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Donnerstag, 23.05.2019

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Gunzenhausen will noch radlerfreundlicher werden

Fachleute und Bürger trafen sich zu einem Workshop zur Weißenburger Straße - 23.04.2019 17:08 Uhr

Wo sind die neuralgischen Punkte an der Weißenburger Straße? Das eruierten interessierte Bürger zusammen mit Stadträten, dem Bürgermeister und Vertretern der Stadtverwaltung. © Marianne Natalis


Die Situation in dieser wichtigen Ein- und Ausfallstraße ist schwierig, das wurde beim gemeinsamen Abradeln deutlich. Unbefriedigend ist für viele Radfahrer die Lösung bei der Einfahrt zum ehemaligen Lidl-Parkplatz, wo sie den Autofahrern Vorfahrt gewähren müssen, schwierig die Lage bei Radsport Gruber, wo der Kundenverkehr den Radweg kreuzt. Der Platz, den sich Fußgänger und Radler derzeit teilen müssen, ist knapp, und richtig schwierig wird es stadteinwärts ab der Austraße.

Hier endet der Radweg abrupt, es gibt keine sichere Überleitung auf die Straße. Wer ab dem Saumarkt Richtung Marktplatz weiterfahren will, braucht schon eine Portion Durchsetzungsvermögen. Viele nehmen deshalb den verkehrswidrigen Weg, wechseln am Zebrastreifen die Seite und fahren auf dem dortigen Fußweg weiter. Und das wohl nicht selten, ohne auf die anderen Verkehrsteilnehmer zu achten. So zumindest beklagte es Barbara Weinlich, Betreiberin des kleinen Stadthotels "La Vigne".

Rund 30 interessierte Bürger, einige Stadträte und Mitglieder der Stadtverwaltung hatten sich am Treffpunkt Schießwasen eingefunden. Nach der kleinen Fahrradtour versammelten sie sich im Haus des Gastes, wo zunächst Malte Novak vom Stuttgarter Büro Brenner Plan aufzeigte, was realistisch gesehen möglich ist in dieser Straße, die an ihrer engsten Stelle lediglich 12,30 Meter breit ist und somit dem Ausbau von Radwegen enge Grenzen setzt. Rund 10 000 Fahrzeuge rollen hier täglich durch, ein Prozent davon Schwerlastverkehr. Diese Zahlen sind allerdings schon ein paar Jahre alt, sie wurden im Rahmen des Verkehrskonzepts, das Brenner Plan um 2015 für Gunzenhausen erstellt hat, erhoben.

Am Saumarkt wurde heftig mit Bürgermeister Karl-Heinz Fitz diskutiert. © Marianne Natalis


Schnell wurde deutlich: Für eine vernünftige und sichere Lösung müssen vermutlich Parkplätze und Bäume geopfert werden. Ebenso schnell war klar, dass eine alternative Route vielleicht von Urlaubern angenommen würde, die "Alltagsradler" (Hauptamtsleiter Klaus Stephan) aus Gunzenhausen wollen weiter auf der Weißenburger Straße fahren können.

Von Einbahnstraße bis durchgehend Tempo 30 reichten die Vorschläge aus dem Publikum. Auch eine Verengung der Fahrbahn bis auf nur noch fünf Meter wurde diskutiert. Allerdings machte Erika Gruber klar, dass man die Lkws nicht ganz verbannen könne, Lieferverkehr müsse möglich sein. Auch Linienbusse sind hier unterwegs, rief der stellvertretende Hauptamtsleiter Stefan Brändlein in Erinnerung, und auch die Feuerwehr fährt oft genug über die Weißenburger Straße zum Einsatzort. Spätestens jetzt war eigentlich allen im Saal klar, dass eine Mindestbreite aufrechterhalten werden muss.

Es gibt an dieser wichtigen Verkehrsachse einige knifflige Bereiche, der neuralgische Punkt schlechthin ist aber am Saumarkt. Hier wollen viele Radler Richtung Marktplatz abbiegen, müssen sich dazu zwischen die Autofahrer begeben und sich ihren Weg durch die vom Marktplatz kommenden, meist zweispurig stehenden Autos bahnen.

Abbiegespur für Biker

Im Gespräch ist nun eine deutlich markierte Abbiegespur für die Biker. Allerdings wurden hier Bedenken laut, ob unsichere Radfahrer diese Lösung wirklich annehmen werden. Weitere Vorschläge waren etwa, die Vorfahrtsregelung so zu ändern, dass die Autos von der Sonnenstraße mit einem Stopp-Schild ausgebremst werden. Auch eine Rechts-vor-Links-Regelung war im Gespräch.

Unter den Teilnehmern des Workshops zum Radverkehr in der Weißenburger Straße fanden sich auch die beiden Stadträte Helga Betz (Grüne) und Friedrich Kolb (CSU), hier im Gespräch mit dem Leiter der Polizeiinspektion Gunzenhausen, Harald Eckert. © Marianne Natalis


Seit rund 20 Jahren wird nach einem gangbaren Weg an dieser Stelle gesucht, merkte Ingrid Pappler an. Die Vorsitzende der Agenda-21-Gruppe wünschte sich eine "mutige Lösung für die Radfahrer". Denn Autoverkehr und Mobilität würden sich derzeit stark verändern, der Radverkehr weiter zunehmen. Auch Günter Wesel von der ISEK-Lenkungsgruppe wollte den Autoverkehr "nicht verteufeln", forderte aber, dem Rad mehr Vorrang zu geben. Auch er zeigte sich überzeugt, dass sich der Verkehr radikal verändern werde.

Für ein vernünftiges "Miteinander" plädierte dagegen unter anderem CSU-Stadtrat Friedrich Kolb, denn Individualverkehr werde es auf dem Land auch weiterhin geben.

"Wir müssen die Straße so umbauen, dass es angenommen wird und rechtskonform ist", gab schließlich Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, der das Treffen moderierte und die Diskussion immer wieder auf den Punkt zurückführte, die Linie vor. Die Firma Brenner Plan wird jetzt Vorschläge erarbeiten, die im Stadtrat zur Diskussion gestellt und auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen. Bis Ende 2020 sollte, so der Zeitplan des Bürgermeisters, eine Variante feststehen, die in den Folgejahren in Etappen umgesetzt werden könnte. 

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