Corona in Gnotzheim: Renovierungen und Musiker sorgten für Lichtblicke

30.1.2021, 09:07 Uhr
Das frühere Raiffeisenbankgebäude in Gnotzheim hat eine neue Nutzung und dient nach erfolgtem Umbau nun der Freiwilligen Feuerwehr als Domizil. Bei den Pflasterarbeiten halfen viele fleißige Hände mit.

Das frühere Raiffeisenbankgebäude in Gnotzheim hat eine neue Nutzung und dient nach erfolgtem Umbau nun der Freiwilligen Feuerwehr als Domizil. Bei den Pflasterarbeiten halfen viele fleißige Hände mit. © Foto: Thomas Pawlicki

Allen voran die Feuerwehr und der Crash-Club. Wer in den vergangenen Wochen und Monaten durch Gnotzheim gefahren ist und den Marktplatz passiert hat, dem ist sicherlich aufgefallen, dass sich das Bild etwas verändert hat. Das ehemalige Raiffeisengebäude wurde zum Feuerwehrhaus umgebaut und gegenüber, auf der anderen Seite der Bundesstraße, entsteht das neue Crash-Club-Domizil. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr herrschte natürlich noch Ruhe auf den Baustellen, als man aber wieder in Gemeinschaft arbeiten durfte, krempelten die Gnotzheimer die Ärmel hoch und packten an.

Die Brandschützer setzten die 2019 begonnenen Umbauarbeiten an ihrem neuen Feuerwehrhaus fort und verfügen nun über ein modernes und funktionales Gebäude im Ortskern. Höhepunkt der gemeinschaftlichen Arbeit waren die Pflasterarbeiten im Herbst. Da die alljährlich Dorfkirchweih nicht stattfinden durfte, wurde kurzerhand der Kirchweihsamstag auserkoren, die vielen Quadratmeter vor und gegenüber dem FFW-Gebäude zu pflastern.

Hingucker geworden

Gefühlt aus jedem Haushalt war eine Person bei den Pflasterarbeiten dabei, und so konnten in einer großen vorbildlichen Gemeinschaftsaktion, natürlich immer unter Einhaltung der AHA-Regeln, an einem Tag die Pflasterarbeiten durchgeführt und abgeschlossen werden. Mittlerweile ist das neue Feuerwehrhaus ein echter Hingucker, und die Verantwortlichen können stolz auf das Geleistete sein.


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Nicht minder fleißig waren die Verantwortlichen und die Mitglieder des Crash-Clubs. Sie bauen derzeit die "ehemalige Bullenhaltung" – das stattliche Gebäude am Marktplatz – um. Auch hier gab es einen Höhepunkt des Miteinanders: Beim Umdecken des Daches fanden sich viele, viele Helfer ein, und so war die Sorge der Vorstandschaft, ob die Arbeiten wohl an einem Tag zu schaffen sein würde, unbegründet.

Die Gnotzheimer Musikanten verlegten ihre Probe kurzerhand ins Freie und hatten schnell viele Fans und Zuhörer.

Die Gnotzheimer Musikanten verlegten ihre Probe kurzerhand ins Freie und hatten schnell viele Fans und Zuhörer. © Foto: Thomas Pawlicki

Die Organisatoren und die Unterstützer können stolz sein auf das Bauwerk, das den Marktplatz aufwertet und zur Verschönerung des Ortsbilds beiträgt. Noch sind beide Gebäude, Feuerwehrhaus und Vereinsheim des Crash-Clubs, nicht ganz fertig gestellt, sobald die aktuelle Lockdown-Phase aber überstanden ist, dürfte an beiden Baustellen wieder eifrig gewerkelt werden – freiwillige Helfer sind bestimmt weiterhin gerne gesehen.

Auch die DJK-Vorstandschaft wollte die "Corona-Pause" sinnvoll nutzen und beantragte beim BLSV Fördergelder für die Renovierung und Instandsetzung des Ballfangzauns am A-Platz des Sportgeländes. Als dann im Frühsommer des vergangenen Jahres das Okay aus München kam, wurden die alten, verschlissenen Ballfangnetze abgenommen und durch Eisenstabzäune ersetzt. Zahlreiche Helfer waren auch hier an mehreren Samstagen im Einsatz und konnten das Projekt erfolgreich zu Ende bringen. Die ersten Bewährungsproben hat der Ballfangzaun schon überstanden, durften ja im Herbst ein paar wenige Fußballspiele gespielt werden.

Vereinsleben fast auf Null

Politisch gesehen übernahm in Gnotzheim mit Jürgen Pawlicki ab Mai ein neuer Bürgermeister die Amtsgeschäfte. Auch der neu gewählte, relativ verjüngte Gemeinderat konstituierte sich und findet sich immer besser zurecht. Das gesellschaftliche Leben in der Marktgemeinde leidet sehr unter der Pandemie und deren Einschränkungen und Verbote. Zum Jahresbeginn 2020 schien alles noch ganz normal, die Termine im stattlichen Gemeinde-Veranstaltungskalender wurden abgehalten und konnten besucht werden.

