Donnerstag, 15.04.2021

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Gunzenhäuser Unternehmer fordern Öffnungsstrategie

Wirtschaftsjunioren hatten zu einem Online-Austausch mit Alexander Herrmann eingeladen - 16.02.2021 12:53 Uhr

Beschreitet mit seinem Gourmet-Automaten neue Wege: Sternekoch Alexander Herrmann, der nun bei den Wirtschaftsjunioren Gunzenhausen zu Gast war.

15.02.2021 © Foto: Jürgen Friedrich


Die Wahl fiel auf Starkoch Alexander Herrmann, der schon beim Empfang 2020 einen "Pflock" in Gunzenhausen eingeschlagen habe, wie sich Bürgermeister Karl-Heinz Fitz erinnerte. Auch Alexander Herzog dachte gerne an den tollen Start ins letzte Jahr zurück, das dann "aber nicht so verlief, wie wir uns das erhofft hatten – und wie wir es gewohnt waren".

Und damit war der 39-Jährige auch gleich mitten drin im Thema: Welche Nöte treiben die Mitglieder der Wirtschaftsverbände wie Wirtschaftsjunioren, IHG und Stadtmarketingverein in dieser ungewöhnlichen Situation um? Erweisen sich die staatlichen Hilfen als sinnvoll oder greifen sie nicht? Welche negativen Erfahrungen, aber auch positiven Entwicklungen gab und gibt es? Darüber wollte er sich unter der Überschrift "Gemeinsam kochen wir den Lockdown weich" via Videokonferenz austauschen und gleichzeitig Mut machen, sich den veränderten Bedingungen zu stellen und optimistisch nach vorne zu schauen.

Viele kämpfen um ihre Existenz

Für diese Zuversicht ist nach den Worten von IHG-Vorsitzendem Simon Amesöder jedoch eine klare Öffnungsstrategie für die Betriebe wichtig. Hätten sich die Unternehmen nach dem ersten Lockdown ziemlich schnell wieder ganz gut erholt, "kämpfen jetzt viele um ihre Existenz", so seine Beobachtung. An die Adresse von Artur Auernhammer richtete er daher die konkrete Frage: "Wie können wir planen?"


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Doch so konkret die Frage auch war, eine konkrete Antwort hatte der CSU-Bundestagsabgeordnete nicht parat: Fixe Termine vorzugeben, halte ich derzeit für sehr gefährlich", erklärte er und verwies auf die große Sorge um eine mögliche dritte Welle. "Die Belastung des Gesundheitssystems und die Gesundheit aller steht im Vordergrund", machte Auernhammer klar. Würde man dem großen Stapel an Öffnungswünschen nachgeben, "dann könnte man den Lockdown ganz aufhören", gab er zu bedenken, auch wenn er sich persönlich die eine oder andere Lockerung durchaus vorstellen könnte.

Keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über die Politik machte Alexander Herrmann, nicht zuletzt als Vertreter der durch die Pandemie arg gebeutelten Gastronomie. "Nach dem ersten Lockdown ist quasi nichts passiert", kritisierte er nicht nur das "vorher schon kaputt gesparte Gesundheitssystem" und die Versäumnisse bei der Digitalisierung der Verwaltung, sondern auch die fehlende Perspektive für den Weg raus aus dem Lockdown.


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Die größte Chance für die Gastronomie sieht der Koch und Unternehmer in der dauerhaften Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent. Das sei etwas, mit "dem wir uns selber wieder rausziehen können." Dass die Gäste und die Touristen wiederkommen, steht für ihn außer Frage. "Wir werden wieder essen gehen und reisen, da braucht man sich keine Gedanken zu machen."

"Das hätte es ohne Corona nicht gegeben"

In der Krise neue Wege zu gehen, wie es auch eine Reihe von Gunzenhäuser Geschäftsleute etwa mit dem Service "Call & Collect" machen, hat auch er sich auf die Fahnen geschrieben. Zum einen bietet er an einem Gourmet-Automaten, der vor seinem Hotel in Wirsberg steht, Menüs to go an, zum anderen hat er zusammen mit einem Partner einen Lieferservice aufgebaut, die "StarchefBox". "Das hätte es ohne Corona nicht gegeben", betonte er, stellte aber auch auf die Frage eines Teilnehmers klar: "Das ist nicht so einfach, wie es sich anhört, und auch nicht jedermanns Sache. Das darf man nicht von allen erwarten."


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Zumal, das gab Herrmann unumwunden zu, "die Atmosphäre fehlt." Das gelte beim Essen genauso wie beim Einkaufen, weshalb es wichtig sein werde, "stationär und digital zusammenzubringen". Dafür gebe es viele Möglichkeiten, wie Gastgeber Alexander Herzog nicht müde wurde die Werbetrommel für das Onlineportal Altmühlfranken zu rühren. "Man muss was unternehmen als Unternehmer. Und wir helfen uns gerne gegenseitig", machte er seinen Kollegen Mut für eine Zukunft "mit möglichst vielen schönen Wirtschaftsmomenten", wie es Herrmann eingangs formuliert hatte.

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