Freitag, 05.03.2021

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Kraniche ziehen derzeit über Bayern

Bei ihrer Reise in den Süden können die Vögel gut beobachtet werden - 05.11.2020 17:10 Uhr

Sie sind derzeit wieder am Himmel über Bayern zu beobachten: Kraniche auf ihrem Weg ins Winterquartier.

05.11.2020 © Foto: Rosl Rössner/LBV-Archiv


Der Landesbund für Vogelschutz erwartet deshalb in den kommenden Tagen weitere ziehende Kraniche am Himmel überm Freistaat. Wer in den Genuss dieses Herbstschauspiels kommen will, dem empfehlen die Naturschützer: Kopf hoch und Ohren spitzen! Die Großvögel sind leicht an ihrer V-förmigen Formation und den trompetenartigen Rufen zu erkennen.

Bis zu 200 Vögel pro Trupp

Hundertausende Kraniche machen sich, wie jedes Jahr im Herbst, auf den Weg in ihre Winterquartiere in Südwesteuropa und Nordafrika. Aktuell sind Kranichtrupps schon über Unterfranken, aber auch der Oberpfalz und Mittelfranken in Trupps von 30 bis 200 Vögeln gesichtet worden. "Vor allem entlang der Flüsse Donau, Isar oder auch Lech stehen die Chancen für Kranichbeobachtungen in den nächsten Tagen und Wochen gut", erklärt die LBV-Artenschützerin.

Diese Zugroute zwischen nördlichem Alpenrand und der Donau nutzen seit inzwischen zehn Jahren osteuropäische Kraniche, die vom größten europäischen Rastplatz im Nationalpark Hortobágy in Ungarn kommen.

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Mit der "Stunde der Gartenvögel" rief der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) zu einer Zählaktion auf, mit der der Bestand der Vögel in den heimischen Gärten erfasst wurde. Nun sind die Ergebnisse da.


Die derzeit über Bayern zu beobachtenden Kraniche kommen über den baltisch-ungarischen Zugweg von Ungarn über Österreich. Sie queren Südbayern in west-südwestlicher Richtung und fliegen weiter entlang der Alpen, um schließlich in der Camargue im Süden Frankreichs zu rasten.

Keine genetisch fixierten Zugrouten

Warum sich diese neue Zugroute so etabliert hat, ist nicht eindeutig zu erklären und hängt mit vielen Faktoren zusammen. Ein entscheidender: "Kraniche sind sehr flexibel, und es werden keine genetisch fixierten Zugrouten vererbt", erklärt Hansbauer. Von Experten wird außerdem angenommen, dass eine allgemeine Ausdehnung des Brutareals sowie der Klimawandel maßgeblich Einfluss nehmen.

"Es ist inzwischen bekannt, dass erfahrene Altvögel Informationen über Zugrouten weitergeben und somit andere Kraniche dazu veranlassen können, mit ihnen auf neuen Wegen zu ziehen", so die Expertin weiter.

Landmarken als Orientierungshilfen

Kraniche orientieren sich bei ihrem Zug an Landmarken wie Flüssen und Berggipfeln. Sie ziehen bevorzugt bei Hochdruckwetter, dann tragen die östlichen Winde sie mit, und die Vögel sparen Kraft. In der typischen V-Formation fliegen die kräftigen und erfahrenen Tiere an der Spitze, gefolgt von Familien mit durchschnittlich zwei Jungtieren.

Bei günstigen Flugbedingungen können die bis zu 1,30 Meter großen Tiere ohne Stopp mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 70 Kilometern pro Stunde bis nach Südeuropa fliegen.

Dass es wieder Kraniche über Bayern zu sehen gibt, ist jahrzehntelangen Schutzbemühungen zu verdanken, durch die sich die Bestände in ganz Europa erholt haben. So ist der in vielen Ländern als "Glücksvogel" verehrte Vogel heute auch im Freistaat wieder mit mindestens 20 Brutpaaren vertreten, die meisten davon in der Oberpfalz.

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