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Manager werben erneut für den Center Parc

Verantwortliche entwerfen beim zweiten Infogespräch in Pfofeld optimistisches Bild - 17.09.2020 17:20 Uhr

Projektbeauftragter Jan Janssen zeigte den Straßenbestand in der Muna Langlau auf. Beim Park des Freizeitparks will man sich möglichst daran halten. In Leutkirch habe das gut funktioniert.

17.09.2020 © Foto: Wolfgang Dressler


Beim zweiten Informationsabend der Gemeinde Pfofeld über den geplanten Center Parc auf dem Muna-Gelände bei Langlau kamen jedenfalls eine Reihe neuer Details zur Sprache – neben dem vielen Altbekannten, dass die Manager des französisch-niederländischen Konzerns bereits in den letzten Wochen bei mehreren Terminen in der Region gesagt haben.

Die Location

Damit ist der Versammlungsort gemeint. Eigentlich sollte das Treffen am Dienstagabend erneut im Freien in der "Schwärz" stattfinden, doch das Interesse an der Teilnahme hielt sich in Grenzen. So verlegte man den Ort kurzfristig ins Gemeindezentrum. Ein Teil der Zuhörer saß auf der Terrasse, der andere im Saal (jeweils mit Abstand). Anders als in der Schwärz ging es diesmal "kompakter" zu, die Redner waren näher an den Zuhörern und die Bilder und Grafiken an der Wand gut zu erkennen.

Die Stimmung

Auch diesmal ging es um Informationen, und die gab es reichlich. Die CP-Manager Frank Daemen, Jan Janssen und Robin Wildhagen hatten viel zu erzählen. Unter Moderation von Bürgermeister Reinhold Huber (der erneut seine derzeit neutrale Haltung unterstrich) blieb es sachlich und ruhig im Saal. Im weiteren Verlauf wurden durchaus kritische Fragen gestellt, doch ohne Untertöne und Unterstellungen. Nur einmal wurde ein Bürger grantig, weil er meinte, ihm werde das Wort abgeschnitten, und zwar mit Zustimmung eines anderen Teilnehmers der Versammlung.

Die Ausgangslage

Die ist, nach den vielen massiv ablehnenden Äußerungen zum Center Parc, durchaus "angespannt", wie es der Bürgermeister formulierte. Ihm gehe es darum, dass man miteinander und nicht übereinander rede. Doch zuletzt seien viele reine Vermutungen geäußert worden, es seien Schilder zerstört und Bürger persönlich angegangen worden, bedauerte Huber. Es stehe fest: Center Parcs habe die Verpflichtung, das Areal zu säubern. Center Parcs werde keine baubedingten Kosten auf die Gemeinde abwälzen. Erst ganz zum Schluss, wenn alles geklärt sei, werde der Gemeinderat einen Beschluss fassen.

Was Center Parcs weiß und was nicht

Das Unternehmen hat zuletzt in Leutkirch viele wertvolle Erfahrungen gesammelt bei der Umwandlung einer ehemaligen Muna in einen Ferienpark. Man traut sich zu, das auch in Langlau zu stemmen. Dabei ist derzeit nicht wirklich sicher, was alles auf dem hiesigen 150 Hektar an militärischen Altlasten vorhanden ist. Eine darauf spezialisierte Firma aus Nürnberg führt die Untersuchungen zum Bestand durch, in einigen Wochen wird das Ergebnis feststehen. Böse Überraschungen will der CP-Projektbeauftragte Jan Janssen nicht ausschließen. Konkret: Die Kosten könnten erheblich steigen, das würde dann zum unternehmerischen Risiko gehören, das man tragen müsse.

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Insgesamt machten die Manager den Eindruck, dass ihr Unternehmen wirklich viel Geld in die Hand nehmen will, um Langlau zum Erfolg zu führen. Wobei die Zahl der Ferienhäuser derzeit ebenso wenig feststeht wie die genaue Aufteilung der Häuser in die verschiedenen Kategorien. Auch die Zahl der Feuerstätten/Kamine ist offen.

Die Seite zum Brombachsee

Hier ist Center Parcs willens, einen 4,2 Hektar großen Streifen an den Freistaat Bayern abzutreten. Hier könnte dann auf öffentlichem Grund mit der Aufteilung in einen Rad- und einen Gehweg begonnen werden. Vielleicht errichtet CP wieder einen Zaun errichtet, aber Jan Janssen wie auch Frank Daemen, Geschäftsführer von Center Parcs Deutschland, fühlen sich bei diesem Gedanken nicht recht wohl. Sie spielen mit dem Gedanken, zur Abgrenzung ein langgestrecktes künstliches Gewässer anzulegen.

Eigene Anlegestelle

Die Idee, eine eigene Anlegestelle für die "MS Brombachsee" zu schaffen, ist vom Tisch. Hier besteht ein Naturschutzgebiet, und da ist nichts zu machen. Wer als Parkgast mit dem Trimaran fahren will, muss sich zu einer der bestehenden Anlegestellen begeben. Die Parkgäste werden natürlich die Infrastruktur am See mitnutzen können, als Beispiel wurde die Segelschule am Langlauer Ufer genannt. Dorthin kommen sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Das Muna-Areal selbst

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Auf 70 Prozent der Fläche werden militärische Altlasten vermutet. Es gibt eine Reihe von Gebäuden, Gebäuderesten (Betonplatten) und Straßen. Im Einzelnen: 257 Bestandsgebäude, elf Sprengkessel, weitere Fundamente und Betonreste, die nicht in Karten verzeichnet sind. Die Häuser werden abgetragen, der Beton soll zermahlen und gleich wiederverwendet werden. Das Vorbild Leutkirch lässt grüßen.

