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Montag, 20.01.2020

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Schwarzmeer-Kosaken brillieren in Berolzheim

Der berühmte Chor um Peter Orloff gab ein grandioses Konzert - 10.01.2020 06:14 Uhr

Peter Orloff und sein Schwarzmeer Kosaken-Chor überzeugten in St. Hedwig mit wunderbaren Stimmen und instrumentalen Höchstleistungen. © Foto: Uli Gruber


Das vom früheren Schlagerstar Peter Orloff geleitete Ensemble entführte sein Publikum nicht nur in die Weiten, Sagen, Legenden und Mythen des "alten Russland", sondern gewährte darüber hinaus tiefe Einblicke in die menschliche Seele. Grandiose Stimmen, virtuose Instrumentalsoli mit landestypischen Instrumenten (Slava Kripakov, Bass-Balalaika; Irina Kripakova, Domra; Ilya Kurtev, Bajan), das Charisma der "Gallionsfigur" Peter Orloff, jede Menge Humor, Wissenswertes zu Kultur und Historie sowie eine Riesenportion an musikalisch transportierter Lebenslust sind das Erfolgsrezept der Schwarzmeer Kosaken. Kein Wunder, dass sich davon auch der jetzige MGV-"Boss" Werner Schmidt inspirieren ließ. Er hatte das Gastspiel der Russen und Ukrainer in seiner Begrüßungsrede als "Konzertereignis des Jahres" angekündigt. Wohl nicht zu Unrecht, wie sich im Verlauf der anschließenden rund zweieinhalb Stunden herausstellen sollte.

Schmidt hob unter anderem das gedeihliche Wirken seines Amtsvorgängers Jörg Thielsch hervor. Ohne dessen Initiative in puncto Kontaktaufnahme und Organisation wäre das Konzert nicht zustande gekommen. Der Redner erwähnte zudem die stete Unterstützung des Gastgebers, Pfarrer Matthias Fischer. Auch dem Mesner-Ehepaar Erika und Alfred Klug galt es, für die akribische Vorbereitung und Durchführung des Nachmittags Dank zu sagen. Die Schwarzmeer Kosaken bezeichnete Schmidt als einen der bekanntesten und renommiertesten Chöre des Genres. Für den örtlichen MGV sei es eine besondere Ehre, mit den "Profis" aus Osteuropa singen zu dürfen.

Ein Abschied vor großem Publikum: Chorleiterin Jutta Pauer vom MGV Markt Berolzheim wurde von Vorstand Werner Schmidt, Peter Orloff und Organisator Jörg Thielsch (von links) nicht nur mit anerkennenden Worten beschenkt. © Foto: Uli Gruber


Musikalische Impressionen einer von "Romanzen, Geschichten, Balladen, tiefer Melancholie und überschäumendem Temperament" geprägten Welt tragen über sprachliche Barrieren hinweg zur Völkerverständigung bei. Von diesem Selbstverständnis beflügelt, vermittelt die Truppe von Peter Orloff exakt diesen "guten Geist" des Miteinanders. Nicht nur Russen und Deutsche sind sich dadurch näher gekommen. Auch der seit Jahren schwelende Konflikt in der Ost-Ukraine scheint der Stimmung innerhalb des Gefüges Schwarzmeer Kosaken nichts anhaben zu können: "Russen und Ukrainer? Geht doch!", umschreibt Peter Orloff mit spitzbübischem Lächeln die Atmosphäre im eigenen Lager.

Auch die Kirchenbesucher in St. Hedwig sind überzeugt von dieser Konstellation. Wie sonst könnten sich die Mitglieder der Formation als derart ausdrucksstarkes Kollektiv präsentieren. Alle Räder greifen perfekt ineinander. Solostimmen von enormer Intensität, einfühlsame Lieder, große Gesten, Ensemblegesang mit hoher rhythmischer Präzision, unter die Haut gehende Volksweisen und meist launige schauspielerische Elemente erreichen sowohl die Augen und Ohren wie auch die Herzen der Menschen. Im russischen "Schneegestöber" tauten die Berolzheimer und ihre Gäste schnell auf. Sei es der Gefangenenchor aus Giuseppe Verdis Oper "Nabucco", das "Wolga-Lied", die ergreifende Arie "Nessun Dorma" aus "Turandot", das ungebrochen beliebte "Kalinka" oder Bortnjanskijs "Ich bete an die Macht der Liebe" – die Schwarzmeer Kosaken wurden frenetisch gefeiert.

Ihren Teil zum Gelingen steuerten selbstverständlich die ambitionierten Herren des MGV Markt Berolzheim bei. Sie sind von Chorleiterin Jutta Pauer auf das Ereignis bestens "eingestimmt" worden. Einen Wermutstropfen gab es am Ende des Konzerts doch noch zu verkünden. "Löwenbändigerin" Pauer hatte sich schon im Vorfeld dazu entschlossen, aus beruflichen Gründen ihre Funktion in der Marktgemeinde zu beenden. Vorstand Schmidt und seine Mannen nahmen deshalb die Gelegenheit wahr, um "ihre" Dirigentin vor großer Kulisse angemessen zu verabschieden und deren Verdienste zu würdigen. Lobende Worte, Blumen, lang anhaltender Applaus und zahlreiche Glückwünsche für die Zukunft unterstrichen die Wertschätzung für die Arbeit von Jutta Pauer.

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