Montag, 19.04.2021

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Das größte Federvieh der Welt: In Oberweiler lebt ein Straußenquartett

Die exotischen Tiere sind mittlerweile auch in Altmühlfranken heimisch geworden - 07.01.2021 06:21 Uhr

Vier Strauße stehen in dem Offenstall auf dem Berghof.

05.01.2021 © Foto: Jürgen Leykamm


Das exotische Tier, ursprünglich in Afrika beheimatet, ist mittlerweile auch in Altmühlfranken heimisch geworden – allerdings ausschließlich in Oberweiler. Das kann damit zusammenhängen, dass es besondere Anforderungen an den Halter gibt. Denn "Strauße zählen zu den Zootieren", erklärt Andreas Wolf, der den Berghof gemeinsam mit seiner Ehefrau Jessica sowie deren Eltern betreibt und dort zuständig ist "für alles, was sich Schwein nennt oder Federn hat".

Schon als Kind hatte es dem gebürtigen Meinheimer das Geflügel angetan. Mit dem eigenen Wachstum sollten dann auch die gehaltenen Tiere immer größer werden. "Mein Traum war, einmal das größte Federvieh der Welt auf meinem Hof zu haben", sagt der heute 39-Jährige, der 2012 mit seinem "Projekt Strauß" begann.

Zehn Tage Praktikum

Nachdem er in den Bauernhof in Oberweiler eingeheiratet hatte, stand der Erfüllung dieses lang gehegten Wunsches bald nichts mehr im Wege. Erst galt es aber, sich dafür zu qualifizieren. Wolf absolvierte eine dreitägige Schulung in Leipheim und zehn Tage Praktikum in Hohenfinow (Brandenburg). Er bildete sich nicht nur fort, sondern kaufte auch gleich ein männliches Exemplar. Dabei konnte es sich Andreas Wolf nicht verkneifen, ihn Franz-Josef zu nennen.

Ab und zu frisst „Franz-Josef“ dem Chef auch mal direkt aus der Hand. Die Tiere werden mit bestem Futter versorgt, darauf legen die Halter großen Wert.

05.01.2021 © Foto: Jürgen Leykamm


Aus der Farm im Günzburger Landkreis stammen die drei aktuellen Gefährtinnen des Hahns: Bärbel, Berta und Babette. Zuvor musste Wolf aber eine Genehmigung beim Veterinäramt einholen, auch wegen des Geheges, das zum Beispiel "kein Eck mit einem rechten Winkel aufweisen darf". Wegen der Verletzungsgefahr, etwa wenn sich die Strauße erschrecken.

Schraube verschluckt

Seine Tieren schrecken aber nicht wegen jedes Flugzeugs auf, "die sind alle sehr entspannt", weiß Wolf. "Bei all dem, was bei uns schon alles drübergeflogen ist, sind sie nie panisch geworden." Zum Verhängnis wurde dagegen einer Straußendame eine Holzschraube, die sie gefressen hat. Da halfen auch die fast zwei Kilogramm Kieselsteine nichts mehr, die Strauße zur Verdauung unbedingt brauchen. Bei den aktuell vier Tieren wird es wohl erst einmal bleiben, davon geht Wolf derzeit aus. Er züchtet nicht, sondern verwertet die Eier der Riesenhennen. Und das Gelege hat es in sich. "Ein Straußenei entspricht dem Volumen von bis zu 30 Hühnereiern", erklärt er. Von einem Spiegelei könnten zwei Kleinfamilien satt werden.

Beeindruckend auch die Eierschale, der die zerriebenen Steine eine besondere Härte verleihen. "Ein Kind kann sich auf ein volles Ei stellen, ohne dass es zerbricht", berichtet Wolf. Wenn er es vorsichtig angehen lässt, könnte das auch einem Erwachsenen gelingen, vermutet er.


Produkte aus Oberweiler im Automaten an der Tankstelle


Die leeren Eigehäuse werden zu schmucken Naturlampen weiterverarbeitet. Um der Schale Löcher für ein Muster zu verpassen, "braucht es schon einen Bohrer". Und das Innere des Eies wird am Berghof zu Eierlikör verarbeitet.

Endprodukte im Hofladen

Wolf ist es wichtig, dass es seinen Tieren richtig gut geht. Neben Gras bekommen sie Getreidemischungen, Maissilage und gehäckseltes Heu zu fressen. Die Endprodukte bietet der Biolandwirt in seinem Hofladen an. Von einer anderen Straußenfarm kauft er das Fleisch der Tiere zu.

Die Straußeneier, die Andreas Wolf hier präsentiert, finden Kunden als Lampen und Eierlikör im Hofladen des Berghofs in Oberweiler wieder.

05.01.2021 © Foto: Jürgen Leykamm


Strauße faszinieren nicht nur mit ihrem für sie typischen Gang. Beeindruckend sind auch ihre Klauen. Und die können dem Menschen richtig gefährlich werden. "Ein Fußtritt in den Bauch wäre tödlich", weiß Wolf. Das Picken in den Finger hingegen lässt sich leicht verschmerzen.

Trotz ihrer bis zu 150 Kilogramm Gewicht sind die flugunfähigen Federtiere extrem flink und bringen es auf bis zu 70 Stundenkilometer – zu Fuß ist kein Vogel schneller. Das Gehirn der Strauße ist kleiner als ihre Augen. Den Winter müssen die Tiere nicht fürchten: "Denen geht es auch bei minus 20 Grad im Freien gut", sagt Wolf.


Rund um die Uhr geöffnet: Walder Dorfladen stellte Automaten auf


Auf dem offenen Stall des Federviehs prangen ein Holzkreuz und eine Lichterkette, angebracht anlässlich des ersten Berghof-Weihnachtsmarktes im Jahr 2018. 2020 fiel der Markt aus naheliegenden Gründen aus, dafür aber leuchtete die Straußenbehausung weit ins Tal hinein.

JÜRGEN LEYKAMM

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