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Grünes Licht für Grünpaten

Pflegevereinbarung regelt privates Engagement für Baumscheiben & Co. - 07.11.2019 16:00 Uhr

So reizvoll können privat gepflegte Baumscheiben sein, wie dieses Miniaturgärtchen zwischen Bordstein und Gehweg in der Nürnberger Straße. Allerdings passen manche Bepflanzungen dem Grünflächenamt nicht ins Konzept. Zum Beispiel, wenn Aspekte der Verkehrssicherheit nicht beachtet werden. © Athina Tsimplostefanaki


Dass Bürger öffentliches Grün vor ihrer Haustür pflegen, betrachteten die Profis im Fürther Grünflächenamt bislang mit Argusaugen. Ärger war programmiert. Etwa, wenn die Bepflanzung in den Verkehrsraum hineinragte, die Sicht behinderte. Entgegen aller Bedenken hat die Stadt nun eine Pflegevereinbarung ausgearbeitet, die das Engagement juristisch absichert.

Schließlich ist, so der neue Grünflächenamtsleiter Ernst Bergmann, nicht einzusehen, weshalb Fürthern versagt sein soll, was in kleinen Landgemeinden problemlos funktioniert. Wer haftet bei Unfällen? Diese Frage bereitete im Rechtsamt Kopfzerbrechen. Schon 2006 hatte die Unsicherheit zur Kündigung aller Patenschaftsvereinbarungen geführt. 2007 wurden zwar neue abgeschlossen, doch 2017 erneut die Bremse gezogen. Denn es tauchten arbeitsschutzrechtliche Bedenken auf.

Monatelang haben die Verwaltungsexperten über einer hieb- und stichfesten Regelung gebrütet, die gestern der Bauausschuss einstimmig verabschiedete. Darin ist festgelegt, dass Grünpaten in die Unfallverhütungsvorschriften eingeweiht und jährlich daran erinnert werden. Alljährlich kontrollieren Grünflächenamtsmitarbeiter zudem, ob von der Bepflanzung eine Gefahr ausgeht.

Juristisch gelten Grünpaten als Mitarbeiter der Stadt, die "unentgeltlich und weisungsgebunden in einem klar definierten Aufgabenbereich tätig werden". Für Schäden kommen dann die kommunale Haftpflichtversicherung und die Berufsgenossenschaft auf. Dass das bürgerschaftliche Engagement im Grünflächenamt bislang keine Begeisterungsstürme auslöst hat, geht auf den wirtschaftlichen Aspekt zurück.

Unter dem Strich bereitet die Kontrolle der unentgeltlichen Arbeit dem Amt höhere Kosten als die Grünpflege in Eigenregie, heißt es in der Stellungnahme der Dienststelle. Ganz abgesehen davon, dass die von Paten gepflegte Grünfläche von knapp 1000 Quadratmetern bei den vom Amt betreuten 2,83 Millionen Quadratmetern verschwindend gering ist.

Doch es geht der Stadt in diesem Fall nicht ums Geld, wie Bergmann einräumt, sondern um eine symbolische Geste. Deshalb liebäugelt der Amtsleiter auch mit dem Gedanken, den Helfern eine kleine Anerkennung zukommen zu lassen. Ob das aber mit der Auflage der Versicherungskammer Bayern zur unentgeltlichen Tätigkeit zu vereinbaren ist, muss erst noch abgeklärt werden.

In Nürnberg erhalten Pflegepaten einen 50-Euro-Pflanzgutschein, den sie beim Gartenbaubetrieb der noris inklusion einlösen können. In Fürth denkt man über ein kleines Präsent oder eine Bewirtung bei einen Dankeschön-Abend nach. Die Zahl der Grünpaten könnte sich nach den Schätzungen der Stadt in Folge der gelockerten Regelung von derzeit 22 auf etwa 50 erhöhen.

Volker Dittmar

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