Donnerstag, 27.02.2020

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Grippe oder Erkältung? Amtsarzt liefert Antworten

Dr. Carl-Heinrich Hinterleitner erklärt im Interview, worauf man achten muss. - 13.02.2020 05:53 Uhr

Beim Gesundheitsamt des Landratsamtes in Weißenburg wurden in der aktuellen Saison bislang 46 Influenza-Infektionen gemeldet – aber noch kein Coronafall. © Symbolbild: Stefan Hippel


 Herr Dr. Hinterleitner, welche Symptome deuten auf eine Influenza, also eine echte Grippe, hin?

Eine Influenza-Infektion tritt sehr plötzlich auf. Die typischen Symptome sind Fieber, Husten, auch Halsschmerzen sowie Muskel- und Kopfschmerzen. Nur bei einem Drittel aller Infektionen kommt es zu einem schweren fieberhaften Verlauf, bei einem weiteren Drittel zu einem leichten fieberhaften Verlauf und beim letzten Drittel verläuft die Erkrankung ohne Symptome.

Ab wann und wie lange ist man ansteckend?

Die Erkrankten können bereits am Tag vor Beginn der Beschwerden ansteckend sein. Ansteckungsgefahr besteht bis circa eine Woche nach den ersten Krankheitszeichen.

Was ist der Unterschied zur harmloseren Erkältung?

Eine Erkältung bzw. ein grippaler Infekt beginnt schleichend, tritt also nicht schlagartig auf. Eine sichere Abgrenzung kann aber nur durch eine Labordiagnostik erfolgen, denn auch viele andere Viren verursachen sehr ähnliche Krankheitsbilder wie die saisonale Influenza.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Wenn sich ein schwerer Verlauf mit starken Krankheitszeichen der Influenzaerkrankung abzeichnet oder wenn ein erhöhtes Risiko bei Vorerkrankungen vorliegt. Auch Schwangere oder ältere Menschen sollten zum Arzt gehen.

Welche Typen von Influenza gibt es, was ist der Auslöser?

Bei uns sind die Typen A, B und C bekannt. Der Typ A ist am häufigsten und auch am aggressivsten. Influenza B kann ebenfalls zu schweren Symptomen führen. Der Typ C ist dabei das mildeste Virus mit meist wenigen bis keinen Krankheitszeichen. Auslöser der Erkrankung sind Viren. Deswegen sind Antibiotika auch wirkungslos, diese helfen allenfalls bei einer zusätzlichen bakteriellen Infektion.

Wie werden Influenza-Viren denn überhaupt übertragen?

Die Influenza-Viren werden überwiegend durch Tröpfchen übertragen, die insbesondere beim Husten oder Niesen entstehen. Diese Tröpfchen gelangen in die Luft und können von anderen Menschen eingeatmet werden. Deshalb ist es so wichtig, in die Ellenbeuge zu niesen. Außerdem werden die Viren über Hände und Gegenstände weitergereicht, wenn diese mit Sekreten in Kontakt gekommen sind.

Wie kann ich mich vor der Grippe schützen?

Am besten hält man von hustenden oder niesenden Menschen Abstand und versucht Händeschütteln möglichst zu vermeiden. Aber auch Augen, Mund oder Nase sollten so wenig wie möglich mit den eigenen Händen berührt werden. Zudem gilt häufiges Händewaschen mit Seife und warmem Wasser.

Empfehlen Sie eine Schutzimpfung gegen die Grippe?

Auch die Schutzwirkung der Impfung ist nicht immer zu Hundert Prozent gegeben und es kann trotz Impfung zu einer Influenza-Infektion kommen. Dennoch halte ich eine Impfung für sinnvoll. Vor allem Schwangeren, über 60-Jährigen, medizinischem Personal, Menschen mit Immunschwäche und chronisch Kranken empfehle ich die Impfung.

Warum muss man sich jedes Jahr neu gegen die Grippe impfen lassen?

Die Influenza-Viren ändern sich ständig und bilden neue Varianten. Deshalb wird die Zusammensetzung des Impfstoffs jedes Jahr an die zirkulierenden Virustypen angepasst. Die Krankheitswelle beginnt im Frühjahr in Südostasien, von dort ziehen die Viren um die Welt bis nach Europa. Mit der jährlichen Impfung soll gezielt vor den aktuellen Virus-Varianten geschützt werden, die in Asien gefunden wurden.

Was kann ich tun, wenn es mich doch erwischt hat?

Erkrankte sollten oft die Hände waschen und das Zimmer regelmäßig lüften. Beim Niesen und Husten sollten der Mund und die Nase mit der Ellenbeuge und nicht mit der Hand bedeckt werden, um die Verbreitung der Erreger zu verringern. Außerdem empfehle ich Papiertaschentücher, die nach der Benutzung entsorgt werden. Der Kontakt zu anderen Menschen sollte möglichst eingeschränkt und die Bettruhe eingehalten werden.

INTERVIEW: LENA KAGERER E-Mail

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