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Dämmung ist baubiologisch bedenklich

Architektin Sabine Rothfuß refereriert am Dienstag in Thannhausen - 24.10.2013 16:26 Uhr

Für die Architektin Sabine Rothfuß aus Rittern sind die alten, oft denkmalgeschützten Häuser keine Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit, sondern die Herausforderung, sie zeitgemäß zu sanieren, um tolle Nutzungen zu ermöglichen.
Dass die Franken in manchen Dingen etwas zurückhaltend sind und nicht gleich auf jeden Zug aufspringen, der in die Moderne führt, das hält Sabine Ruthfuß sogar für einen Vorzug ihrer Landsleute. Dass der vermeintliche Fortschritt über viele Jahrzehnte an ihnen vorbeigezogen ist, findet sie jedenfalls aus landschaftsgestalterischer Sicht nicht als nachteilig. Viele alte Gebäude, die oftmals von ihren Eigentümern als nichtsnutzig eingestuft wurden, sind in ihrer Grundsubstanz erhalten geblieben, weil es den Menschen am nötigen Geld gefehlt hat, um teure Sanierungen zu machen.  
Das sieht jetzt anders aus. Nicht zuletzt die Perspektive „Fränkisches Seenland“ hat dazu beitragen, dass die Eigentümer den Wert ihrer alten Gebäude erkennen.  Auch die Gemeinden stecken viel Geld in den Erhalt. Für die Dörfer ist es ohnehin besser, die ungenutzten Häuser für gemeindliche Begegnungsstätten und andere öffentliche Zwecke umzubauen, als am Dorfrand protzige Neubauten zu errichten. So ist nämlich allen geholfen: den Eigentümern, der Gemeinde und der Identität der Dörfer.

Dieser frühere Hopfenboden hat eine neue Funktion bekommen.



Rothfuß findet, dass es in den Dörfern des Fränkischen Seenlands kaum gestalterische Verwerfungen, sprich Bausünden, gibt. Hingegen viele schöne und landes- oder bundesweit prämierte Orte. „Das ist ein Pfund, mit dem die Region wuchern kann.“ Sie fände es schade, wenn Hopfengauben, profilierte Sandsteingewände und -gesimse unwiderbringlich verloren gingen. Sie könnten nach einem Abbau oder Abbruch nicht mehr hergestellt werden, zumal die Techniken nur noch von wenigen Handwerkern wirklich gut beherrscht würden. Glücklich ist die engagierte Architektin, die seit 18 Jahren in Rittern lebt und dort ein Architekturbüro für ökologische Altbausanierung, ganzheitliches Bauen und Baudenkmalpflege betreibt, dass vielerorts Sprossenfenster und  biberschwanzgedeckte Sparrendächer erhalten geblieben sind und nicht den „Neuerungen“ preisgegeben wurden.
Ist Tradition und Energieeinsparung ein Widerspruch? Gebäude seien keine Autos, sagt Rothfuß, die nach 30 bis 50 Jahren schrottreif seien, auch wenn die Bauindustrie das glauben machen wolle.  Sie möchte nicht, dass die alten Gebäude unter einer Kunststoffhaut verschwinden, glatt und kahl werden.  Als einen Horror empfindet sie es, Fenstergewände und Verzierungen abzuschlagen, um die Fassaden mit Styropor zu dämmen. Sie sagt: „Das ist nicht nur aus optischen Gründen nicht schön, sondern kann aus bauphysikalischen Gesichtspunkten problematisch werden.“
„Historische Baukultur versus Energieeinsparung? Wege aus dem Dilemma“ – das ist das Thema eines Vortrags von Architektin Sabine Rothfuß am Dienstag, 29. Oktober, um 19.30 Uhr im Gasthaus „Zum Tannnhäuser“ in Thannhausen.  Rothfuß hat reichlich Erfahrungen auf diesem Sektor. Eines ihrer Projekte hat 2011 einen Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege und 2008 den Baden-Württembergischen Denkmalschutzpreis bekommen, ein weiteres Sanierungsvorhaben wird von der EU als Leitprojekt mit 75 Prozent Zuschuss gefördert. 

Werner Falk

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