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Nicht nach einem Staubsauger benannt

Die Züchter und Halter von Vorwerkhühnern müssen sich schon mal merkwürdige Fragen anhören - 22.08.2020 16:41 Uhr

Vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse: die Vorwerkhühner Vroni, Miri, Melli, Babsi und Lisa in ihrem Stall.

21.08.2020 © Rosemarie Meyer


Denn den Namen "Vorwerk" verbinden die meisten Menschen nun mal mit Haushaltsgeräten. Geflügelzücher und Hühnerhalter hingegen kennen die nach Oskar Vorwerk benannten Hühner. Der Hamburger Kaufmann züchtete um 1900 diese Haushuhnrasse, die er 1912 erstmals auf der Junggeflügelschau in Hannover präsentierte.

Sie stellen keine besonderen Haltungsanforderungen, sind ruhig, zutraulich, haben eine gute Legeleistung und setzen ordentlich Fleisch an, sind also sogenannte Zweinutzungshühner. Sie gackern nicht laut, sondern lassen ein hanseatisch vornehmes Zirpen hören.

Trotz dieser Vorzüge stehen sie auf der Vorwarnstufe der Liste gefährdeter Nutztierrassen der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen. Schon seit 1926 gibt es einen Sonderverein, der sich mit der Züchtung der Vorwerkhühner, als "normale Hühner oder in der Zwergform" befasst. Einem Züchter ist es zu verdanken, dass die Vorwerkhühner den Zweiten Weltkrieg über-lebten, denn er behielt 26 reinrassige Hühner und zwei Hähne in seinem Bestand.

Zwar wuchs in den folgenden Jahren die Anzahl der Hühner wieder an, aber ein richtiger Hit sind Vorwerkhühner bis heute nicht. Vielleicht auch, weil sie farblich eher unspektakulär sind: Ihr Federkleid ist in schlichtem braun-schwarz gehalten.

2013 wurde vom Verband ein Bestand von 718 Hähnen und 3141 Hennen ermittelt. Um bei diesem geringen Bestand Inzucht zu verhindern, wurde eigens ein Zuchtring gegründet.

Es ist deshalb keine Überraschung, dass Züchter von Vorwerkhühnern hier in der Region ebenfalls rar sind. Nicht mal eine Handvoll gibt es im Bezirk Mittelfranken des Verbandes Bayerischer Rassegeflügelzüchter, in dessen neun Kreisverbänden immerhin 96 Ortsvereine organisiert sind. Sebastian Ruppert aus Ruppertsbuch ist einer, der sein Herz für diese Rasse entdeckt hat. Der junge Züchter, der zugleich Vorsitzender des Eichstätter Geflügelzuchtvereins ist, der Gebietsreform zum Trotz jedoch immer noch im mittelfränkischen Verband organisiert ist, widmet sich der Zucht und dem Erhalt von Vorwerkhühner in beiden Formen. In der familieneigenen Zuchtanlage in Langensallach leben insgesamt 450 Tiere, neben Vorwerkhühnern auch das seltene Sachsenhuhn und die Urzwerge Bandamhühner, die Vater Werner züchtet.

Geflügelzucht ist in der Familie Ruppert Programm – schon seit Generationen. Sebastian Ruppert ist mit seinen Vorwerkhühnern auf Rasseschauen erfolgreich, einer seiner Vorwerkhähne hat immerhin das "Blaue Band" gewonnen.

Hühner, die nicht zur Zucht geeignet sind, gibt Sebastian Ruppert gerne ab. Wobei er über mangelnde Nachfrage nicht klagen kann, denn immer mehr Menschen, vor allem junge Familien, entdecken die Hühnerhaltung für sich.

Die Lebensmittelskandale um Eier und um die Hühnerhaltung haben bei manchen Verbrauchern zum Umdenken geführt. Der Direktverkauf der Eier von Hühnerhöfen mit Freilandhaltung boomt, und beim Huhn im eigenen Garten weiß man, was im Ei drin ist. Statt Legehybride greifen viele dann zum Rassehuhn.

In den sozialen Netzwerken gibt es dazu unterschiedliche "Hühnergruppen" von Zuchtgruppen über "Rettet das Huhn" bis hin zu "Hühner auch für Anfänger", in denen sich die Mit-glieder Tipps geben oder bekriegen, je nach Einstellung.

Denn vielfach ist eine "Vermenschlichung" der Tiere zu beobachten. Da fragen dann die Hühnerhalter schon mal nach, ob es Hühner im Winter im Stall nicht friere, ob man Hühner mit oder ohne "Windeln" ins Haus lassen solle oder welche Eissorte den "Hühnis" besonders munde. Dem Dorfkind sträuben sich dann schon mal die Haare, denn Hühner sind Hühner – und ob diese Art der Haltung wirklich gut ist? In Vorgärten werden Luxushühnerhäuser gebaut, und es gibt jede Menge "Spielzeug" für Hühner, wobei die Hühnerschaukel und der bunte, fröhliche Futterball noch die harmlosesten sind.

Vroni, Miri, Melli, Babsi und Lisa wohnen bei uns jedenfalls im Stall, zusammen mit den anderen Hühnern und Gockel Karl-Theodor. Sie werden nicht geschlachtet oder ausgetauscht, wenn die Legeleistung nachlässt. Allerdings werden wir unseren Hühnerbestand nicht nur auf Rassehühner ausrichten, denn wir denken, "stinknormale" Hühner wie Gudrun, Annemarie, Brunhilde, Sieglinde und so weiter haben auch ein Recht auf ein schönes Leben.

Allerdings kann es schon sein, dass ich ihnen eine Hühnerschaukel baue – mal sehen …

ROSEMARIE MEYER E-Mail

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