Geplantes Rechenzentrum

Hetzner Online legt nach: Kaufangebot mehr als verdoppelt

Jürgen Eisenbrand
Jürgen Eisenbrand

E-Mail zur Autorenseite

13.8.2021, 06:04 Uhr
Wird hier ein Rechenzentrumspark entstehen? Das Unternehmen Hetzner Online möchte zwischen Aha und Scheupeleinsmühle investieren. Gegner des Projekts kämpfen um den Erhalt des fruchtbaren Ackerlands.

Wird hier ein Rechenzentrumspark entstehen? Das Unternehmen Hetzner Online möchte zwischen Aha und Scheupeleinsmühle investieren. Gegner des Projekts kämpfen um den Erhalt des fruchtbaren Ackerlands. © Foto: Limes-Luftbild.de/Grafik: Jutta Heining

In einem Brief an die 23 Grundstücksbesitzer bietet der Gunzenhäuser nun 16 Euro je Quadratmeter – ursprünglich war von 5 bis 7 Euro die Rede.

Die Absicht des IT-Unternehmers, zwischen Aha und dem Gewerbegebiet Scheupeleinsmühle mehrere Rechenzentren sowie auf 35 Hektar (entspricht 50 Fußballfeldern) eine Freiflächen-Photovoltaikanlage zu bauen, schlägt hohe Wellen. Während aus dem Rathaus massive Unterstützung für die Pläne kommt und auch im Stadtrat grundsätzlich Wohlwollen herrscht, regt sich in den angrenzenden Ortsteilen Widerstand.

In Unterwurmbach herrsche "Betroffenheit", sagte etwa der langjährige Ortssprecher Dr. Werner Winter (Freie Wähler). Es sei "eine schwierige Angelegenheit", das Projekt habe eine "gigantische Größenordnung"; dennoch bekennt er sich prinzipiell als Befürworter des Vorhabens, ein zukunftsträchtiges Hightech-Unternehmen hier anzusiedeln und so neue Jobs zu schaffen. Die Rede ist von 50 bis 100 Arbeitsplätzen, eine Zahl, die von Kritikern der Investition stark bezweifelt wird.

Von sachlicher Kritk bis hin zu "gierigen Geiern"

Während manche von ihnen sachlich beklagen, dass mit dem Hetzner-Neubau wertvollstes Ackerland verloren gehe und die Bodenversiegelung weiter voranschreite, schalten andere mächtig in den Attacke-Modus: von "gierigen Geiern" ist da polemisch die Rede, von einem "Husarenstück" und von "Hirnfraß", der Politik und Wirtschaft erfasst habe.

In seinem Schreiben vom 9. August an die Grundeigentümer räumt Martin Hetzner ein, "dass unser Projekt unter verschiedensten Gesichtspunkten positiv, aber auch ebenso kritisch betrachtet" werden könne. Beim ersten Treffen in der Stadthalle "haben wir anhand der kontroversen Diskussion und Redebeiträge diese Stimmung auch so wahrgenommen". Deshalb wolle er nun "die Gründe darlegen, weshalb wir trotzdem bemüht sind, hier unseren neuen Rechenzentrumspark zu bauen".

Hetzner habe vor rund 25 Jahren in Gunzenhausen begonnen, Webhosting-Produkte anzubieten und sei schnell gewachsen, weshalb schon bald die angemieteten Rechenzentrumsflächen nicht mehr ausreichten. "Schon zu dieser Zeit wurde überlegt, ob dieses Projekt hier in unserer Gegend realisiert werden könnte", schreibt der Unternehmer. "Die Entscheidung ist damals vor allem wegen der fehlenden Internetanbindung und der damals möglichen Förderung auf Falkenstein im Vogtland gefallen." Dort sei jedoch inzwischen "ein Ende der Ausbaumöglichkeiten absehbar, und wir sind auf der Suche nach einem neuen Standort für einen Rechenzentrumspark". Am liebsten "in unserer Heimat".

"Emissionsarm und im Betrieb kaum wahrnehmbar"

Das ins Auge gefasste Gebiet eigne sich aus Sicht des Unternehmens besonders gut, "da sich ein Umspannwerk sowie gewerbliche Flächen bereits in der Nachbarschaft befinden". Ein Rechenzentrumspark "würde sich schön integrieren lassen und zu einem ansehnlichen Gesamtensemble beitragen". Rechenzentren seien "emissionsarm und im Betrieb kaum wahrnehmbar. Somit würde es kaum Lärm- oder Staubbelästigung geben".


Im Internet zu Hause: Hetzner Online, ein Global Player aus Gunzenhausen


Daneben verspricht Hetzner "in kommenden Jahren neue Arbeitsplätze in den unterschiedlichsten Bereichen für Betriebselektriker oder Reinigungsfachkräfte bis hin zu hochqualifizierten IT-Fachkräften". Und er werde sich "ebenfalls freuen, wenn unsere Gewerbesteuerzahlungen direkt an die Stadt Gunzenhausen fließen und nicht an eine mögliche andere Gemeinde". So sei es weiter möglich, "städtische Einrichtungen wie Schwimmbäder, Bücherei und Kindergärten in Gunzenhausen" zu ermöglichen.

"Uns ist bewusst, dass Ihr Land für Sie ein besonders wertvolles Gut darstellt", gesteht der Firmenboss ein. Es gebe "viele Gründe, Land nicht herzugeben, was wir alle nachvollziehen können". Auf der anderen Seite sei "hier ein junges Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten, welches sich mit der Heimat verbunden fühlt und Arbeitsplätze in die Gegend bringt".

Pachtverträge können noch weiterlaufen

Hetzner Online sei bewusst, dass es schwierig sei, von allen 23 Eigentümern grünes Licht für den Landerwerb zu erhalten: "Wir wollen trotzdem diese Chance ergreifen und nichts unversucht lassen, das Projekt in Gunzenhausen zu realisieren", heißt es in dem Schreiben.

Falls das Land verpachtet sei, werde Hetzner die Pachtverträge übernehmen: "Da die einzelnen Rechenzentren nacheinander gebaut werden, können Pachtverträge auch noch einige Jahre weiterlaufen." Hier würde das Unternehmen nach Erwerb der Fläche Gespräche mit den Pächtern suchen. Und für alle, die ihr Land selbst bewirtschaften, rüstet Martin Hetzner sein Angebot ebenfalls nach: "Falls Sie selbst das Land bewirtschaften, könnten eventuell eine Tauschfläche in identischer Größe plus eine Zahlung von weiteren 8 Euro pro Quadratmeter angeboten werden."

Ihm sei es wichtig zu betonen, schließt Hetzner, "dass wir durch unser Projekt, welches unterschiedlich wahrgenommen werden kann, nicht die Gemeinschaft unter den Eigentümern und in den angrenzenden Ortsteilen gefährden wollen". Und er wolle allen Betroffenen anbieten, "in einem unverbindlichen und persönlichen Gespräch unser Projekt transparent und offen vorzustellen, um mögliche Fragen, Kritik, Ideen und Wünsche aufzunehmen".

5 Kommentare