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Gunzenhausen: Ein Dosenregal als Inspirationsquelle

Der Künstler Johannes Vetter gestaltet die erste Ausstellung im M11 nach dem Corona-Lockdown. - 02.07.2020 16:54 Uhr

Das Paradies in einem Einmachglas: Künstler Johannes Vetter (links) und Holger Pütz-von Fabeck, stellvertretender Vorsitzender des Kunstforums, vor dem Werk „Best Moment“.

© Bernadette Rauscher


Und als Vetter dann im Supermarkt vor dem Regal mit den Konservendosen stand, war plötzlich alles ganz klar. Dieses Einmachglas mit den Ananasscheiben, den Kirschen und den Pfirsichhälften, das ist wie eine Erinnerung an dieses Paradies: Eine abgeschlossene eigene kleine Welt, süß, nahrhaft, nahezu ewig haltbar, aber trotzdem irgendwie tot.

Das Einmachglas ist nun auf einer großformatigen schwarzen Leinwand zu sehen. In kräftigen Farben, das Licht spiegelt sich am Gläserrand. Bei diesem Bild macht Johannes Vetter eine Ausnahme. Eigentlich erklärt er seine Werke nicht gern. Er spricht lieber durch seine Bilder als über sie. "Malerei funktioniert einfach anders als andere Medien. Der Betrachter muss selbst denken."

Johannes Vetter lebt und arbeitet in Aschaffenburg und Ornbau. Alle zwei Jahre kuratiert der ausgebildete Steinmetz und Absolvent der Karlsruher Akademie der bildenden Künste in Ansbach die Contemporary, ein Festival für zeitgenössische bildende Kunst, und stellt seine Werke in Salzburg, Berlin oder London aus.

Bis zum 19. Juli ist ein Teil seiner Bilder nun unter dem Titel "Restart – Eine andere Sicht der Dinge" im M11, den Räumen des Kunstforums Fränkisches Seenland am oberen Marktplatz in Gunzenhausen zu erleben.

Es ist die erste Ausstellung des Kunstforums seit dem Corona-Lockdown. Stellvertretender Vorsitzender Holger Pütz- von Fabeck ist sichtlich erleichtert: "Die Bedeutung von Kunst hat sich gerade jetzt in ihrem Fehlen gezeigt. Es fehlen die Farben, die Träume, die Visionen und Geschichten!"

Ein Momentensammler

Mit Geschichten jedenfalls kennt sich Johannes Vetter aus. Er ist ein Momentesammler. Ein Ausschnittesucher. Er fängt winzige Augenblicke ein und vergrößert sie so lange, bis es fast ein bisschen unheimlich wird. Ein brennendes Streichholz. Der Moment, wenn die Spaghettigabel wieder den Mund verlässt. Wasser, das aus dem Hahn fließt.

Ein leises Gruseln hängt den meisten seiner Bilder an, etwas Rätselhaft-Unheimliches. Vielleicht ist es das Licht, das seine eigentlich fotorealistischen Arbeiten manchmal fast surreal wirken lässt. Vielleicht ist das Gruselige auch, dass da eigentlich gar nichts Gruseliges ist: Vetter malt winzige Splitter der Wirklichkeit. Das Davor und das Danach seiner Bilder entsteht erst in den Köpfen der Betrachter. "Auf diesen Bildern ist ja nichts so wie es scheint", erklärt Vetter, "Malerei transformiert die Dinge ja immer in etwas." In Geschichten, die nur einen Bruchteil von sich zeigen. Zum Beispiel ein Einmachglas.

InfoDie Ausstellung "Restart – Eine andere Sicht der Dinge" kann noch bis zum 19. Juli im M11 besucht werden. Geöffnet ist jeden Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr; der Eintritt zu der Ausstellung am oberen Marktplatz ist frei.

BERNADETTE RAUSCHER E-Mail

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