Jungsteinzeitliche Niederlassungen

Interessantes Terrain: In Dittenheim gibt es viel zu finden

28.7.2021, 17:12 Uhr
Das gut ausgerüstete und professionell arbeitende Team hat mitunter nicht nur gegen widrige Wetterverhältnisse, sondern auch mit zeitlichen Befristungen zu kämpfen.

Das gut ausgerüstete und professionell arbeitende Team hat mitunter nicht nur gegen widrige Wetterverhältnisse, sondern auch mit zeitlichen Befristungen zu kämpfen. © Foto: Uli Gruber

Gleich mehrere jungsteinzeitliche Niederlassungen im Gemeindegebiet geben unter anderem Auskunft über die Zeit zwischen 5500 bis 4500 Jahre vor Christus. Nachdem bereits 2018 am westlichen Ortsrand eine Siedlung der Linienbandkeramik von einem privaten Grabungsunternehmen in enger Kooperation mit den Denkmalschutzbehörden wissenschaftlich dokumentiert werden konnte, stehen aktuell im Süden des Dorfs unweit der Hauptstraße weitere Arbeiten auf der Agenda.

In solchen Gefäßen lagerten die Menschen der Linienbandkeramik-Zeit Kostbares in flüssiger und fester Form. Der Wölbung des tönernen Bruchstücks nach dürfte dies ein imposanter Behälter von mindestens einem Meter Durchmesser gewesen sein.

In solchen Gefäßen lagerten die Menschen der Linienbandkeramik-Zeit Kostbares in flüssiger und fester Form. Der Wölbung des tönernen Bruchstücks nach dürfte dies ein imposanter Behälter von mindestens einem Meter Durchmesser gewesen sein. © Foto: Uli Gruber

Dr. Leif Steguweit, Grabungsleiter und Geschäftsführer der Archäologie-Service Franken GmbH mit Firmensitz in Hiltpoltstein, bezeichnet Dittenheim als wohl älteste Siedlung der Linienbandkeramik im Altmühltal. Erstmals in Mitteleuropa hatten bäuerliche Strukturen Einzug gehalten. Die aus dem Orient, Südosteuropa und dem Mittelmeerraum stammenden Siedler brachten bis dahin weitgehend unbekannte Lebensformen mit sich.

Für die Geschichte der Menschheitsentwicklung in Mitteleuropa bedeutete dieser Wandel eine kleine Revolution. Doch wie hat sich der Alltag in grauer Vorzeit abgespielt? Welchen Ritualen, Handlungen und Tätigkeiten sind die Menschen damals nachgegangen?

Stattliche Häuser von 45 Metern Länge

Archäologen haben anhand ihrer Forschungsergebnisse eine ziemlich klare und plastische Vorstellung davon. Der allmähliche Übergang zur Sesshaftigkeit zog gravierende Veränderungen nach sich. Gewohnt wurde in stattlichen Langhäusern mit bis zu 45 Metern Länge und acht Metern Breite, kleinere Gebäude erstreckten sich über eine Ausdehnung von 20 Metern Länge und fünf Metern Breite. Durch vorhandene Gruben und Pfostenfragmente können diese Häuser auch nach rund 6000 Jahren authentisch rekonstruiert werden.


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Für den Getreideanbau waren meist Frauen zuständig, während sich die Männer um die Viehzucht kümmerten. In alt- und mittelneolithischen Siedlungen lebten die Menschen in der Tradition von Jägern und Sammlern, Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern bildete die Basis eines existenzsichernden Miteinanders.

Die weiblichen Bewohner buken nun Fladenbrote, kochten Brei, Mehlsuppe und Grütze. Aus Samen von Lein und Mohn wurde Öl gepresst, aus den Leinstängeln Flachfasern hergestellt und zu Fäden gesponnen. An primitiven Webstühlen entstanden Stoffe. Bei Ausgrabungen gefundene Knochenfragmente weisen auf Rind, Schwein, Schaf, Ziege und Hund als erste gezüchtete Haustiere hin.

Verbesserungen bei Werkzeugen

Darüber hinaus dienten Pilze, essbare Wurzeln, Wildfrüchte und -gemüse als willkommene Nahrungsergänzung. Neben dem Ackerbau und der Haustierhaltung versorgten sich die Menschen weiterhin durch Jagd und Fischfang mit eiweißreichem Essen. Für den Winter legten sie Vorräte an, dabei waren Lufttrocknung und Räucherei effiziente Konservierungsmethoden.

