Bürgerentscheid zu Center Parcs

Center-Parcs: Entscheidung der Pfofelder hat historische Dimension

Sohr
Stephan Sohr

Chefredakteur Nürnberger Zeitung

E-Mail zur Autorenseite

28.5.2021, 12:53 Uhr
Der Widerstand gegen die Center-Parc-Pläne im Seenland drückt sich unter anderem in solchen Schildern aus.

Der Widerstand gegen die Center-Parc-Pläne im Seenland drückt sich unter anderem in solchen Schildern aus. © Michael Kasperowitsch

Seit Monaten wird im Fränkischen Seenland über das Großprojekt eines Ferienparks mit 800 Häusern und einer Infrastruktur für über 200.000 Menschen im Jahr gestritten. Gegner und Befürworter haben ihre Argumente längst ausgetauscht; sie sind vielfältig und lassen sich doch in zwei grundlegend unterschiedlichen Standpunkten zusammenfassen

Die Gegner sehen in der geplanten Center-Parc-Ansiedlung die Zerstörung eines ökologisch wertvollen Mischwaldes und ein für die Region völlig überdimensioniertes Massentourismusprojekt, das zu viele Menschen anziehe, die zu viel Verkehr produzieren und das die kleinteilige touristische Infrastruktur rund um den Brombachsee zerstören würde. Die Befürworter hingegen sprechen von einer großen Chance für das strukturschwache südliche Mittelfranken, einen Qualitäts- und Quantitätssprung für den Tourismus, eine nachhaltige und ökologisch verträgliche Bebauung und Umgestaltung eines Geländes, das mit Überresten von Kampfstoffen belastet ist. Und nicht zuletzt verweisen sie auf 600 neue Arbeitsplätze.


Wirtschaft, Ökologie und Tourismus: Der große Faktencheck zu Center Parcs


Wer hat recht, wer hat die besseren Argumente? Entscheiden werden darüber nun nicht die gewählten Volksvertreter, sondern das Volk selbst. Genauer gesagt: die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Pfofeld, auf deren Gebiet der Ferienpark entstehen würde. Ein solcher Bürgerentscheid, wie er am Sonntag in Pfofeld stattfindet, ist ein Grundpfeiler der direkten Demokratie, die in Deutschland auf der Ebene der Kommunen und Länder die repräsentative Demokratie ergänzt. Ein bisschen Schweiz in Deutschland sozusagen.

Kein Politiker, der wiedergewählt werden will, wird es wagen, direktdemokratische Instrumente grundlegend in Zweifel zu ziehen. Überhöht werden sollten sie allerdings auch nicht. Ja, es ist richtig, wenn die Bürgerinnen und Bürger in Pfofeld darüber entscheiden können, ob ein solches Megaprojekt wie ein Center-Parc-Feriendorf in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld gebaut werden soll oder nicht. Auf der anderen Seite geht es um ein Projekt, das nicht nur vom Investitionsvolumen (350 Millionen Euro), sondern auch von den Wirkungen her weit über Pfofeld hinaus Bedeutung hat. Ein Center-Parc im Seenland wäre ein weiteres Alleinstellungsmerkmal für den Tourismus in ganz Franken, es würde das Qualitätsniveau der Urlaubs-Infrastruktur im gesamten Seenland heben. Um den Preis eines heftigen Eingriffs in die Landschaft, das kann nicht kleingeredet werden.


Entscheidung über Center Parcs-Projekt fällt am Sonntag


Der heftigste Eingriff in die Landschaft war allerdings der Bau des Fränkischen Seenlandes an sich. Der seinerzeitige CSU-Abgeordnete Ernst Lechner hatte den Landtagsbeschluss 1970 mit List und Überzeugungskraft eingefädelt. Lechner wollte seine landwirtschaftlich geprägte Heimat zwar einerseits vom regelmäßigen Altmühl-Hochwasser befreien, andererseits aber durch Tourismus am künstlichen Wasser weiterentwickeln. Hätten die Bürgerinnen und Bürger damals ebenso entschieden?

3 Kommentare