Donnerstag, 21.11.2019

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Gunzenhausen: Kirche bleibt vorerst geschlossen

Im kommenden Frühjahr beginnt die Deckensanierung im katholischen Gotteshaus - 13.10.2019 07:49 Uhr

Der Baustopp in und vor allem die Schließung der katholischen Kirche in Gunzenhausen traf die Gemeinde hart. Nun aber gibt es einen Lichtblick am Horizont: Die Sanierung der maroden Decke kann im Frühjahr 2020 beginnen. © Marianne Natalis


Als im Sommer 2018 die Baumaschinen anrückten, gingen Pfarrer Christoph Witczak und die Planer noch davon aus, dass die Erneuerung des Außendachs eine Sache von wenigen Monaten sei. Die Kirche könnte auch nach wie vor für Gottesdienste genutzt werden, waren sie überzeugt.

Doch dann entdeckte der Stadtpfarrer an verschiedenen Stellen im Kirchenraum eine mehlartige Substanz, die offensichtlich von der Decke gebröselt war. Ein beunruhigender Fund, über den er sofort das Abenberger Architekturbüro Geißel informierte. Das Diözesanbauamt wurde eingeschaltet, der TÜV angefordert und nur einen Tag vor den Schulanfangsgottesdiensten war klar: Das Gotteshaus muss sofort geschlossen werden.

Denn die sogenannten Gasbetonplatten, die in den 1950er-Jahren im Innenraum der Kirche verbaut wurden, sind marode. Kondenswasser ist eingedrungen, schildert Witczak das Problem im Gespräch mit dem Altmühl-Boten, die Metallteile in den Gasbetonplatten sind verrostet, so sind Hohlräume entstanden und der Beton bröckelt.

Der katholische Stadtpfarrer von Gunzenhausen, Christoph Witczak, deutet nicht gen Himmel, sondern zur Decke: Dort wurden in den 1950er-Jahren tonnenweise Gasbetonplatten eingebaut. Die sind marode und der Grund, warum das katholische Gotteshaus seit über einem Jahr geschlossen ist. © Marianne Natalis


Bei einer Probebohrung im Dach krachte ein größeres Stück in den Kirchenraum, das führte letztendlich zur Schließung. Die Gefahr, dass Besucher von herabfallenden Teilen getroffen werden könnten, wurde als zu groß eingeschätzt.

Bange Frage nach der Statik

Seitdem haben zahlreiche Untersuchungen und Gespräche stattgefunden. Neben dem Diözesanbauamt ist auch das Landesamt für Denkmalschutz involviert. Zwischenzeitlich stand sogar die Frage im Raum, ob das Gotteshaus womöglich abgerissen werden muss. Doch die Statik, das wurde mehrfach geprüft, ist zu Witczaks großer Erleichterung in Ordnung.

Die 60 Jahre alten Gasbetonplatten aber müssen samt und sonders ausgetauscht werden. Und das wird sehr aufwendig, denn die Platten können nur über das Dach beseitigt werden: Von der Winterabdeckung (das alte Titandach ist bereits entfernt worden) über die Dämmung bis zu den Bitumenbahnen muss der gesamte Dachaufbau entfernt werden, um an die maroden Platten heranzukommen. Satte 70 Tonnen Gasbetonplatten im Langhaus und noch einmal 17 Tonnen im Kapellenkranz müssen als Sondermüll entsorgt werden.

Feiner Betonstaub, wie er hier in einer Ecke liegt, war der erste Fingerzeig, dass es in der katholischen Kirche von Gunzenhausen ein Problem gibt. © Marianne Natalis


Für die Arbeiten, die in zwei Bauabschnitten über die Bühne gehen sollen, laufen nun die Ausschreibungen an. Zunächst wird ab Frühjahr das Langhaus saniert. Dazu werden die Kirchenbänke abmontiert und dann im Inneren mithilfe von Gerüsten eine Art Zwischendecke mit OSB-Platten eingezogen, um zu verhindern, dass der Kirchenraum durch herabfallende Betonbrocken beschädigt wird, erläutert der Stadtpfarrer.

"Voraussichtlich" – ein im Rahmen von Sanierungen sehr häufig fallendes Wort, wie Witczak im Laufe der vergangenen Monate gelernt hat – bis Dezember 2020 sollten die Arbeiten am Langhaus abgeschlossen sein. Und dann, hofft Witczak von Herzen, könnte die katholische Gemeinde Weihnachten in ihrem angestammten Gotteshaus feiern.

Kapellenkranz ab 2021

Von Frühjahr 2021 bis zu den Sommerferien soll dann der zweite Abschnitt in Angriff genommen werden. Der sogenannte Kapellenkranz muss in einem gesonderten Bauabschnitt saniert werden, da auf seinem Dach derzeit das Gerüst für das Langhaus steht.

Statt ursprünglich 500 000 Euro wird die Baumaßnahme wohl etwa 2,35 Millionen Euro kosten. Das Bistum Eichstätt trägt davon 95 Prozent, der Rest kommt über diverse Zuschüsse herein. Die Pfarrei Gunzenhausen könnte diese Investition niemals alleine stemmen, macht Witczak eindrücklich klar und ist sehr dankbar über die neuen Baurichtlinien des Bistums, wonach Zuschüsse der finanziellen Situation der Pfarreien angepasst werden.

Bischof Gregor Maria Hanke sei es wichtig, dass die katholischen Christen im Pastoralraum Gunzenhausen – der umfasst die Pfarreien Gunzenhausen, Absberg, Obererlbach, Gnotzheim, Cronheim und Kuratie Heidenheim – und damit in der Altmühlstadt ihr Zentrum haben. Die Katholiken sollen hier "ihren Glauben leben können", berichtet der Stadtpfarrer, für den diese Unterstützung aus Eichstätt "eine tolle Sache" ist.

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