Richtungsweisende Verbesserungen gab es bei der Herstellung von Werkzeugen. Steinbeile, -klingen und -bohrer gewährleisteten fundamentale Fortschritte in den verschiedenen Arbeitstechniken. Aus Feuerstein wurden beispielsweise Sicheln für die Ernte hergestellt. Zur Aufbewahrung von Nahrungsmitteln und Flüssigkeiten formten die frühen Handwerker Töpfe, Krüge und Schalen aus Tonerde. Im Feuer gebrannt, entstand so feuerfestes Keramikgeschirr. Kunstvolle "linienförmige" Verzierungen verliehen der "Linienbandkeramik-Zeit" ihren Namen.

Gefertigt wurden indes auch sogenannte "Idole", zum Haus gehörende, spirituelle Tonfiguren. Sie wurden beim Verlassen der Wohnstätte offenbar aus symbolischen Gründen zerbrochen. Viele exemplarische Funde belegen auch bei den vom Archäologie-Service Franken professionell durchgeführten Grabungen in und um Dittenheim die enorme Vielfalt jener Ära.

Interessenskonflikte mit Eigentümern

Frank Metz (links), Geschäftsführer des Dittenheimer Agrar-Centers Metz, und Grabungsleiter Dr. Leif Steguweit betrachten einige Fundstücke.

Frank Metz (links), Geschäftsführer des Dittenheimer Agrar-Centers Metz, und Grabungsleiter Dr. Leif Steguweit betrachten einige Fundstücke. © Foto: Uli Gruber

Bei allem Verständnis für die Belange der Archäologie entstehen doch immer wieder Interessenskonflikte, vor allem, wenn sich Grundstückseigentümer und Bauherren von den Denkmalschutzbehörden im Stich gelassen fühlen. Frank Metz, Geschäftsführer des ortsansässigen Agrar-Centers Metz, weiß davon ein Lied zu singen. Grundsätzlich steht er dem Projekt und der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Bodendenkmälern in seiner Heimatgemeinde wohlwollend gegenüber.

Als Geschäftsmann und Eigentümer des betreffenden Geländes muss der Unternehmer die wirtschaftliche Komponente jedoch ebenso im Auge behalten. Das Areal soll insbesondere während der stark frequentierten Erntezeit den ankommenden Lastkraftwagen und Traktorgespannen künftig als "Warteschleife" zur Verfügung stehen, um die bisweilen angespannte Verkehrssituation an der Hauptstraße zu entlasten. Mittelfristig sind darüber hinaus logistische Erweiterungen geplant.

Ein Geben und Nehmen zwischen Bürger und Behörde

Grundsätzlicher Auftrag des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD) ist es, Bodendenkmäler zu erhalten. Weil dies dem Bauherrn nicht zuzumuten ist, verlangt die Behörde nach eingehender wissenschaftlicher Untersuchung meist eine archäologische Ausgrabung, um möglichst viele Informationen zu retten. Bei den Arbeiten sollten in der Regel die Interessen des Eigentümers überwiegen, im Gegenzug muss dieser aber für die Kosten der "dokumentarischen Zerstörung" aufkommen. Es geht also um Zeit, zusätzliches Geld und denkmalrechtliche Auflagen für den Bauherrn.

Bisher hat Frank Metz diese "erheblichen Kosten" für den Betrieb "zähneknirschend" hingenommen, erläutert er im Gespräch. Er bedauert und kritisiert aber den Umstand, dass nach Maßnahmenbeginn von staatlicher Seite keinerlei Fördermöglichkeiten zu erwarten sind. Sollten die bereits angerückten und unter Expertenaufsicht mit Vorsicht arbeitenden Bagger erneut gestoppt werden (anhand von Bodenverfärbungen sind weitere potenzielle Grabungsziele gut erkennbar), seien die finanziellen Aufwendungen für ihn nicht mehr tragbar. "Ich denke, meinen Beitrag erfüllt zu haben", hofft der Geschäftsführer in diesem Fall auf ein Entgegenkommen der zuständigen Gremien und Behörden.

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