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Gunzenhausen: SPD geht mit Bianca Bauer in die Wahl

Die 40-jährige Stadträtin tritt als Bürgermeisterkandidatin an. Erste verbale Spitzen gegen Karl-Heinz Fitz. - 14.10.2019 17:09 Uhr

Unterstützung für den Wahlkampf: SPD-Bürgermeisterkandidatin Bianca Bauer erhielt von Angela Schmidt, der Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, ein Paar Boxhandschuhe als Geschenk. © Wolfgang Dressler


Die Versammlung im Gasthaus "Zur Linde" in Unterwurmbach war recht kurzweilig, und das lag an der Bewerberin. Sie hielt eine Rede, die ernst gehalten war, die aber auch humorvolle Passagen hatte. Hin und wieder blitzte auch die Keckheit der 40-Jährigen auf. Die menschliche Komponente kam mit Verweis auf die Familie ebenfalls nicht zu kurz.

Bianca Bauer stammt aus Dresden, kam 1989 nach Schwabach, wo sie das Gymnasium machte. Sie ist veterinärmedizinisch-technische Assistentin und gelernte Hotelkauffrau. Seit 1994 lebt sie in Gunzenhausen und hat die kaufmännische Leitung des Hotels "Blauer Wolf" inne. Dort ist auch ihr Mann Stefan tätig (politisch bei den Freien Wählern daheim). Ihre Kinder Dennis und Juli sind 17 beziehungsweise 15 Jahre alt, sie waren in der "Linde" dabei.

Bianca Bauer hat 2017 den Vorsitz des SPD-Ortsvereins von Monika Wopperer übernommen. Vor anderthalb Jahren rückte sie in den Stadtrat nach, für den sie 2014 kandidierte. Sie gehört unter anderem dem wichtigen Bauausschuss an.

Gesunder Menschenverstand

Zu ihren Parteifreunden sagte sie, sie sei in Gunzenhausen "absolut heimisch" geworden. Nicht ohne Grund habe man ein Haus gebaut und fühle sich wohl in der attraktiven Stadt. Damit diese sich weiterhin gut entwickelt, will sie die erste Bürgermeisterin in der Stadtgeschichte werden. Die Hauptmotivation: Bei all den vielen Themen und Aufgaben "sollen die Bürger mitbestimmen können. Das ist mir wichtiger als das neueste Leuchtturmprojekt." Sie sehe sich für das Amt durch Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Fairness und Kommunikation prädestiniert. Bürgermeister, das sei keine One-Man-Show. Dazu gebe es nun mal keine Ausbildung, sondern gesunder Menschenverstand sei gefragt. Und man sei nicht automatisch ein guter Bürgermeister, wenn man vorher als Rechtsanwalt gearbeitet habe – im Gegenteil!

Es folgte noch eine weitere Spitze gegen Karl-Heinz Fitz. Ausdrücklich würdigte Bauer das Engagement von 2. Bürgermeister Dr. Hans-Peter Neumann und bat ihn zu sich. Der Vize könne aber nur gute Arbeit im Rathaus machen, wenn das Bürgermeisterbüro nicht abgeschlossen werde. Hier sei leider der Eindruck entstanden, dass dieses Büro das Eigentum von jemandem sei.

Aufgrund ihrer beruflichen und Stadtratstätigkeit sehe sie sich für das Bürgermeisteramt und das Führen einer Verwaltung qualifiziert. Das sei bei der ersten Bewerbung von Karl-Heinz Fitz als Bürgermeister anders gewesen.

Einen Blick warf Bauer auf die Finanzen. Die Pro-Kopf-Verschuldung habe sich in fünf Jahren verdreifacht auf mittlerweile 1300 Euro. Jetzt komme auf die Bürger die Belastung durch den Stauraumkanal zu.

Die SPD-Bewerberin bekannte sich zu dem Grundsatz, dass die Stadt bei der Bebauung der Innenentwicklung den Vorzug gibt. "Da muss was passieren." Um Erfolge zu erzielen, müsse man aber rausgehen und mit den Bürgern reden, mit "offener Kommunikation" erreiche man einfach mehr. Sie habe keine Visionen, stellte Bianca Bauer, doch sie erkenne, wo Handlungsbedarf besteht, und werde dort dann auch aktiv.

Transparenz als Ziel

Der Bürger habe Anspruch auf Transparenz. Dazu gehörten öffentliche Stadtratssitzungen bis auf die ganz wenigen Ausnahmen wegen Personal- und Grundstücksangelegenheiten. Die Stadt tue gut daran, das Ehrenamt wertzuschätzen, und das gehe nur, wenn die Bürger wüssten, was im Stadtrat passiert. Außerdem habe sie vor, ein Jugendparlament zu schaffen. Und es gelte, die Stadtverwaltung zu modernisieren, dort auch Aufstiegschancen zu schaffen, und das Thema Digitalisierung auf allen Ebenen voranzutreiben. Dass es noch immer Funklöcher im Stadtgebiet gebe, sei ein Unding.

Beim Umweltschutz müsse die Stadt alles tun, was ihr möglich sei. Den Bürgern könne man nicht die Benutzung des eigenen Autos verbieten, das sei klar, aber man könne den ÖPNV attraktiver gestalten, indem man ihn kostenfrei im Stadtgebiet anbiete. Damit würde die Nutzung des eigenen Pkw mehr in den Hintergrund rücken. Sie habe noch nie verstanden, warum die Touristen am Wochenende kostenlos Busse nutzen können (über die Gästekarte), die einheimische Bevölkerung aber nicht. Auf Bauers Programm stehen außerdem ein besseres Radwegenetz und mehr Baumpflanzungen, sodass grüne Wohlfühloasen entstünden. Nicht zuletzt solle man im Rathaus beim Thema energetische Bauweise aktiv werden. Es gebe bekanntlich viele Fördermöglichkeiten. Notwendig sei eine öffentliche Anlaufstelle, die Interessierte informiere und ganz konkret unterstütze.

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