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Elvis auf fränkisch: „Seid mei Alde fodd iss“

„Oldes boys alive“ sorgt für starken Auftakt der musikalischen Abendfahrten - 17.05.2016 14:37 Uhr

Beschwingter Auftakt der Musikfahrten auf dem Altmühlsee: Dirk Ziegler und Alena Jeffers, im Hintergrund Roland Matusche am Kontrabass. © Archivfoto: Natalis


Stellt man sich den Rhythm and Blues als Landkarte vor, dann liegt die Heimat der „Oldest boys alive“ irgendwo dort, wo die legendäre Route 66 den Mississippi kreuzt und Memphis, Tennessee – zumindest in US-Dimensionen –, nur einen Katzensprung entfernt ist. Die im Großraum Nürnberg beheimatete Formation hat ein Händchen für den Rock’n’Roll von Elvis, Country à la Johnny Cash und Soul im Stile Otis Reddings — oder ganz einfach den Rhythmus der Fifties und Sixties im Blut.

Am und auf dem Altmühlsee sind die „Jungs“ rund um Frontmann Dirk Ziegler ja schon lange keine Unbekannten mehr, was einerseits natürlich an Zieglers ehemaliger Kultcombo „Tequila“ liegt, andererseits daran, dass sein aktuelles Ensemble nicht zum ersten Mal über das Gunzenhäuser Hausgewässer schippert. Bei der letzten Gelegenheit hatte man dabei Hagel im Gepäck, heuer ist es eine Sturmwarnung, allerdings tut das der prächtigen Laune an Bord keinen Abbruch.

Stimmiges Soundpaket

Im Gegenteil: Je ungemütlicher draußen Wind und Wellen wüten, desto behaglicher ist drinnen das Klima. Unkaputtbar brummt Roland Matusches Kontrabass vor sich hin, Neuzugang Claus Pfeiffer setzt ansprechende Akzente auf der Gitarre, am Mikro harmoniert Dirk Ziegler mit seiner souveränen Co-Sängerin Alena Jeffers, und Gerald Stegmillers Bluesharp zurrt das Ganze zu einem stimmigen Soundpaket zusammen. Ziemlich tanzbar wäre das Ergebnis eigentlich, doch bloßes Lauschen, Genießen und Füßewippen scheinen an jenem Abend höher im Kurs zu stehen.

Unterdessen schaukelt das Schiff, je nach Begleitsong, als schwimmendes „Heartbreak Hotel“ oder freiwillig gewähltes „Folsom Prison“ durch die Dunkelheit, weil für die Dauer des Gigs schließlich niemand mal eben türmen kann. Wer trotzdem ein bisschen die Kontrolle auf den Fluten behalten möchte, kann freilich die Chance nutzen, sich von Kapitän Herbert Gutmann in die Kunst des Navigierens einweisen zu lassen.

Aber noch einmal zum „Heartbreak Hotel“. Der Elvis-Hit funktioniert auch in mittelfränkischer Mundart wunderbar. Hemmungslos ungeschönt verwandelt sich die Zeile „Since my baby left me“ in „Seid mei Alde fodd iss“, und der Trennungsschmerz des Originals weicht der Begeisterung über wiedergewonnene männliche Freiheiten.

Genauso charmant-unverfroren witzelt sich die Gruppe durch andere Klassiker und beweist, dass die Franken und der Blues halt untrennbar zusammengehören.

Viel zu schnell ist der vergnügliche Konzerttrip vorbei, die Passagiere kehren beschwingt auf das nasskalte Festland zurück. Die jeweiligen Wetterverhältnisse dürften zweitrangig bleiben, wenn die diesjährigen Musikfahrten auf der „MS Altmühlsee“ so unterhaltsam weitergehen. 

Kristy Husz

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