovierungsmüll des 41-Jährigen passten.

"Wir sind einen wesentlichen Schritt weitergekommen", erklärte Daniel Götz von der Staatsanwaltschaft. Aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Polizei keine Angaben dazu, wer die Leiche vor 17 Jahren an S. übergeben haben soll.

Vergangene Woche hatte die Polizei mehrere Anwesen des 41 Jahre alten Beschuldigten durchsucht. Der Mann sei schon früher zum "relevanten Personenkreis" im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Peggy gezählt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft damals mit. Der 41-Jährige sei vernommen und danach wieder entlassen worden. Er bleibe auch auf freiem Fuß, hieß es am Freitag. Die Polizei sehe keinen dringenden Tatverdacht. 

In diesem Zusammenhang sucht die Polizei nach Zeugen, die den goldfarbenen Audi 80 von Manuel S. vor 17 Jahren gesehen haben. Bilder dazu will die Polizei demnächst veröffentlichen. Die Staatsanwaltschaft verwies darauf, dass immer noch eine Belohnung in Höhe von 30.000 Euro ausgesetzt sei.

Peggys Schicksal zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Im Mai 2001 war die damals neun Jahre alte Schülerin im oberfränkischen Lichtenberg spurlos verschwunden. Erst am 2. Juli 2016 entdeckte ein Pilzsammler zufällig ihre sterblichen Überreste im Grenzgebiet zwischen Bayern und Thüringen. Große Verwirrung entstand kurze Zeit später, als die Ermittler DNA-Spuren des Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt an der Fundstelle entdeckten.