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"Schildbürgerstreich" in Gunzenhausen?

Stadträte beschließen einen Kunstrasenplatz für den zentralen Pausenhof der Stephani-Schule, die Grünen sorgen sich wegen Mikroplastik. - 10.07.2019 17:14 Uhr

Kunstrasen ist pflegeleicht, aber die Mikroplastik-Kügelchen zwischen den „Grashalmen“ bereiten Umweltschützern Sorgen. © Sportfoto Zink / JüRa


Dass der Pausenhof umgestaltet werden soll, ist schon lange beschlossene Sache. In die Diskussion um das beste Konzept schaltete sich damals die Schulfamilie ein und brachte bei einer gemeinsamen Sitzung ihre Wünsche vor. Ganz oben auf der Liste stand ein Streetsoccerfeld. Und für ein solches Feld ist Kunstrasen derzeit einfach erste Wahl, erläuterte Simone Teufel in der Sitzung des Stadtrats. Ein anderer Kunststoffbelag – wie etwa auf der Tartanbahn – wäre denkbar, aber wesentlich rutschanfälliger. "Wir können das jetzt noch switchen", so die Stadtbaumeisterin, ob das dann allerdings von den Kindern noch so angenommen werde, sei fraglich.

Im Bestreben, möglichst auf Plastik zu verzichten, spare man heutzutage an Trinkhalmen und Wattestäbchen. Das geht für Helga Betz (Grüne) nicht zusammen mit einem Kunstrasen-Soccerfeld. Es ist vor allem der Abrieb, der sich als Mikroplastik in Trinkwasser und Boden wiederfindet, der den drei Grünen-Stadträten ein Dorn im Auge ist.

Bürgermeister Karl-Heinz Fitz äußerte denn auch Verständnis für die Argumente der Grünen. Andererseits könne man nicht Eltern- und Lehrerschaft nach ihren Wünschen fragen und diese dann nicht umsetzen. Kunstrasen sei nun mal "Teil des Produkts Streetsoccerplatz". Das war auch für Manfred Pappler, der sich als "ursprünglich erklärter Gegner von Kunstrasen" bezeichnete, der entscheidende Punkt.

"Verteufelung von Kunstrasen"

Man solle doch nicht meinen, echauffierte sich Dr. Werner Winter, dass Deutschland mit einem Prozent der Erdbevölkerung die Welt retten könne. Der Freie Wähler kann die "Verteufelung von jeglichem Plastik" nicht mehr hören, sprach davon, dass hier Ängste geschürt würden und wehrte sich dagegen, dass die Stadt dabei mitmache.

Dr. Hans-Peter Neumann nannte die Entscheidung für das Streetsoccerfeld "Bürgerbeteiligung". Diese als Schildbürgerstreich zu bezeichnen, sei ein "starkes Stück". Er gab zu bedenken, dass der Platz ganzjährig nutzbar sei und keinerlei Pflegeaufwand erfordere.

Für Friedrich Kolb (CSU) ist Kunstrasen "die vernünftigste Lösung in Abwägung der Alternativen". Zu diesem Ergebnis sei man auch in seinem Sportverein nach intensiver Diskussion gekommen. Naturrasen, für den die Grünen plädierten, sei nicht so beständig, müsse gemäht und gedüngt werden. Der Pflegebedarf war auch für Beate Schlicker ein wichtiges Argument. "Wer soll denn den Rasen in Schuss halten?", fragte die Cronheimer Ortssprecherin in die Runde und erinnerte zudem daran, dass dank Kunstrasen auch bei schlechtem Wetter kein Dreck in die Schule getragen werde.

Letztendlich befürwortete eine große Mehrheit des Stadtrats die Vergabe des Auftrags an die Firma Tief- und Pflasterbau Stefan Wagner aus Unterwurmbach. In der Auftragssumme von rund 512 000 Euro ist auch der Bau des 150 Quadratmeter großen Streetsoccerfelds mit Kunstrasen enthalten. Lediglich die drei Grünen-Stadträte stimmten dagegen. 

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