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Mittwoch, 17.07.2019

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Ménage à huit: Mord auf der Freilichtbühne

"Acht Frauen" feiert Premiere bei den Kreuzgangspielen in Feuchtwangen - 15.06.2019 17:17 Uhr

Catherine (Linda Prinz, links), Susanne (Rebekka Michalek), Gaby (Annette Wunsch) und Chanel (Barbara Macheiner) streiten sich, wer den Schlüssel verwahren soll. © Forster


Zwei Hausmädchen, Madame Chanel (Barbara Macheiner) und Louise (Lisa Ahorn) polieren Gläser, kehren auf und beziehen die Stühle mit Hussen. Als alles fein hergerichtet ist, flitzt Intendant Johannes Kaetzler auf die Bühne der Feuchtwanger Kreuzgangspiele. Zu seinem sportlichen Auftritt passen die weißen Sneakers gut, die er zu seinem Anzug kombiniert. Er macht es kurz. Mit einem "D’accord" lässt er das Familienfest im "eleganten Frankreich" beginnen.

Gaby (Annette Wunsch), die Herrin des Hauses, und ihr Mann feiern 25. Hochzeitstag. Zu diesem Fest reist die ältere Tochter Susanne (Rebekka Michalek) extra aus London an, wo sie seit einem Jahr ein Internat besucht. Die Freude ist bei allen groß, als sie auf dem elterlichen Gut eintrifft. Nach und nach trudelt die ganze Familie ein, bis sieben Frauen auf der Bühne stehen. Jede Einzelne fragt, wo denn der Hausherr sei? Er ist kein einziges Mal auf der Bühne zu sehen, und doch dreht sich der ganzen Abend um ihn.

Die Frauenrunde beschließt den Hausherren Marcel aufzuwecken. Schließlich ist es schon nach zwölf Uhr. Louise stapft mit einem Frühstück ins unsichtbare Obergeschoss des Hauses. Ein markerschütternder Schrei gellt durch das Freilichttheater. Marcel liegt ermordet in seinem Bett. Ein Dolch steckt in seinem Rücken, erzählt das Dienstmädchen.

Gelungene Premiere von "Acht Frauen"

Vor lauter Schreck stößt sich Mamy (Doris Otto), die Mutter von Gaby, aus ihrem Rollstuhl und will nach draußen eilen. Erst der überraschte Blick ihrer Tochter lässt sie (und das Publikum) stutzen. Catherine (Linda Prinz), die jüngere Tochter von Gaby, sieht nach und kommt mit einem Schlüssel zurück. Niemand dürfe mehr das Zimmer betreten, um die Spuren nicht zu verwischen – oder gar zu beseitigen, bestimmt der 15-jährige Wildfang. Denn schnell verdächtigen sich die Frauen gegenseitig.

Und so nimmt die Kriminalkomödie von Robert Thomas Fahrt auf. Die deutsche Fassung stammt von Franz Martin. Für die Kreuzgangspiele führt Matthias Steurer Regie und hat den Text angepasst. Die Premiere von "Acht Frauen" läuft bis auf zwei, drei kleine Momente reibungslos. Neben schauspielerischem Können stellen die Akteurinnen ihre Stimmen in mehreren Liedern unter Beweis.

Die Darstellerinnen verkörpern alle unterschiedlichste Charaktere, in die sie sehr gut hineinschlüpfen. Keine der Frauen ist so, wie sie anfangs vorgibt zu sein. Schicht für Schicht schälen sich die Figuren aus ihren verschiedenen Gesichter. Immer mehr Geheimnisse, Lügen und Laster kommen zu Tage. Was hast du heute Nacht getan? Jede gibt nur so viel preis, wie sie muss. Doch keine von ihnen kommt damit durch. Denn ihre geheimen Gewohnheiten und Beziehungen blieben nie unentdeckt. Hinter jedem Vorhang, vor jeder Tür lauschen und lauern neugierige Augen und Ohren.

Rätsel um die Mörderin

Die achte der französischen Damen taucht unerwartet auf. Es ist die Schwester des verstorbenen Hausherrn. Pierrette (Sina Schulz) führt ein laszives ausschweifendes Leben und wurde daher von der Familie fern gehalten. Ihre beiden Nichten sehen die Tante zum ersten Mal. Natürlich hat aber auch die Femme fatale ihre Finger im Spiel und zieht die Fäden im Hintergrund – bisher zumindest.

Augustine (Gabriele Fischer) ist die Tante mütterlicherseits. Vernachlässigt, einsam und unglücklich fristet sie ihr Dasein. Mit ihren Neurosen und der verschwurbelten Art ist sie der heimliche Star des Abends, und bringt das Publikum regelmäßig zum Lachen. Mamy und Augustine leben noch nicht lange in dem Landhaus. Gaby und Marcel haben sich breit schlagen lassen, die beiden Frauen aufzunehmen.

Das Stück spielt etwa in den 50er oder 60er Jahren. Dementsprechend eingestaubt ist auch das Frauenbild. Acht, auf ihre Art starke weibliche Figuren, stehen dort auf der Bühne, und doch sind sie alle abhängig von nur einem Mann. Bis zum Schluss bleibt unklar, wer die Mörderin ist. Oder suchen sie am Ende gar keine Schuldige?

Viele weitere Vorstellungen sind bis bis Freitag,16. August zu sehen. Infos und Karten gibt's in der Geschäftsstelle des Altmühl-Boten, Telefon: 09831 50080. 

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