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Neuer Kindergarten in Gunzenhausen?

Die Siebenten-Tags-Adventisten stellten ihr Konzept für ihre Einrichrung vor - 31.07.2020 17:10 Uhr

Das Wohlfahrtswerk der Siebenten-Tags-Adventisten würde das bestehende Gemeindezentrum in der Bahnhofstraße gerne um eine Kindertagesstätte erweitern.

© Jürgen Eisenbrand


Dieser Nachfrage ein Angebot entgegensetzen, könnte eine neue Einrichtung, die das Advent-Wohlfahrtswerk in Gunzenhausen errichten möchte. Das Wohlfahrtswerk gehört zur Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die seit vielen Jahren in der Bahnhofstraße ein eigenes Gemeindezentrum unterhält.

Auch der Deutsche Verein für Gesundheitspflege (DVG) ist unter diesem Dach zu finden. Das Wohlfahrtswerk betreibt in Deutschland bereits mehrere Einrichtungen für Kinder und auch Senioren und würde in Gunzenhausen in Zusammenarbeit mit dem DVG einen "Präventions- und Gesundheitskindergarten" einrichten, wie Jürgen Hildebrand als Vertreter der Organisation dem Gremium erläuterte.

Ernährung und Bewegung

Entstehen soll eine Krippe mit zwölf Plätzen für unter Dreijährige sowie eine Kindergartengruppe mit 25 Plätzen. Im Mittelpunkt stehe die Gesundheitsförderung, erklärte Gerlinde Alscher vom DVG, die in Gunzenhausen seit Jahrzehnten Kurse zu Themen wie Ernährung, Bewegung, Entspannung oder Stressbewältigung gibt. "Wir haben die Kompetenzen dafür", betonte sie.

Doch wer oder was sind die Adventisten eigentlich? Diese Frage zu beantworten, oblag Pfarrer Gerd Bonnetsmüller, der kurz einen Einblick in die Geschichte und das Selbstverständnis der protestantischen Freikirche gab, die in Deutschland 1867 gegründet worden ist. "Wir sehen uns in der Tradition der Protestanten, haben aber quasi nach Luther noch weitergemacht." Großen Wert legen die Adventisten auf soziales Engagement, Gesundheit und Bildung.

"Wir verstehen uns nicht als alleinseligmachende Kirche, wir haben eine hohe Deckungsgleichheit mit dem Protestantismus", antwortete er auf die kritische Nachfrage von Christoph Mötsch (Grüne), dem zwar der gesundheitliche Ansatz der geplanten Einrichtung gefielen, die sonstigen Auskünfte jedoch als zu dürftig bezeichnete. "Ich muss wissen, wie die denken", machte er klar, und auch seine Fraktionskollegin Ingrid Scala gab zu bedenken: "Das Konzept hat schon einen stark religionspädagogischen Ansatz." Doch auch der Wohlfahrtsverband unterliege den Bestimmungen nach dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan und sei eingebunden in die verschiedenen Aufsichtsbehörden, versuchte Hildebrand die Bedenken auszuräumen. Zudem kämen in den bereits bestehenden Einrichtungen die Kinder zu 98 Prozent nicht aus "adventlichen" Haushalten. Nicht zu vergessen sei außerdem, dass letztlich die Eltern darüber entscheiden, in welche Einrichtung sie ihr Kind schicken. Und es gebe auch keine Ausschlusskriterien für Familien, versicherte er als Antwort auf eine entsprechende Frage von Werner Falk (FDP). "Die Konfession spielt keine Rolle", war auch von Gerlinde Alscher zu hören: "Es ist jeder willkommen!"

Kooperation mit Klinikum

Die übrigen Ausschussmitglieder wollten weder "Glaubensfragen erörtern" (Dr. Werner Winter, Freie Wähler), noch "einen Glaubenskrieg führen" (Werner Falk, FDP), sondern fanden, wie etwa Angela Schmidt (SPD) Gefallen an dem Aspekt Gesundheit, der "an Bedeutung gewinnen werde". Sie denke dabei zum Beispiel an zunehmende Fehlernährung in vielen jungen Familien, weshalb sie das Konzept durchaus begrüße. Auch Inge Meier (CSU) hält die Bausteine, auf denen das Konzept fußt, für sehr gut.

Für Bürgermeister Karl-Heinz Fitz steht noch ein anderer Aspekt im Raum: Um den Bedarf an Betreuungsplätzen zu decken, sei das Modell eines Betriebskindergartens angedacht gewesen. Die Nachfrage hierfür habe sich aber in Grenzen gehalten, jedoch gebe es immer wieder Nachfragen aus dem Klinikum Altmühlfranken, ob Plätze vorhanden seien. Dies sei oft ein entscheidendes Kriterium für Ärzte, hier eine Stelle anzunehmen. Mit dem Wohlfahrtsverband könnte, so Fitz weiter, eine Kooperation vereinbart werden: Sprich, die Einrichtung hält ein paar Plätze für Mitarbeiter des Klinikums frei und bezahlt auch dafür. "Unser Vorteil als Kommune wäre, dass wir keinen qualifizierten Arzt abweisen müssten. Das Thema Gesundheit würde gut passen, das wäre eine charmante Lösung."

Das sahen letztlich auch die meisten Ausschussmitglieder so und stimmten mehrheitlich dafür, den Bedarf an weiteren Betreuungsplätzen anzuerkennen. Dagegen stimmten die beiden Grünen-Vertreter Ingrid Scala und Christoph Mötsch. Für den möglichen Träger bedeutet das positive Votum, in die weitere Planung gehen zu können. Von Arno Dernerth (CSU) nach der Zeitschiene gefragt, gaben sich Hildebrand und Fitz realistisch: "Ein Jahr planen, ein Jahr bauen."

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