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Montag, 06.07.2020

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Diskussion um Neubaupläne in Gunzenhausen

Das Siegermodell für das neue Landesamt sorgt in der jüngsten Sitzung des Stadtrats für Debatten - 31.05.2020 09:41 Uhr

Diese Archiv-Luftbild zeigt die Dachlandschaft rund um das Haus Silo. Der Neubau, der dort entstehen soll, wird ein Flachdach erhalten, was für Diskussionen sorgt. © Limes-Luftbild


Sie könne sich, meinte Sigrid Niesta-Weiser "wenig vorstellen", das sich in die dortige historische Bebauung "schlechter einfügt". Wörtlich sprach sie von einem "Schlag ins Gesicht".

Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, selbst Mitglied der Jury, fand es – merklich verärgert – zunächst "bemerkenswert", dass hier Menschen über Dinge urteilen würden, ohne sich vorher mit den Voraussetzungen auseinander gesetzt zu haben. Und erläuterte dann ausführlich diese Rahmenbedingungen, unterstützt von Stadtbaumeisterin Simone Teufel, die ebenfalls im Preisgericht saß.

Vorab machte Fitz unmissverständlich klar, dass die Stadt in dieser Sache kein Mitspracherecht habe. Das Grundstück gehöre dem Freistaat, das Land Bayern baue das Landesamt und sei damit auch Herr des Verfahrens. Der Freistaat hat auch den Architektenwettbewerb ausgeschrieben, ein aufwändiges und teures Verfahren, das aber laut Teufel tolle Ergebnisse erbracht hat. Auch sie war Mitglied der Jury

Die teilnehmenden Büros bekamen nach Worten des Bürgermeisters eine "umfassend definierte Aufgabenstellung", unter anderem galt es, ein detailliertes Raumprogramm auf einer Fläche von 3400 Quadratmetern umsetzen und die "zwei Komponenten" Landesamt und Prüfungsamt möglichst unabhängig, aber nicht getrennt voneinander unterbringen. Das werden in dem Vorschlag des Stuttgarter Büros Steimle Architektur GmbH hervorragend umgesetzt, waren sich Fitz und Teufel einig.

An zwei Tagen und insgesamt 24 Stunden lang saß die Jury, bestehend aus acht Fachpreisrichtern, darunter "anerkannte Professoren aus Berlin, München und Stuttgart", sowie fünf Sachpreisrichter, zusammen und prüften die Vorschläge auf Herz und Nieren. Unterstützt wurden sie dabei unter anderem von einer Energieberaterin, eine andere Expertin, die die Wirtschaftlichkeit untersucht hatte, war per Video zugeschaltet, berichteten Fitz und Teufel im Stadtrat

Von der Planung überzeugt

Die beiden machten auch keinen Hehl daraus, dass sie von der Planung des Wettbewerbgewinners überzeugt sind. Fitz sprach von einem "sehr gefälligen Gebäude" und sagte: "Ich meine, das passt sehr, sehr gut." Ein Preisgerichtsverfahren sei ein sehr formelles Verfahren, die Jury habe es sich wirklich nicht leicht gemacht.

Einen so komplexen Entwurf könne man nicht anhand eines Fotos von einem Modell beurteilen, zeigte sich Fitz sicher und bat darum, "nicht vorschnell zu urteilen". Was den oft geforderten Erhalt des Hauses Silo betrifft, betonte der Verwaltungschef, dass das Gebäude für die Zwecke des Landesamts nicht geeignet sei.

Das Haus Silo stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es war ein beliebtes Motiv für Ansichtskarten, diese entstand nach dem Umbau des Gebäudes zur Malzfabrik. © Stadtarchiv Gunzenhausen


Sie habe, ruderte Sigrid Niesta-Weiser daraufhin etwas zurück, keine Kritik daran äußern wollen, dass das Haus Silo weichen muss und persönliche fände sie auch den Baukörper nicht schlecht. Er füge sich nur in die Dachlandschaft der umliegenden Häuser nicht ein, da müsse nachgebessert werden. Dieses Feedback habe sie aus der Bevölkerung erhalten.

Der Entwurf des Büros Steimle Architekten GmbH Architekten für den Neubau für das Landesamt für Schule und das Prüfungsamt des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus hat die Jury überzeugt und wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. © Steimle Architekten GmbH


Ein fränkisches Satteldach funktioniere aber bei so einem Baukörper nicht, so Teufel. Das Landesamt sei quasi ein Ministerium und ein solches könne sich in Gunzenhausen gar nicht einfügen. Zudem passe das Ärztehaus gleich gegenüber an dieser Stelle auch nicht ins Quartier.

Mehr Bürgerbeteiligung hätte sich Christoph Mötsch von den Grünen gewünscht, man hätte die Entwürfe vor einer Entscheidung ausstellen können. Nun jedoch laufe es ähnlich "wie mit der alten Wurstfabrik", die Bürger würden vor vollendete Tatsachen gestellt. Er hätte sich das Auswahlverfahren "ein bisschen offensiver gewünscht". Seine Fraktionskollegin Ingrid Scala vermisste bei dem Entwurf ökologische Bauelemente, wie etwa eine Fassadenbegrünung. Solche Details werden im Modell noch nicht dargestellt, informierte Simone Teufel, dem Entwurf sei aber bescheinigt worden, dass er ökologisch sei.

Daniel Hinderks (SPD) geht davon aus, dass sich die Gemüter schon noch beruhigen werden und Dr. Werner Winter (Freie Wähler) befand, dass Gunzenhausen "dankbar sein sollte", dass das Landesamt nach Gunzenhausen kommt und warb um Vertrauen in die Fachleute. Das allerdings sah Peter Schnell (Grüne) ganz anders, seiner Meinung nach dürfe man "Architektur nicht den Architekten überlassen", vielmehr müssten hier auch die Politiker mitreden. Wichtig sei es, dass sich die Menschen ein Bild von den Plänen und vorgestellten Modellen machen können.

Das soll in rund zwei Wochen möglich sein. Dann werden die Entwürfe in der Stadthalle ausgestellt. Eigentlich sollte das gleich nach der Entscheidung des Preisgerichts geschehen, dem hatte aber die Corona–Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht, so Teufel.

Ein genaues Protokoll der Preisgerichtssitzung und alle 22 Modelle können auf der Homepage des Staatlichen Bauamts Ansbach unter www.stbaan.bayern.de/service/medien/meldungen/2020/preistrager-planungswettbewerb/ eingesehen werden.

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