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Gunzenhausen: Kläranlage wird nach und nach erneuert

Den Stadträten ist klar, dass größere Maßnahmen erforderlich sind - 15.05.2019 18:24 Uhr

Manche Bereiche der Gunzenhäuser Kläranlage im Hollerfeld, wie etwa die Bio-Reinigungsstufe, sind in die Jahre gekommen, auch und vor allem aus energetischen Gesichtspunkten. Hier wird die Stadt nun einiges investieren. Darüber sind sich die Kommunalpolitiker einig. © privat


Die Gunzenhäuser Kläranlage ist in manchen Bereichen etwas "in die Jahre gekommen", weiß Diplom-Ingenieur Thilo Brunner vom Nürnberger Ingenieurbüro Miller. Der Abteilungsleiter hat sich die Einrichtung vorgeknöpft und dort "drei Bausteine" ausgemacht, wo dringend etwas passieren müsste.

Zunächst einmal, erläuterte er in der Sitzung des Stadtratsausschuss für Bauangelegenheiten und Stadtentwicklung, ist die Bio-Reinigungsstufe, das "Kernstück" der Kläranlage, energetisch alles andere als auf dem neusten Stand. Das betrifft das Rührwerk, aber vor allem auch das Gebläse der Belüftungsanlage, das "am Zahnfleisch" ist. Durch die Modernisierung kann die Stadt jährlich bis zu 180 000 Kilowattstunden Strom einsparen. Dafür werden die hier notwendigen Arbeiten im Gegenzug rund eine Million Euro verschlingen.

Allerdings führt laut Brunner an diesen Ausgaben kein Weg vorbei, denn die Bio-Reinigungsstufe ist "vollkommmen veraltet". Im Gegenzug stellte er aber einen möglichen Zuschuss von maximal 200 000 Euro in Aussicht.

Ebenfalls eine dringend notwendige Investition ist laut Brunner die Ertüchtigung der Phosphor-Elimination. Die vorhandene Anlage stammt aus dem Jahr 1991. Die Kosten liegen bei rund 407 000 Euro, auch hier gibt es aktuell wohl Zuschüsse.

Der dritte Baustein schließlich ist ein Thema, das derzeit laut Bürgermeister Karl-Heinz Fitz viele Kommunen "bewegt": Die Klärschlammentsorgung. Erst vor fünf Wochen hatte der Ausschuss die Entsorgung von rund 9000 Tonnen Nassschlamm in Auftrag gegeben. Das günstigste Angebot lag bei 265 000 Euro. Dafür presst die Firma Wolfgang Kastner nun den Schlamm auf dem Gelände der Kläranlage und karrt die verbleibende Masse (rund 1500 Tonnen) zur Verbrennung.

Fitz hatte damals bemerkt, dass die Preise "durch die Decke" gehen. Im Ausschuss war man sich in der Aprilsitzung einig, dass man über eine eigene Lösung nachdenken sollte, sprich den Klärschlamm selbst entwässern und trocken.

Wie das gehen könnte, das präsentierte jetzt Thilo Brunner. Die rund 12 300 Kubikmeter Klärschlamm, die jährlich in der Kläranlage anfallen, könnten auf eine Trockenmasse von rund 400 Kubikmeter reduziert werden. Wobei ein Kubikmeter grob gerechnet einer Tonne entsprecht.

140 Euro kostet derzeit die Entsorgung einer Tonne Klärschlamm. Es lohnt sich also, "über jede Tonne nachzudenken", so Brunner im Bauausschuss. Für die zunächst notwendige Entwässerung schlägt er eine Schneckenpresse vor, womit der Klärschlamm auf 1100 Kubikmeter reduziert würde. Schickt man ihn anschließend in eine solarbetriebene Trockenstraße, so blieben am Ende 400 Kubikmeter übrig, die die Stadt entsorgen müsste.

Möglich wäre, dass die Stadt auf die Trocknung verzichtet und nur den Klärschlamm entwässert. Doch je weiter der Wasseranteil reduziert werde, desto leichter werde die Entsorgung, machte Brunner klar. Der Weg dorthin bedeutet aber eine Investition von rund 2,8 Millionen Euro.

Geld, das am Ende die Bürger zahlen müssen, darauf wiesen Dr. Werner Winter (Freie Wähler) und Mandfred Pappler (CSU) in der anschließenden kurzen Aussprache hin. Was jedoch unterm Strich tatsächlich übrig bleibt, das steht laut Brunner aber noch gar nicht fest, denn im Gegenzug komme die Stadt "von den Betriebskosten deutlich runter". Solche Fragen gilt es zu klären, wenn es in die Detailplanung geht. An diesem Tag stellte Brunner erst einmal nur die Möglichkeiten vor, die die Stadt in Sachen Klärschlammentsorgung hat.

Diese hat sich in jüngster Zeit auch deshalb so verteuert, weil die "bodenbezogene Verwertung", sprich die Ausbringung auf dem Acker, 2017 sehr erschwert wurde. Langfristiges Ziel des Gesetzgebers ist es laut Brunner, dass der Klärschlamm künftig in eigenen Verbrennungsanlagen verwertet wird, die können in kommunaler oder staatlicher Hand sein. So könnte der Phosphor, der ein endlicher Rohstoff ist, zurückgewonnen werden. Für Gunzenhausen lohne sich eine solche Anlage aber nicht, da hier zu wenig Klärschlamm anfällt. Eine Zusammenarbeit mit anderen Kommunen, wie sie unter anderem Fitz ins Gespräch brachte, müsse genau überlegt werden, hier gebe es den ein oder anderen "Pferdefuß".

Dass alle drei Bausteine umgesetzt werden müssen, daran hatten die Ausschussmitglieder keinen Zweifel, sie sprachen sich einstimmig dafür aus, die "nachhaltige Maßnahme (Pappler) auf den Weg zu bringen. Das Ingenieurbüro Miller wird jetzt in die Detailplanung gehen.

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