-1°

Mittwoch, 11.12.2019

|

Die Region zittert vor der Afrikanischen Schweinepest

Die Virusinfektion hat Deutschland zwar noch nicht erreicht, doch nur ein einziger Fall könnte dramatische Folgen haben - 07.02.2019 15:31 Uhr

Bauern in Deutschland wie auch in ganz Europa fürchten die Afrikanische Schweinepest. Die Infektionskrankheit ist zwar für Menschen ungefährlich, verläuft bei Schweinen aber fast immer tödlich. © Foto: Bernd Settnik/dpa


An der deutsch-dänischen Grenze wird ein Wildschweinzaun errichtet, an der deutsch-tschechischen Grenze wird Jagd auf Schwarzwild gemacht. Die Angst vor der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland existiert nach wie vor. Bis Mitte Dezember wurden in der EU und in der Ukraine mehr als 6500 Fälle bekannt. Und auch Deutschland beziehungsweise der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen könnten jederzeit betroffen sein:

Bei der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) ist der Faktor Mensch der entscheidende Verbringungsfaktor. Der Virus der ASP ist sehr widerstandsfähig, er überlebt in frischem, gefrorenem, gepökeltem und geräucherten Fleisch und Wurstwaren. Und genau darin liegt das große Problem: Wenn mit dem ASP-Virus kontaminierte Lebensmittel, wie zum Beispiel verunreinigte Wurstsemmeln – etwa an einer tschechischen Autobahnraststätte – einfach unachtsam weggeworfen werden und von Wildschweinen gefressen werden, kann das zu einer Infektion führen. Die Seuche kann also über mehrere hundert Kilometer "mitreisen".

In jedem Jagdrevier mit Schwarzwildvorkommen, also auch im Landkreis, kann die Seuche jederzeit aufkommen. "Die afrikanische Schweinepest fordert eine nicht nachlassende Aufmerksamkeit als Daueraufgabe", sagt Miriam Wittke-Stockhausen vom Veterinäramt des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen.

Dafür würden verschiedenste Maßnahmen durchgeführt, heißt es aus dem Veterinäramt. Besonders betroffene Personengruppen würden im Rahmen von Veranstaltungen, Vorträgen oder Informationsmaterial aufgeklärt und sensibilisiert. Dazu zählen Landwirte, Tierärzte, die Jägerschaft aber auch LKW-Fahrer und Reisende. Bayernweit wurde außerdem ein Früherkennungssystem etabliert: Aufgefundene Wildschweine werden auf ASP untersucht, auch Proben verunfallter Wildschweine werden getestet.

Die Schwarzwildbestände werden außerdem reduziert, denn je höher die Schwarzwilddichte, umso wahrscheinlicher ist eine mögliche Infektion eines Wildschweins. In Schweinehaltungsbetrieben finden in Bayern durch die zuständigen Veterinärämter auch Überprüfungen der Einhaltung von vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen statt. Vor allem in Freiland- und Auslaufhaltungen von Schweinen. Darunter fällt zum Beispiel das Verfütterungsverbot für Küchen- und Speiseabfälle oder die strikte Unterbindung des Kontaktes von Haus- und Wildschweinen. "Der Landwirt muss seinen Bestand so abschotten, dass jeder Kontakt mit Wildschweinen unmöglich gemacht wird", heißt es aus dem Veterinäramt. Seit 2014 werden in der bayerischen Veterinärverwaltung zudem Tierseuchenübungen zur Umsetzung von Bekämpfungsmaßnahmen im Falle eines ASP-Ausbruchs durchgeführt.

Es wird also einiges getan, um einen Ausbruch zu verhindern, denn die Folgen wären verheerend. Auch für die Region: "Ein ASP-Ausbruch beim Wildschwein in Deutschland würde sich massiv auf das Marktgeschehen auswirken", sagt Miriam Wittke-Stockhausen vom Veterinäramt. Im schlimmsten Fall könnte es zu Handelsverboten kommen. Für die Branche drohen massive finanzielle Verluste. Für den Menschen selbst ist das Virus dagegen vollkommen ungefährlich. Eine Übertragung auf den Menschen ist nicht möglich. Schweinefleisch kann von den Menschen auch nach Ausbruch der ASP verzehrt werden.

Bisher ist die Tierseuche, gegen die es keinen Impfstoff gibt, nicht in Deutschland angetreten. Das Risiko eines Eintrags nach Deutschland sei aber nach wie vor hoch, betont die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Elke Reinking. "Entwarnung geben wir auf keinen Fall."

In Deutschland angekommen ist dagegen eine andere Tierseuche. In Baden-Württemberg ist die Blauzungenkrankheit ausgebrochen. Und indirekt auch in der Region. Denn um die Ausbreitung weiter zu verhindern, wurde der Radius des Restriktionsgebiets des betroffenen Betriebs in Bad Herrenalb im Landkreis Calw auf 150 Kilometer festgelegt. Der westliche Teil des Landkreises Ansbach ist also ab dem 2. Februar zum offiziellen Sperrgebiet erklärt worden. Auch Gebiete der Landkreise Würzburg, Donau-Ries und Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim sind betroffen. Insgesamt betreffen die Sperrmaßnahmen etwa 975 Betriebe mit ungefähr 54 000 Rindern, Schafen und Ziegen.

Für Menschen ist die Krankheit ebenfalls ungefährlich, Fleisch und Milchprodukte können gefahrlos verwendet werden. Im Gegensatz zur Afrikanischen Schweinepest kann man die Tiere auch gegen die Krankheit impfen lassen.

Die Übertragung erfolgt in der Regel über Stechinsekten. Innerhalb des Restriktionsgebiets, also auch im westlichen Teil des Landkreises Ansbach, gelten deshalb einige tierseuchenrechtliche Beschränkungen, die das Ziel haben, die Tiererkrankung einzudämmen. Wer beispielsweise Schafe oder Ziegen hält, muss dies sofort dem Veterinäramt beim Landratsamtes Ansbach melden.

MICHA SCHNEIDER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Gunzenhausen