Aus der ehemaligen Bullenhaltung wurde ein schmuckes Vereinsheim für den Crash-Club Gnotzheim, das den Marktplatz erheblich aufwertet.

Aus der ehemaligen Bullenhaltung wurde ein schmuckes Vereinsheim für den Crash-Club Gnotzheim, das den Marktplatz erheblich aufwertet. © Foto: Thomas Pawlicki

Ab dem 16. März allerdings war dann nichts mehr wie es vorher. Sämtliche Vereine in Gnotzheim mussten das Vereinsleben nahezu auf Null herunterfahren, Vereinsheime mussten schließen, Jahresversammlungen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben, Veranstaltungen mussten abgesagt werden – da waren die Arbeitseinsätze der vorher genannten Vereine eine willkommene Abwechslung und wurden gerne genutzt.

Selbstredend dass dies alles auch mit finanziellen Einbußen für die Vereine einhergeht – jede Vorstandschaft ist derzeit sehr froh über treue Mitglieder. Traditionelle Veranstaltungen wie der Handwerker-Jahrtag des Handwerkervereins, das Königsschießen des Schützenvereins, das Maibaumaufstellen des Crash-Clubs und der FFW, das Sportwochenende der DJK, das Pfarrfest der Pfarrgemeinde, das Hoffest der Gnotzheimer Musikanten und natürlich die Kirchweih – um nur einige zu nennen – fielen Corona zum Opfer.

Keine Übungen, keine Proben

Viele Termine wie Unterrichts- und Übungsabende der Feuerwehren Gnotzheim und Spielberg, die beliebten Infoabende des Frauenbunds, die Aktionen des Obst- und Gartenbauvereins, die Konzerte und Auftritte des beliebten und bekannten Chors "Vocalis" und vieles mehr konnten oder durften nicht durchgeführt werden.

Auch die beiden größten Veranstaltungen in der Gemeinde, die Theateraufführungen des Crash-Clubs, die jedes Jahr um die 800 Zuschauer in die Mehrzweckhalle locken, und der immer beliebter werdende Weihnachtsmarkt im Pfarrhof mit rund 600 Besuchern, mussten schweren Herzens abgesagt werden.


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Noch im Oktober hatten die Verantwortlichen des Crash-Clubs Hoffnung, mit einem entsprechenden Hygienekonzept das "Theater" durchführen zu können, aber die steigenden Infektionszahlen und die damit verbundenen staatlichen Vorgaben im Herbst, ließen letzten Endes keine andere Entscheidung zu.

Auch in Sachen Weihnachtsmarkt hofften die Entscheidungsträger um Bürgermeister Jürgen Pawlicki bis zum Schluss, dass dieser stattfinden kann, mussten sich aber dann doch kurzfristig den staatlichen Anordnungen beugen.

Osterfest, Dreikönig - vieles musste ausfallen

Die Pfarrgemeinde musste ebenfalls einige kirchliche Feiern und Veranstaltungen wie das Osterfest, die Fronleichnamsprozession und nun auch noch das Sternsingen an Dreikönig absagen. Die Pfarrkirche war im Frühjahr für einige Wochen geschlossen, es fanden keine Gottesdienste statt.

Nach der Einführung eines entsprechenden Hygienekonzepts und den Lockerungen dürfen nun bis zu 60 Personen zur Messe – allerdings müssen sie sich vorher anmelden. In der "Vor-Corona-Zeit" waren es meistens mehr als doppelt so viele Kirchgänger, an Feiertagen und Hochfesten schon mal über 200 Gläubige und mehr.


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Pfarrer Peter Wyzgol ist zwar derzeit mit den Gottesdienstbesuchen zufrieden und hat sich mit der Situation weitestgehend arrangiert, aber man merkt ihm im Gespräch schon an, dass auch er das Ende der Corona-Auflagen herbeisehnt. Ein positiver Aspekt war, dass die Erstkommunion stattfinden konnte, zwar nicht wie immer am "Weißen Sonntag" im Frühjahr, sondern erst im September – aber immerhin.

Einen besonderen Augenblick verschafften die Akteure der Gnotzheimer Musikanten den Dorfbewohnern. Not macht eben erfinderisch, und da die Konzerte und die entsprechenden Proben in geschlossenen Räumen nicht erlaubt waren und auch nicht zu verantworten gewesen wären, entschlossen sich die Führungskräfte, die Übungsstunden ins Freie zu verlegen.

Gesundes Miteinander

Der Zeitpunkt (immer am frühen Sonntagabend) und ein fester Ort wurden flugs festgelegt. So ertönten wohlklingende Stücke, welche nicht nur die umliegende Nachbarschaft, sondern auch andere Dorfbewohner anzogen, die selbstverständlich mit Abstand lauschten. Ein musikalischer Höhepunkt in dieser tristen Pandemie-Phase.


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Wie in anderen Dörfern und Gemeinden auch hoffen die Gnotzheimer auf ein baldiges Ende der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen, damit es wieder losgehen kann mit dem gesellschaftlichen Leben in den Vereinen. Denn auf ein gesundes Miteinander kann man nicht so einfach verzichten.

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