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Gunzenhausen: Abschied von Werner Seifert aus dem Seniorenbeirat

Nach zwölf Jahren verabschiedet sich der langjährige Vorsitzende - 29.03.2021 06:06 Uhr

Der Seniorenbeirat ist in Gunzenhausen eine feste Größe. Vor der Neubestellung der Mitglieder verabschiedete Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (rechts) in der jüngsten Sitzung des Stadtrats den bisherigen Vorsitzenden Werner Seifert (zweiter von links).
 

26.03.2021 © Marianne Natalis, NN


In den städtischen Beirat holte ihn vor zwölf Jahren die damalige Vorsitzende Amalie Wegmann, deren Amt er drei Jahre später nach deren Ausscheiden übernahm. Seifert war damals im Sozialverband VdK aktiv, so lag der Schritt hin zum Seniorenbeirat nahe.

Und er brachte für diese Tätigkeit eine ganz wichtige Eigenschaft mit: Werner Seifert ist ein Mann, an den man sich vertrauensvoll mit seinen Problemen wenden kann. Das taten die Senioren denn auch, etwa wenn sie ihn donnerstags am Wochenmarkt trafen, und werden es auch weiterhin tun können. Denn Seifert wird ihre Anregungen sicher an den Seniorenbeirat weitergeben. Und zudem engagiert er sich weiterhin in der Nachbarschaftshilfe.

Diese Hilfseinrichtung bezeichnete Bürgermeister Karl-Heinz Fitz nicht von ungefähr als "das Baby" von Seifert. Nach zweijähriger Vorbereitungszeit ging die Initiative 2015 an den Start. 16 Ehrenamtliche waren damals im Einsatz und schon im ersten Jahr leisteten sie 142 Helferstunden. 2020 waren es 724, dazu summierten sich noch 236 Stunden für die Büroarbeit. 9032 Kilometer haben die heute 22 Ehrenamtlichen – von denen wegen Corona zur Zeit nur 15 aktiv sind – im vergangenen Jahr zurückgelegt.


Ein Helfer für den täglichen Einkauf


Eines der größten Probleme im Alter ist, erläutert Seifert im Gespräch mit dem Altmühl-Boten, die immer eingeschränktere Mobilität. Wenn das Autofahren zu gefährlich geworden und man auch nicht mehr so gut zu Fuß ist, dann wird es schwierig, das Leben zu organisieren, zumal, wenn man nicht in der Kernstadt wohnt.

Gas mit Bremse verwechselt

Nach zwölf Jahren scheidet Werner Seifert aus dem Gunzenhäuser Seniorenbeirat aus.

28.03.2021 © Foto: Marianne Natalis


Und er erzählt von diesem älteren Ehepaar, das auf einem kleinen Dorf lebte. Einkäufe und anderes erledigte der 87-Jährige mit seinem VW-Bus, obwohl er sich eigentlich längst nicht mehr ans Steuer hätte setzen sollen. Eines Tages passierte es denn auch, er verwechselte Gas und Bremse und baute einen Unfall. Die Polizei untersagte ihm daraufhin das Autofahren.

Fortan saß das Paar – die Frau fast blind – in seinem Dorf fest und wandte sich deshalb an die Nachbarschaftshilfe. Die konnte auch zunächst einspringen. Doch dann wurde die Frau krank, eine wichtige Operation stand an. Aber sie wollte nicht unters Messer, bevor sie nicht ihren Mann versorgt wusste. Deshalb suchten sie einen Platz in der Kurzzeitpflege. Die Wartezeit betrug ein dreiviertel Jahr. Als die Frau endlich ins Krankenhaus konnte – Werner Seifert hat sie damals hingefahren – war es wohl schon zu spät, sie starb noch in der Klinik. Und zwei Wochen später segnete auch ihr Ehemann das Zeitliche.

Solche und ähnlich tragische Schicksale habe er in den vergangenen Jahren viele mitbekommen, berichtet Seifert. Wäre das Paar rechtzeitig ins Altenheim umgesiedelt, würden heute womöglich beide noch leben. Doch sie wollten ihr Zuhause nicht aufgeben, so Seifert.

Auf der anderen Seite kann er aber auch von wunderbaren Gegebenheiten berichten. Etwa von seinem gut betuchten Bekannten, der sich eines Tages an ihn gewandt hat, weil er sein Geld ungern einer Organisation zukommen lassen, sondern direkt Menschen helfen wollte. Seifert sollte 20 Personen für seinen Bekannten auswählen, die dieser – je nach Lebensverhältnissen – mit einer gewissen Summe unterstützen wollte. An Weihnachten fanden diese dann einen Umschlag mit Geld und einer schönen Karte im Briefkasten. Eine Frau rief ganz ungläubig bei Seifert an, weil sie sich gar nicht traute, die 200 Euro auszugeben. Sie war von einem Versehen ausgegangen. Rund 10.000 Euro habe sein Bekannter großzügig an bedürftige alte Menschen in Gunzenhausen verteilt.

Große Scheu, um Hilfe zu bitten

Auch der Verein "Hand in Hand gegen Altersarmut", mit dem der Seniorenbeirat selbstredend zusammenarbeitet, will bedürftigen Senioren helfen. Das Problem sei allerdings, die in Armut lebenden Senioren zu finden. Die Scheu, um Hilfe zu bitten und damit seine Situation offenzulegen, ist laut Seifert immer noch sehr groß. Und längst nicht alle älteren Menschen kennen die Angebote, die es für sie gibt. Hier sieht Seifert eine wichtige Aufgabe für den Seniorenbeirat.


Gunzenhausen: Auch hier gibt es Altersarmut


Seifert könnte noch viele Geschichten erzählen, etwa, von der Frau mit einer Rente von 700 Euro, für die der dringend notwendige Austausch von Heizungsventilen zu einem finanziellen Desaster führen würde. Der 76-Jährige scheut sich aber auch nicht, den Finger auf offene Wunden zu legen. Im Stadtrat tut er das etwa bei den neuen Wohnungen im Gebäude 2 des Burkhard-von-Seckendorff-Heims. Die seien schlicht zu teuer, bescheinigt er der Stadt, er selbst könnte sich mit seiner Rente im mittleren Bereich dort kein Apartment leisten. "Das hätte ich mir günstiger vorgestellt", sagt er frank und frei.

Am Ende dankt Werner Seifert aber versöhnlich allen Wegbegleitern. Insbesondere nennt er dabei Annette Braun, die "Schaltstelle" für Seniorenbeirat und Nachbarschaftshilfe in der Verwaltung.

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