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Raupen-Plage in Gunzenhausen: Kampf läuft auf Hochtouren

Forst-Mitarbeiter verzichten auf Urlaub, um Einwohner zu unterstützen - 22.06.2019 17:00 Uhr

Der Lkw hat Erde geladen. Mitarbeiter des Forstbetriebs Allersberg der Bayerischen Staatsforsten verteilen sie auf der Folie, um sie zu beschweren. © Isabel-Marie Köppel


Brückentag und Füße hochlegen? Nicht für 17 Mitarbeiter des Forstbetriebs Allersberg der Bayerischen Staatsforsten. Sie haben freiwillig auf ihren Urlaubstag verzichtet, um in der Frickenfelder Straße in Gunzenhausen weiter gegen die Raupen des Schwammspinners zu kämpfen. "Wenn’s brennt, muss man halt helfen", sagt einer von ihnen. Da könne er für alle sprechen. Normal sind sie in anderen Revieren wie Heideck, Pyrbaum oder Hersbruck tätig.

Am Vormittag haben die Männer schon sieben Rollen der schwarzen Folie aufgestellt, das entspricht knapp zwei Kilometern. Sie ragt schon einige Meter über das Ortsschild hinaus. Der Zaun, ähnlich wie in der Leonhardsruhstraße, soll die Schädlinge daran hindern, den Burgstallwald zu verlassen. Zusätzlich fährt eine Kehrmaschine regelmäßig auf dem Radweg und der Straße, um die Schwammspinner aufzusammeln. Der Bauhof kümmert sich dann um das Absaugen der Folien.

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Plage in Gunzenhausen: Raupen des Schwammspinners auf dem Vormarsch

2018 hatte Gunzenhausen und vor allem der Burgstallwald zum ersten Mal mit dem Schwammspinner zu tun. Bis zu 1000 Eier legt ein Schmetterlingsweibchen. Dementsprechend viele Raupen fressen sich gerade durch den Burgstallwald, der mittlerweile nahezu kahl ist. Auch die Anwohner, das Freibad und die Seenlandklinik Lindenhof kämpfen mit der Plage.


Die noch grünen Randstreifen haben die Staatsforsten auf Anordnung der Stadt Gunzenhausen gespritzt. Dadurch ergeben sich neue rechtliche Grundlagen. Nur deshalb durfte das Team des Forstbetriebs das Biozid ausbringen. "Jetzt geht’s darum, die Bürger zu entlasten, nicht mehr um Pflanzenschutz", sagt der stellvertretende Forstbetriebsleiter Bernhard Wallraff. Bei dem aufgebrachten Präparat handelt es sich um das Bakterium "Bacillus thuringiensis", das tödlich für die Schmetterlingsraupen ist. Sie nehmen es mit der Nahrung auf. Erst bei der Verdauung wirkt es toxisch.

"Schon besser geworden"

Stefan Wittmann, Mitarbeiter Forstbetrieb Allersberg, hat auch am Montag in der Leonhardsruhstraße geholfen, wo genauso vorgegangen wurde. "Es ist schon besser geworden", kann er berichten – die Anwohner dort empfinden ebenso.

Federführend bei der Bekämpfung ist die Kommune, auch die Idee für den Zaun kam von der Stadt, worüber Wallraff sehr froh war. Ihnen fehlen die Erfahrungswerte im Umgang mit den Schädlingen. "Schwamm- und Eichenprozessionsspinner sind wärmeliebende Arten. Die Klimaerwärmung fördert sie", weiß Wallraff. Zwar sind die Schwammspinner nicht neu – sie gebe es immer in Eichenbeständen – doch habe niemand mit den Auswirkungen auf die Bevölkerung gerechnet.

"Wir sind immer von einem Szenario auf eigenem Grund ausgegangen. Wir hätten nicht gedacht, dass die Raupen den Wald verlassen", erklärt Wallraff. Auf den Kahlfraß und auf den Verlust einiger Bäume waren sie gefasst. Die gesundheitsgefährdende Komponente, also vereinzelte Allergien und die psychische Belastung der Anwohner, habe jedoch bei der Entscheidung, ob das raupentötende Häutungshormon Mimic eingesetzt wird, keine Rolle gespielt. Schlichtweg, weil man nicht davon ausging, dass es dazu kommen werde. Einen so extremen Befall habe es noch nicht gegeben, so der Experte.

Für 2020 müssten die Verantwortlichen mehr Gesichtspunkte berücksichtigen. Im Herbst erfolgt die nächste Prognose, wenn sie die Gelege der Schmetterlinge begutachten. Als "tragisch" bezeichnet Wallraff die derzeitige Situation.

Mimic helfe jetzt nichts mehr, da die Bäume bereits kahl sind und die Raupen den Wirkstoff ja fressen müssten. Er könne die Verzweiflung der Bürger verstehen, dennoch war es für ihn persönlich heftig, wie er teilweise am Montag bei der gemeinsamen Begehung mit dem Stadtrat von Anwohnern angegangen worden sei.

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