Land unter in Ostheim

7.6.2021, 12:35 Uhr
Statt Kaffee und Kuchen gab es in Ostheim Wasser satt: Am Sonntagnachmittag ergoss sich in Folge des Dauerregens ein stattlicher Strom auf der B466 ins Dorf, flutete Keller, Höfe und Gärten. Mit Sandsackbarrieren und improvisierten Spundwänden konnte noch schlimmeres verhindert werden. 

Statt Kaffee und Kuchen gab es in Ostheim Wasser satt: Am Sonntagnachmittag ergoss sich in Folge des Dauerregens ein stattlicher Strom auf der B466 ins Dorf, flutete Keller, Höfe und Gärten. Mit Sandsackbarrieren und improvisierten Spundwänden konnte noch schlimmeres verhindert werden.  © vifogra, NN

Bereits kurz vor 15 Uhr ergoss sich ein stattlicher Strom auf der B 466 in Richtung Süden, und sofort erkannten die Ostheimer Rothelme unter Führung von Kommandant Bernd Niederlöhner und seinem Vertreter Jürgen Schneider, dass es mit den verkehrssichernden Maßnahmen allein nicht getan sein würde. Sie forderten Verstärkung aus den umliegenden Orten an.

Bürger baten um Hilfe

Inzwischen meldeten sich die ersten Bürger und baten um Hilfe, weil die Wassermassen tiefliegende Lagerräume und Keller füllten, zum Teil schon manche elektrische Hausanschlusskasten zu umspülen drohten und vereinzelt bis in Erdgeschosswohnungen vordrangen. Mit vereinten Kräften schafften es die Feuerwehrler, das Schlimmste zu verhindern.

Sandsackbarrieren und improvisierte Spundwände wurden errichtet, Keller mit den leistungsstarken Pumpen wieder freigelegt, Lagergut in Sicherheit gebracht und Zäune, die das Abfließen der Wassermassen verhinderten, abgebaut. Dabei mussten sämtliche Einfahrtstraßen in den Ort einschließlich Bundesstraße für mehrere Stunden gesperrt werden, denn sowohl die unerwartete Flut als auch die zahlreichen Einsatzfahrzeuge hätten ein Durchkommen mit einem Fahrzeug unmöglich gemacht.

Entspannung erst nach Stunden

Langsame Entspannung zeichnete sich erst nach dem Rückgang des mehrstündigen Dauerregens ab, sodass die rund 150 eingesetzten Kräfte der Feuerwehren in der Folgezeit dann noch die ausstehenden überfluteten Objekte "abarbeiten" konnten. Neben der Ostheimer FFW waren Feuerwehrkräfte aus Geilsheim, Westheim, Hohentrüdingen, Heidenheim, Hechlingen, Gnotzheim, Spielberg, Meinheim, Gunzenhausen und Hüssingen beim Hochwasseralarm eingesetzt. Als Führungszentrum diente das Ostheimer Feuerwehrhaus, in dem KBI Anton Brattinger (Gnotzheim) mit seinen Helferinnen und Helfern hervorragende Arbeit bei der Einsatzkoordination leistete. Immerhin standen am Schluss mehr als 30 Objekte auf der Einsatzliste, dazu die Verkehrsabsicherung und schließlich auch noch verschiedene Aufräumungsarbeiten.


In Bindlach war ein Möbelhaus von den Fluten eingeschlossen


Leider wurde beim Einsatz ein junger FFW-Helfer verletzt und musste vom BRK vorsorglich ins Krankenhaus Gunzenhausen transportiert werden, von wo aber nach eingehender Untersuchung "relative Entwarnung" signalisiert werden konnte.

Für den Westheimer Bürgermeister Herbert Weigel (Hüssingen), der sich die unerfreuliche nasse Bescherung im nördlichen Gemeindeteil sofort ansah, und seine Gemeinderäte gilt das jüngste Ereignis als Ansporn, die geplanten umfassenden Hochwasserschutzmaßnahmen um Ostheim weiter voranzutreiben – trotz zahlreicher anderer Großbaustellen in der Gemeinde, die bisher noch Vorrang haben. Die Gemeinde habe für Ostheim schon eine Projektstudie für einen möglichen Hochwasserschutz veranlasst, nachdem 2005 eine heftige Überschwemmung für Schäden in Ostheim gesorgt hatte. "Die Anwohner warten darauf", sagte Weigel mit Blick auf den Hochwasserschutz. Das Problem sei jedoch die Umsetzung, dafür benötige die Gemeinde Grundstücke, die aber in privatem Besitz und nicht einfach zu bekommen seien.

Tallage begünstigt Hochwasser

Wegen der "Tallage" des kleinen Hahnenkammortes – auf drei Seiten von hügeligem Gelände umgeben – können die Wassermassen bei entsprechend lang anhaltendem Starkregen nicht ausschließlich vom vorhandenen Graben- und Kanalsystem gefasst und abgeleitet werden. Die Folge sind immer wieder Überschwemmungen im Ort, durch den sich die Fluten dann ihren Weg suchen und erhebliche Schäden anrichten.

Lokal war die Menge der Niederschläge in der Region extrem unterschiedlich, manchmal regnete es heftig, anderswo tröpfelte es nur leicht. In Weißenburg sprudelte wie etwa in der Eichstätter Straße zeitweise das Wasser aus den Kanaldeckeln, an der Hohenmühle wurde nach einem heftigen Regenguss am Abend ein Pferdestall überflutet, sodass die Weißenburger Feuerwehr helfen musste. Die Männer pumpten das Wasser ab und dichteten die Außenmauer notdürftig mit Sandsäcken ab. In Pappenheim brach in der Stadtparkstraße ein mächtiger Ast durch Wind und Regen ab und blockierte die Fahrbahn. Auch hier war die örtliche Feuerwehr im Einsatz und räumte das Hindernis beiseite.

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