Zustand "nicht mehr tragbar"

Das Gunzenhäuser Bezzelhaus wird zur Großbaustelle

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 14.09.16..FOTO: Michael Matejka ..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Marianne Natalis..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Marianne Natalis

Altmühl-Bote

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19.10.2021, 06:07 Uhr
So wird sich das Bezzelhaus nach der rund eineinhalbjährigen Sanierungsphase von der Luitpoldstraße aus präsentieren. Der Neubau erhält ein Flachdach und bietet auf jedem Stockwerk mehr Platz.

So wird sich das Bezzelhaus nach der rund eineinhalbjährigen Sanierungsphase von der Luitpoldstraße aus präsentieren. Der Neubau erhält ein Flachdach und bietet auf jedem Stockwerk mehr Platz. © Planbau Gunzenhausen, NN

Bereits vor einem Jahr hatte der Haupt- und Finanzausschuss für die geplante Baumaßnahme einen Zuschuss in Höhe von 20.000 Euro gewährt (wir berichteten). Danach wurde das Vorhaben erst einmal durch Corona ausgebremst, erzählt Kerstin Becher-Schröder, die Leiterin der Einrichtung, die unter dem Dach der Diakonie steht. Nun aber dränge die Zeit, der Zustand des Gebäudes, den sie bereits vor einem Jahr als "nicht mehr tragbar" beschrieb, lasse immer mehr zu wünschen übrig.

Zuletzt gab es mehrere Wasserrohrbrüche

Das Hauptgebäude des Bezzelhauses stammt aus dem Jahr 1914. Es wurde in den 1980-er Jahren umfangreich renoviert, danach half man sich mit Reparaturen und Verschönerungsmaßnahmen aus. Nun aber ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Die verschachtelte Wohnstruktur entspricht den heutigen Standards nicht mehr, erläutert Kerstin Becher-Schröder im Gespräch mit dem Altmühl-Boten, und auch die Haustechnik ist sehr veraltet, so gab es zuletzt immer wieder Wasserrohrbrüche. Ganz abgerissen werden soll das Gebäude an der Ecke Krankenhausstraße und Luitpoldstraße, das 1966 errichtet wurde.


2015 wurde der Klinkerbau in der Krankenhausstraße abgerissen


Hier soll vor allem mehr Platz geschaffen werden, statt drei sollen dort künftig vier Zimmer pro Stockwerk untergebracht werden. Der Neubau wird vom Haupthaus leicht abgesetzt, so dass die Gemeinschaftsräumen mehr Licht bekommen. Ein zweites Treppenhaus wird das Fluchtwegproblem vernünftig lösen, eine bessere Raumaufteilung soll die Wohn- und Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen nachhaltig verbessern.

Dachstuhl wird komplett erneuert

Der Eingang zum Haupthaus soll ebenerdig und der Dachstuhl komplett erneuert werden. Dort wird dann ein Therapie- und Bewegungsraum zur Verfügung stehen. Neue Fenster und Wärmedämmung werden die Energiekosten senken, die Haustechnik wird dem heutigen technischen Standard angepasst. Auf dem Dach ist zudem eine Photovoltaikanlage geplant.

Das Bezzelhaus soll runderneuert werden: Das Haupthaus wird umfassend saniert, der Anbau aus dem Jahr 1966 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Der Baubeginn ist für das kommende Frühjahr geplant.

Das Bezzelhaus soll runderneuert werden: Das Haupthaus wird umfassend saniert, der Anbau aus dem Jahr 1966 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Der Baubeginn ist für das kommende Frühjahr geplant. © Marianne Natalis, NN

24 Kinder und Jugendliche leben derzeit unter der Obhut der Kinder- und Jugendhilfe Bezzelhaus. Acht Jugendliche wohnen in dem Neubau an der Krankenhausstraße, für die anderen 16 Kinder und Jugendliche und ihre Betreuer heißt es zum im Frühjahr geplanten Baubeginn: Sachen packen. Eine enorme Herausforderung für Mitarbeiter und Bewohner gleichermaßen, weiß Kerstin Becher-Schröder, denn das Haus muss komplett leergeräumt werden. Die Einrichtung sucht deshalb noch für die Bauzeit von rund eineinhalb Jahren Lagermöglichkeiten.

Umzug in Ausweichquartiere

Ihre Schützlinge sollen in Ausweichquartieren untergebracht werden. Der Verein hat bereits konkrete Lösungen im Blick, sie sind nach Worten der Leiterin aber noch nicht ganz spruchreif. Doch die Stimmung im Haus ist gut, denn als Belohnung für alle Mühen winkt am Ende eine runderneuerte Einrichtung.

Geschultert werden müssen von dem kleinen Verein aber nicht nur der Umzug und dessen Organisation, sondern auch die enormen Kosten. War vor einem Jahr noch von 2,2 Millionen die Rede, liegt die Schätzung mittlerweile bei 3,1 Millionen Euro, hier habe Architektin Sonja Mark, Inhaberin der Planbau, zu erwartende Preisanstiege aber bereits einkalkuliert. Wohltätige Organisationen wie "Sternstunden" und "Ein Herz für Kinder" haben bereits eine finanzielle Förderung zugesagt, auch bei der "Glücksspirale" hat Kerstin Becher-Schröder angeklopft.

In der jüngsten Sitzung des Stadtratsausschuss für Bauangelegenheiten, Stadtentwicklung und Umwelt stand der Bauantrag auf der Tagesordnung, Stadtbaumeisterin Simone Teufel stellte das Projekt, das nach ihren Worten "sehr gut passt", kurz vor. Dass der Neubau ein Flachdach erhalten soll, war nicht jedermanns Sache, dennoch erteilte der Bauausschuss das gemeindliche Einvernehmen einstimmig. Das letzte Wort hat die zuständige Genehmigungsbehörde, das Landratsamt.

Die von Herbert Gutmann (Grüne) angeregte Dachbegrünung hielt Simone Teufel für sehr sinnvoll, die Stadt könne das an dieser Stelle aber nur wünschen, nicht einfordern. Im Gespräch mit dem Altmühl-Boten machte Kerstin Becher-Schröder deutlich, dass das sowieso geplant sei.

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