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Mittwoch, 11.12.2019

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Gunzenhausen: "Dreggsagg" rockt die Stadthalle

Der Komödiant Michl Müller begeistert sein Publikum im ausverkauften Kulturtempel - 02.12.2019 17:19 Uhr

Gags am Fließband: Michl Müller bei seinem umjubelten Auftritt in der ausverkauften Stadthalle Gunzenhausen. © Foto: Uli Gruber


Anders, als es der Titel seines aktuellen Programms "Müller, nicht Shakespeare" vermuten lassen könnte, hat die Ulknudel mit verbrämter Lyrik, Drama und Schauspiel nichts am Hut. Stattdessen werden Gags am Fließband in die Menge geworfen, ein schier unerschöpflicher Fundus an Inspiration entlarvt kompromisslos den Wahnsinn des Alltags. Das Publikum in der ausverkauften Stadthalle stimmt in nahezu allen Punkten zu, Müllers "Offenbarungen" werden frenetisch gefeiert.

Besser gesagt: Die Leute biegen sich vor Lachen, Müller rockt die Stadthalle. Zur Auswahl stehen keineswegs nur platte Pointen. Der "Dreggsagg" zelebriert Dialekt-Humor in vielfältigster Form, auch Politisches darf nicht fehlen. Logisch, dass der AfD eine gehörige Salve vor den Bug geschossen wird: Deren Vertreter tagen ausgerechnet in BRAUNschweig – wie konnte es anders sein!

Wunderwaffe "AKK"

Müller macht keinen Hehl aus seinem Ärger, er reitet weitere Attacken. An entsprechendem Personal mangelt es nicht: Habeck, Baerbock, von der Leyen und Unions-Wunderwaffe "AKK" bereichern auf ihre Weise die Litanei der Peinlichkeiten und Kuriositäten. Kann das wirklich alles ernst gemeint sein? Für Michl Müller gewiss nicht. Mutti Angela schwebe über allen und allem. Davon wisse auch Friedrich Merz, "die Mumie aus dem Kanzleramtskeller", ein Lied zu singen.

Müller ist in jeder Hinsicht ein sorgfältiger Beobachter. Ob Banales oder Komplexes, dem Meister entgeht nichts. Fragwürdige Laternenumzüge, rustikale Badegewohnheiten aus unbeschwerten Kindheitstagen, die Körperhygiene des modernen Mannes, Sinniges zu den einzig wichtigen Themen Liebe, Tod und Glück, sexbesessene Rentner, die nervige Service-Hotline der Telekom ("So muss sich Sterben anfühlen"), Zebra-Steaks als Wunschtraum jedes Feinschmeckers, die schwierige Kommunikation zwischen "bellenden" Oberpfälzern und ungeduldigen Mittelfranken, E-Zigaretten ("brennende Blockflöten mit Modearomen") und Globuli für die Oma spiegeln das ganze Dilemma wider.

Michl Müller überzeugt durch Einsatz und Kondition. Er wirbelt scheinbar mühelos über die Stadthallenbühne, singt zwischendurch eigens arrangierte Hits von Ed Sheeran (!), witzelt mit den Fans (insbesondere Thomas aus Haundorf dürfte den Abend in Erinnerung behalten) und verrät bahnbrechende Erkenntnisse zu den Eigenarten der Geschlechter.

Klamauk-Profi

Als Klamauk-Profi ist ihm klar, dass der weibliche Part im Konfliktfall zur Direktheit tendiert: "Frauen hauen’s raus, ohne Rücksicht auf Verluste." Männer hingegen bevorzugten eher die Diplomatie. Falsche Antworten in brisanten Situationen könnten Katastrophen auslösen. "Im Auge des Hurrikans" sei Nervenstärke gefragt. Dann könne das friedliche Miteinander selbst Trennungsszenarien überdauern. Wie bei der schönen Helene und Florian Silbereisen. Letzterer avancierte zum Traumschiff-Kapitän, "bloß weil er mal irgendetwas mit einer Fischerin gehabt hat!"

Egal, zum großen Abschieds-Medley bebt der Saal. "MM" zieht alle Register, die "Sicherheitsunterweisung" ist abgeschlossen.

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