"Mindestens 10 bis 30 Prozent" des Geländes sind bereits heute bebaut. Die bestehenden Straßen haben eine Länge von etwa 22 Kilometern. Der Grad der Versiegelung wird nach dem Bau des Center Parcs eher geringer sein als jetzt, so die Aussage. Für den Park in Leutkirch nannten die Manager einen Versiegelungsgrad von 20 Prozent. Beim Bau des Langlauer Parks sollen die bestehenden Straßen soweit wie möglich genutzt und kaum neue gebaut werden.

Der ökologische Aspekt

Es soll ein umfangreiches Aufforstungsprogramm mit für die Region typischen Pflanzenarten geben. Das habe man in Leutkirch so praktiziert (140 000 neue Bäume und Sträucher). Etwa 35 Prozent des Muna-Geländes sollen wieder aufgeforstet werden. Aufforstungen und andere Maßnahmen werde es auch außerhalb des Parks geben, auf den erforderlichen Ausgleichsflächen. Auf einer dieser Kompensationsflächen bei Leutkirch sei etwa ein Bach renaturiert worden.

In den Ferienhäusern werden alle Hilfsmittel eingebaut, um Wasser zu sparen. Die Badelandschaft, das Zentrum des Parks, werde natürlich nach dem allerneuesten Stand der Technik gebaut, hieß es. Das tue man ja auch deshalb, um effektiv zu wirtschaften.

Die Menge des Abwassers bei schätzungsweise bis zu 4000 Gästen am Tag wird "gewaltig" sein, wie ein Bürger feststellte. Hier steht im Raum, die vorhandene Kläranlage des Zweckverbands Brombachsee zu erweitern oder eigens eine Kläranlage für den Park zu bauen. Letzteres würde Center Parcs selbst in die Hand nehmen und die neue Kläranlage auch selbst betreiben.

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Ein Einwand aus dem Publikum lautete, dass mit der hohen Zahl der Gäste und dem Ganzjahresbetrieb eine Belastung der Gegend durch Abfall und Hundekot entstehen könnte. Mit dem Umweltbewusstsein von Urlaubern sei es wohl nicht so weit her. Die Entgegnung der Manager: Man wolle Urlauberfamilien aus einem Umkreis von drei Autostunden für Langlau gewinnen. Diese Menschen wollten in ein "Naherholungsgebiet" in ihrem Land fahren und eben nicht per Flugzeug nach Mallorca. Alle Erfahrung zeige, dass die CP-Besucher sich durchaus umweltbewusst verhielten.

Die Beteiligung örtlicher Firmen

Immer wieder wurde in den letzten Wochen geäußert, dass Center Parcs kaum Aufträge an die heimische Wirtschaft verteilen werde. Hier konterten die Manager nun mit einer langen Liste von regionalen Firmen, die im Fall Leutkirch zum Zuge gekommen seien. Das reiche von der Planung über die Rodung und den Abbruch bis zur Materiallieferung und dem Bau der Ferienhäuser.

Das Gebiet der ehemaligen Euterpe

Dafür gibt es einen gültigen Bebauungsplan, den die Gemeinde aufgestellt hat. Doch Center Parcs hat damit nichts im Sinn. Wörtlich: "Wir haben es nicht gekauft, haben nichts damit zu tun, hätten keine Verwendung dafür."

Was tun im Notfall?

Den Haupteingang wird das "Thannhäuser Tor" darstellen, sowohl für die Gäste als auch die Lieferanten. Es wird auch den Rettungsweg bilden. Nach dem jetzigen Stand der Überlegungen braucht Center Parcs keinen zweiten Rettungsweg. Apropos Thannhausen: Der Konzern nennt die Absicht, beim Verkehr die Bürger in Thannhausen "maximal zu entlasten". Die Erschließung solle, wenn möglich, über eine andere Straße als die bestehenden erfolgen. Es gilt: Vieles ist angedacht, aber noch nichts entschieden.

Die weiterhin bestehenden Einwände und Bedenken

Ein Bürger meinte, es solle auch künftig einen Zaun als Abgrenzung geben. Dann wäre alles klar geregelt: Der Betreiber wäre für seinen Bereich zuständig , und er könnte ja eine Eintrittgebühr verlangen. Eine Teilnehmerin zeigte sich in Richtung Landrat Manuel Westphal unzufrieden, dass die Staatsregierung die Verminderung des Flächenfraßes propagiere (in einem kurzem Filmbeitrag), während hier in Langlau so eine "Kunstwelt" entstehe. Westphal betonte, neben den bisherigen versiegelten Flächen werde keine neue Fläche versiegelt. Und von dem Film wisse er nichts, er habe keine Zeit, um hier ständig auf dem Laufenden sein zu können.

Ein Anwohner kritisierte, dass der Zweckverband Brombachsee (ZVB) sich anscheinend über viele Jahre hinweg nicht um das Muna-Areal gekümmert habe. Besitzer ist der Bund. Dieser habe in anderen Fällen ehemaliges militärisches Gebiet verschenkt. Davon war dem Landrat (auch ZVB-Vorsitzender) nichts bekannt. Solche Schenkungen könne er sich nicht vorstellen.

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