Erlebnisspielplatz-Test am Altmühlsee: Von der "Zipline" bis zum "Teufelsrad"

26.9.2020, 17:48 Uhr
Ruhepause für unsere Spielplatzhelden Ben und Leo: Schunkeln mit Oma und Opa auf der Schaukelschlange.

Ruhepause für unsere Spielplatzhelden Ben und Leo: Schunkeln mit Oma und Opa auf der Schaukelschlange. © Foto: Tine Bethke

Doch was verstehen denn rückenversteifte und überinformierte Erwachsene von Kinderabenteuern? Und haben sie auch nur die leiseste Ahnung von den Gefahren, die auf einem solchen Spielplatz lauern?

Deshalb wurden für diesen kleinen Report die Spielplatz-Experten Ben und Leo eingeladen. Die Zwillingsbrüder sind vier Jahre alt und in ihrem Kinderleben schon über viele Sandkastenränder gestolpert. Einer von ihnen kann sogar schon alleine schaukeln – Fachleute eben!

Geplant war also, dass Ben und Leo den als Römer- und Alemannenlager konzipierten Platz begutachten und der Reihe nach alle Spielgeräte durchtesten. War geplant . . .


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Doch schon beim ersten kleinen Kletterturm mit Rutsche ins Sandbett gibt es Protest. Leo meint "Babyrutsche!" und zeigt sofort zu den Twin Towers des Spielplatzes, von denen zwei beeindruckende Rutschbahnen hinunterführen. So schnell können Oma, Opa und die Reporterin gar nicht hinlaufen, da sind die beiden Kinder schon durch den Irrgarten aus Leitern, Seilen und Stangen nach oben geklettert.

Rutschen sind dunkel und steil

Da stehen sie nun, unsere Spielplatzhelden, und schauen in die verzinkten Metallröhren. Leo hat als erster einen Entschluss gefasst: "Da kann man nicht rutschen, ist zu dunkel!" Ben triumphiert noch eine Weile und meint, seine Rutsche sei gar nicht so dunkel, nur sehr, sehr steil. Mit der Ankündigung, er werde gleich losrutschen, lässt er uns Erwachsene am Rutschenausgang noch ein paar Minuten schmoren, dann dreht er sich wortlos um und krabbelt die Leitern wieder hinunter.

Oh, nun sind die Jungs ein bisschen in ihrer Heldenehre angekratzt und müssen sich an der Seilrutsche mit dem Tellersitz austoben. "Zipline" nennen sie das Spielgerät und greifen da schon eine Nummer zu hoch, denn eine sogenannte Zipline führt eigentlich über Flussläufe oder Schluchten, während das Drahtseil in Wald brav über eine weiche Sandbahn hinweg führt. Na, die wilden Kerle haben hier jedenfalls viel Spaß! Zur Ruhe kommen sie erst, als Oma und Opa einen Ritt auf der Schaukelschlange mitmachen.

Das hat unsere Fotografin mit ihrem Lensball gut eingefangen: Aus Sicht der Erwachsenen wird am Kinderspielplatz die Welt auf den Kopf gestellt.

Das hat unsere Fotografin mit ihrem Lensball gut eingefangen: Aus Sicht der Erwachsenen wird am Kinderspielplatz die Welt auf den Kopf gestellt. © Foto: Tine Bethke

Weiter geht es zu einer seltsamen Balkenschaukel, wo man zwar ziemlich hoch oben auf einem Plasteteller sitzt und sich ordentlich festklammern muss, aber für annähernd gleich schwere Brüder ist das Ganze eher ein lahmer Balanceakt. Gut, dass Opa nachhilft und das Ding in Bewegung hält.

Jetzt ist dringend ein neuer Adrenalin-Kick gefragt, und es geht aufs "Teufelsrad". Ben setzt sich in die Mitte der Drehscheibe und findet die Rundtour weniger aufregend als Leo, der sich ganz außen platziert hat und schon so ein bisschen ins Kippen gerät. Wir Erwachsenen lernen, dass man zu solchen Gerätschaften heutzutage nicht mehr Karussell sagen darf, und dann singen uns die beiden noch ein Kindergartenlied über Wochentage vor, während ihre Bäckchen vom Drehschwindel immer bleicher werden.

Auf der gaaanz normalen, aber immer noch sehr beliebten Schaukel ruhen sich Ben und Leo aus, erläutern uns in einem neuen Lied die Monatsnamen und wissen mit ihren reifen vier Jahren schon, dass der Jahreslauf niemals aufhört. Jetzt trennen sich die Wege der Brüder wieder. Während Ben den Wasserlauf der Walder Altmühl über das dicke Seil der Hängebrücke überquert, nimmt Leo brav den Umweg über den Steg in Kauf. Womit wir schon zum Ende der Spielgeräte-Testung kommen. Ben und Leo entdecken die Wasserpumpe, die zugehörige Holzrinne, das Staubecken und den Auslauf in den Bachlauf und haben nun ein ernsthaftes Projekt im Kopf.

Eine Brücke aus Sand

Wie das Projekt denn heiße, wollten wir Erwachsenen wissen. "Wir wollen eine Brücke bauen, damit wir zum anderen Ende kommen!", informiert Ben. Aha: Dazu wird Sand in die Ablaufrinne geträufelt, der dann mit dem Wasser und händischer Hilfe bis zum Ablauf in den Bach transportiert wird. In 100 Jahren ungestörter Kinder-Ingenieursleistung entstünde dann eine Sandbrücke über die Walder Altmühl . . .

Man könnte noch viel über diesen Abenteuerplatz berichten, den das Wasserwirtschaftsamt Ansbach gemeinsam mit dem Zweckverband Altmühlsee gebaut hat: übers Fußbad im Kies- und Sandbett der Walder Altmühl, übers Himmelgucken in den Hängematten und die Balance-Trainingsplätze für die Älteren mit Slackline und Co.

Schade, dass sich auf diesen Generationenspielplatz Erwachsene kaum alleine hintrauen, deshalb muss man sich Kinder dazu "ausleihen". Danke also, Ben und Leo, für eure Begleitung ins Kinderparadies am Altmühlsee!

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