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Holzställe in Altmühlfranken geöffnet

Der natürliche Baustoff stand im Mittelpunkt eines Aktionstags - 14.06.2016 07:29 Uhr

Am „Tag der offenen Holzstalltür“ konnte auch der in Holzbauweise errichtete Rinderstall von Rohrhuber-Kraft in Holzingen besichtigt werden.

13.06.2016 © Jürgen Leykamm


Zum Auftakt gab es einen Gottesdienst in der Halle der Alesheimer Zimmerei Ortner & Stöhr. Das imposante Gebäude in Holzbauweise machte dabei an sich schon die beste Werbung für dieses Material. Wie sein Einsatz zudem das Tierwohl fördern kann, erläuterte im Anschluss Jochen Simon, Architekt an der Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub.

Kühe sind laut Simon anfällig für „sommerlichen Hitzestress“. Dem sind Rinder im Schnitt 900 Stunden im Jahr ausgesetzt. Mit entsprechend negativen Folgen, die dem Halter 400 Euro pro Kuh und Jahr kosten können. Der Einsatz von Holz als Baustoff in modernen Außenklimaställen leiste hier in verschiedener Form Abhilfe. Zum Beispiel in Form einer Holzschalung, die stark unterbewertet werde.

Dabei lägen die Utensilien dafür zuhauf an den Höfen herum. „Aber das sind ja bloß Bretter, mit denen bestenfalls ein Hasenstall zusammen- genagelt wird“, wunderte sich der Architekt über diese Geringschätzung und machte die Vorteile eines Holzstalls an einem Rechenbeispiel fest: Der Holzvorrat von vier bis fünf Hektar Wald reicht nach seinen Worten für einen Stall mit 170 Kühen, die jährlich 1,2 Millionen Liter Milch liefern. Das benötige Holz dafür wächst in Bayern alle sechs Minuten in den Wäldern empor.

Darauf hatte bereits in seiner Begrüßung Peter Sammler, Forstbereichsleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weißenburg-Gunzenhausen, hingewiesen. Im Landkreis, der zu einem Drittel mit Wald bedeckt ist, selbst reicht der Vorrat für den nachhaltigen Bau von jährlich 20 neuen Holzställen für 100 Kühe. Das Naturmaterial gibt es also im Überfluss, leider aber sei der Baustoff lange Zeit „in Vergessenheit geraten“, bedauerte Alesheims Bürgermeister Manfred Schuster. Obwohl die ökologische Bewertung eindeutig für Holz spreche und dessen Verwertung auch Arbeitsplätze in der Region sichere.

Dafür sorgt auch der Mitveranstalter des Aktionstags, die Initiative „Bauen mit Holz“, die unter anderem von Landratsstellvertreter Robert Westphal herausgestrichen wurde. Mit diesem Netzwerk sei man auf dem richtigen Weg. Einer der Vertreter der Initiative ist Bauplaner Axel Stöhr aus Muhr am See. Er unterstrich die Zukunftsfähigkeit des natürlichen Baustoffs, mit dem man „eigentlich alles machen kann“ und der auch energetisch betrachtet eine Führungsrolle innehat.

Ein moderner Holzstall, wie dieser von Markus Schwab in Eichenberg, ist nicht nur für Landwirte eine günstige Alternative, sondern schützt auch die Rinder vor Hitzestress.

13.06.2016 © Wolfgang Dressler


Ein Plädoyer für die traditionelle wie moderne Holzbauweise hielt Zimmerermeister Helmut Stöhr. Der Rohstoff sollte allerdings in natürlichem Zustand verarbeitet werden, damit er später nicht als Sondermüll entsorgt werden müsse. Den Landwirten empfahl der Fachmann, das Potenzial des eigenen Waldes mehr zu nutzen.

Probleme schnell zu lösen

Vermeintliche Nachteile beim Bauen mit Holz entkräftete Stefan Kirsch, Projektleiter bei der Gesellschaft „BBV LandSiedlung“. Probleme mit Nässe und Niederschlag etwa ließen sich mit kostengünstigen Detaillösungen gut in den Griff bekommen. Oft reiche schon ein Betonsockel aus, um Schlimmeres zu verhindern. Als Höhepunkt der Veranstaltung in Alesheim wurde schließlich ein hier entstandener Spielstall an den örtlichen Kindergarten übergeben. Für diesen feierlichen Moment war eigens die bayerische Waldprinzessin Manja Rohm aus Hofstetten (bei Eckersmühlen) angereist. Sie rief die Bedeutung des Holzbaus für den Klimaschutz in Erinnerung. Der Spielstall sei ein perfektes Symbol dafür, dass die Waldwirtschaft einen gelebten Generationenvertrag darstelle – die eine säe, die andere ernte.

Pfarrerin Julia Kleemann (links) und Waldprinzessin Manja Rohm übergaben den Spielstall an den Alesheimer Kindergarten.

13.06.2016 © Jürgen Leykamm


Zumal das Häuschen eben nicht aus dem Katalog komme, sondern man könne den Kindern vermitteln, woher das dafür benötige Holz stammt — in diesem Fall aus dem Weißenburger Stadtwald — und welche heimischen Betriebe es verarbeitet haben, nahm Pfarrerin Julia Kleemann den Faden auf. Im Kindergartennähe steht der Stall nun auf einer Wiese und kann dort unter anderem für Krippenspiele genutzt werden.

In und vor der Halle der Zimmerei Ortner & Stöhr machten zahlreiche Info- und Aktionsstände auf die vielen Vorteile des Baustoffs Holz aufmerksam, der etwa auch guten Brand- und Schallschutz leistet und vollständig wiederverwertbar ist. Wie der Rohstoff in den Ställen der Agrarbetriebe im Landkreis eingesetzt wird, konnte an diesem Tag in Eichenberg, Laubenzedel und Stetten besichtigt werden. Und auch in Holzingen, wo der Ortsname bei der Rohrhuber-Kraft GbR Programm ist. 2012 errichtete sie eine neue Holzhalle für Jungrinder mit praktischem Strohpodest.

Die Forstbetriebsgemeinschaft Franken-Süd präsentierte ihre in Freihardt in Holzbauweise errichtete Halle für Hackschnitzel. Die passenden Heizungen dafür stellte die Firma „Heizomat“ in Maicha aus. Führungen am montangeschichtlichen Lehrpfad im Laubenthal, an der Gunthildiskapelle bei Suffersheim oder im Weißenburger Stadtwald rundeten den Aktionstag ab.

JÜRGEN LEYKAMM E-Mail

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